Aldenhoven - Dichtheitsprüfung: Gemeinde Aldenhoven erstellt Konzept

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Dichtheitsprüfung: Gemeinde Aldenhoven erstellt Konzept

Von: gep/ojo
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So trifft der Hausanschluss au
So trifft der Hausanschluss auf den Kanal. Ab hier kann überprüft werden, in welchem Zustand sich die Abschlussleitung von Haus zu Kanal befindet. Foto: imago/bikyhluss

Aldenhoven. Nach den Sommerferien sollen die Bewohner der Gemeinde Aldenhoven über die anstehende Dichtheitsprüfung der privaten Kanalabschlüsse informiert werden, die künftig alle 20 Jahre fällig wird. Die Bürger erhalten einen Flyer zur Erstinformation und können sich zusätzlich noch über eine Internet-Adresse kundig machen.

Bis letztendlich 2023 sollen alle Anschlüsse darauf kontrolliert sein, ob die häuslichen Abwasserleitungen Risse aufweisen, Dichtringe in das Kanalinnere hineinragen („Pfusch am Bau”), Wurzeln eingewachsen sind, sich Rohrverbindungen verschoben haben oder Ablagerungen den Abfluss behindern.

Die Reihenfolge, wann welche Straßen überprüft werden sollen, legt der Gemeinderat rechtsverbindlich per Satzung noch in diesem Jahr fest.

„Es geht um viel Geld”, legte Dr.-Ing. Ralf Togler von der Kommunal- und Abwasserberatung NRW im Rathaus dar. Es gebe „sehr viele unseriöse, manchmal kriminelle Anbieter”, die etwa mit fingierten Videoaufnahmen Hauseigentümer unter Druck setzten. Die Gemeinde will ihre Beratungs- und Informationspflicht daher sehr ernst nehmen. Bürgermeister Lothar Tertel: „Schwarze Schafe sollen in Aldenhoven keine Chance haben.”

Zudem gibt es eine Liste aller nach Paragraph 61a des Landeswassergesetzes (LWG) zugelassenen Sachverständigen für die Dichtheitsprüfung von Hausanschlüssen, die Inspektionen nach Mindeststandards vornehmen.

Die Bescheinigung, die eine DIN-A4-Seite umfasst, sollte zeitnah im Rathaus vorgelegt werden, zumal sie dort auch auf Plausibilität überprüft wird - ein Stück kommunaler Verbraucherschutz. Auch sollen sich Bürger telefonisch oder im Rathaus bei Bedarf beraten lassen können - allerdings nur allgemein.

Im Kreis hat sich Aldenhoven mit anderen Städten und Gemeinden - Ausnahme: Düren und Jülich - auf eine einheitliche Vorgehensweise geeinigt und in einem Konzept festgeschrieben. „Ein solch einheitliches Vorgehen erhöht auch die Akzeptanz bei allen Grundstückseigentümern deutlich.”

Grundsätzlich soll so vorgegangen werden, dass, wenn die öffentlichen Kanäle mit der Kamera befahren werden, auch die privaten Anschlussleitungen überprüft werden. Dazu könnten sich die Anwohner zu „Sammelaktionen” verabreden, so Baudezernentin Anita Klotz. Das öffentliche Netz werde schon regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls repariert. „Sonst machen wir uns strafbar”, betont der Bürgermeister.

Aus der Prüfbescheinigung wird klar ersichtlich, ob die Rohre „dicht” oder „undicht” sind. Im letzteren Fall werden die Schäden nach drei Kategorien klassifiziert.

Die Einstufung erfolgt nach dem „Bildreferenzkatalog private Abwasserleitungen”. Stellt der Sachkundige bei der optischen Inspektion Schäden der Klasse A („schwer”) fest, ist also etwa die Standsicherheit gefährdet, muss die Sanierung innerhalb von sechs Monaten erfolgen. Das ist etwa der Fall bei einem Grundwassereinbruch mit Bodeneintrag oder bei einer Hohlraumfeststellung im Kanalbereich.

Bei Schäden der Klasse B („mittel”), die etwa als axiale und radiale Rohrversetzungen oder Wurzeleinwüchse auftreten können, beträgt die Sanierungsfrist maximal fünf Jahre. „Schäden der Schadensklasse C führen dagegen nicht unbedingt zu einer Sanierungsaufforderung.” Hier soll es ausreichend sein, wenn bei der Wiederholungsprüfung nach 20 Jahren etwa Haarrisse in der Kanalwandung erneut untersucht werden.


Einen im Braunkohlenrevier besonderen Aspekt bei der Dichtheitsprüfung hatte der CDU-Landtagsabgeordnete für den Nordkreis und Sprecher seiner Fraktion im Unterausschuss Bergbausicherheit, Josef Wirtz aus Schophoven, aufgegriffen. Viele Hausbesitzer im rheinischen Revier befürchteten, so Wirtz, „bergbaubedingte Schäden an ihren Abwasserleitungen und Hausanschlüssen, für die sie nicht selbst verantwortlich sind”. Wirtz hat dies zum Anlass genommen, eine Anfrage an die Landesregierung zu richten. Ziel sei es, die Dichtheitsprüfungen und eventuelle Sanierungsmaßnahmen „bürgerfreundlich und mit möglichst geringen finanziellen Belastungen für die Anwohner durchgeführt werden können”.

Die rot-grüne Landesregierung sehe indes keinen Bedarf an einer Ausnahmereglung für solche Fälle, erhielt Wirtz zur Antwort. „Für die Regulierung tagebaubedingter Kanalschäden gelten dieselben Regelungen zur Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen, wie bei anderen Bergschäden.” Es werde, so die Landesregierung weiter, in diesen Fällen auch keine anderen Fristsetzungen für die Dichtheitsprüfung geben.

Als Teilerfolg wertete es Wirtz, dass sich die Betroffenen solcher Fälle an die Anrufungsstelle für Bergschäden wenden können - falls sie sich nicht mit dem Bergbautreibenden einigen könnten.

Die Anrufungsstelle Bergschaden Braunkohle NRW bei der Bezirksregierung Köln ist zu erreichen unter Tel. 0221-1472500.

Vor der Dichtigkeitsprüfung sollten die Abwasserleitungen durch das sachkundige Unternehmen gereinigt werden, etwa mit einem Hochdruckspüler. Dann wird der Zustand der Leitungen und Kontrollschächte bei einer Kamera-Inspektion auf optische Dichtheit überprüft. Dabei werden die Leitungsknickpunkte, Abzweige und Gebäudeanschlüsse geortet und markiert. Die Ergebnisse der TV-Inspektion werden dokumentiert. Es werden ein Bestandslageplan angefertigt und eine Dichtheitsbescheinigung ausgehändigt, die der Stadt oder Gemeinde vorgelegt werden müssen. Die Kosten für ein Einfamilienhaus liegen laut NRW-Umweltministerium bei etwa 300 bis 500 Euro. Ist eine Sanierung notwendig, muss das Kanalrohr nicht unbedingt freigelegt werden. Möglich ist meist eine Innen-Sanierung.

Bei diesem Liningverfahren wird ein kunstharzgetränkter Gewebeschlauch in das alte Rohr eingezogen, der dann aushärtet. Durch die Flexibilität des Schlauchliners können Sanierungen bis zu 500 Meter in einem Schritt durchgeführt werden, auch Bögen im Rohrverlauf bis zu 45 Grad sind so reparabel. Sind die Schäden repariert worden - etwa durch ein Unternehmen, das das Gütesiegel Kanalbau hat -, muss erneut eine Dichtheitsprüfung durch einen ausgewiesenen Sachkundigen erfolgen.

Die Prüfung sollte auf jeden Fall auch dazu genutzt werden, sich zu vergewissern, ob ein Schutz gegen Rückstau vorhanden ist.
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