Jülich - Deutschlands größter Kunsthandwerkerinnen-Markt lockt Besucher nach Jülich

Deutschlands größter Kunsthandwerkerinnen-Markt lockt Besucher nach Jülich

Letzte Aktualisierung:
17005885.jpg
Noch ist das Blatt leer, auf dem die Jülicher Amtsleiterin Julia Huneke die angereisten Kunsthandwerkerinnen vermerkt, noch ist der Schlossplatz leer. Das ändert sich am Samstagmorgen innerhalb weniger Stunden. Foto: Jansen

Jülich. Samstag gibt es ein Jubiläum in Jülich. Die bestbesuchte Veranstaltung im Jahreskalender der Stadt findet zum 25. Mal statt: der Kunsthandwerkerinnenmarkt auf dem Schlossplatz. Am Samstag und Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr erwarten die Leiterin des Jülicher Stadtmarketings Julia Huneke und ihr Team rund 30.000 Besucher.

Im Interview mit Guido Jansen spricht Huneke über die Jubiläumsveranstaltung, Kunsthandwerkerinnen aus Schweden und die Kriterien für die Auswahl der Stände.

 

Wie viel Mehrarbeit wartet gerade auf Sie und das Team, das den Kunsthandwerkerinnenmarkt betreut?

Huneke: Die Woche vor dem Markt ist schon die, in der am meisten passiert. Die Organisation ist in den Monaten vorher gelaufen. Aber jetzt müssen wir dafür sorgen, dass an den Markttagen alles reibungslos läuft.

Was könnte denn nicht reibungslos laufen?

Huneke: Es gibt immer mal wieder neue Probleme, die wir lösen. Der Schlossplatz wird individuell angepasst auf die Bedürfnisse der Kunsthandwerkerinnen. Und dann kommt die eine oder andere doch mit einem etwas größeren Stand und muss dann an einer anderen Stelle als geplant platziert werden. Dafür halten wir noch Ausweichplätze vor. Es kommt auch schon mal vor, dass der Strom an einzelnen Ständen ausfällt. Für alle diese Dinge finden wir Lösungen.

Und wenn der Markt begonnen hat – können Sie dann in Ruhe über den Schlossplatz schlendern?

Huneke: Ich schaue mir natürlich auch die Waren an und liebäugele damit, das eine oder andere zu kaufen. Oft komme ich da aber erst am Ende zu. Und dann sind die Sachen häufiger schon verkauft. Eine Kollegin und ich sind an beiden Tagen unterwegs, um an jedem Stand mal nach dem Rechten zu sehen. Das ist ein strammes Programm. Zweimal sieben Stunden Zeit, um mit zwei Personen 250 Stände zu besuchen – da bleiben insgesamt pro Stand dreieinhalb Minuten Zeit. Es ist wichtig, dass wir für die Kunsthandwerkerinnen ansprechbar sind.

Könnten Sie den Markt auch noch größer aufziehen?

Huneke: Ja, was die Anfragen angeht sicher. Wir haben immer zwischen einem Drittel und der Hälfte mehr Anfragen als Standplätze. Deswegen werden wir auf das Thema auch häufiger angesprochen. Da muss man sich aber fragen, wie viel sinnvoll ist. Wie eben erwähnt braucht man jetzt schon beide Tage, also 14 Stunden Markt, um jeden Stand dreieinhalb Minuten anzuschauen.

Wie entscheiden Sie, welche Kunsthandwerkerin den Zuschlag erhält?

Huneke: Pro Gewerk gibt es eine bestimmte Zahl an Ständen, die wir vergeben. Damit sorgen wir dafür, dass es eine gute Durchmischung gibt. Wir haben in der Stadt eine Kommission, die innerhalb der Gewerke auf Faktoren wie Qualität, Individualität und das kleine Bisschen extra achtet.

In den Ankündigungen der Stadt ist immer wieder von bis zu 30000 Besuchern insgesamt zu lesen. Wie kommt diese Zahl zustande?

Huneke: Es gab vor mehreren Jahren eine Zählung. Damals fand der Markt nur an einem Tag statt. Da hat ein Team an den Zugängen die Besucher gezählt. Anschließend wurde mit einem Schlüssel gerechnet, der auch berücksichtigt, wie viele Menschen mehrfach rauf auf den Platz und wieder runter gehen. Und da hat sich die Zahl für einen Tag ergeben.

Woher kommen die Kunsthandwerkerinnen? Wie viele Lokalmatadorinnen gibt es?

Huneke: 20 bis 25 Prozent kommen aus der Region, also vielleicht aus einem Umkreis von 30 Kilometern. Die Hälfte stammt aus dem westlichen Rheinland. Aber es gibt auch viele Ausstellerinnen aus anderen Bundesländern. Die weiteste Anreise hat eine Kunsthandwerkerin aus Schweden, die schon seit Jahren in Jülich dabei ist.

Der Kunsthandwerkerinnenmarkt ist der größte seiner Art in Deutschland, oder? Jetzt findet die 25. Auflage statt. Wie hat alles angefangen?

Huneke: Wir haben bei unseren Recherchen noch keinen Markt ausschließlich für Kunsthandwerkerinnen in Deutschland gefunden, der größer ist. Begonnen hat der Markt nach einer Idee, die gemeinsam mit dem Frauen-Netzwerk, Frauen helfen Frauen und der Gleichstellungsstelle der Stadt Jülich, damals besetzt mit Kirsten Müller-Lehnen, entstanden ist. 1990 fand dann der erste Markt in der Galerie Alte Weberei in Titz-Rödingen statt, die Brigitte Habig gehört. Nach kurzer Zeit war der Andrang aber so groß, dass der Markt umziehen musste. Die Nachfolgerin von Frau Müller-Lehnen, Katarina Esser, hat dann dafür gesorgt, dass der Markt nach Jülich kommt. Das war 1994.

Wie sehr ist der Kunsthandwerkerinnenmarkt gewachsen?

Huneke: Das kann ich nur mit Blick auf die vergangenen sechs Jahre beantworten, seitdem bin ich dabei. Wir haben in dieser Zeit verlängert von einem auf zwei Tage. Die Zahl der Stände ist noch mal gewachsen um 20 auf mittlerweile 250. Begonnen hat der Markt aber mit 50 Ausstellerinnen..

Wann legen das Team der Stadt und Sie die Füße hoch und begehen den Feierabend?

Huneke: Nicht vor 20 Uhr am Sonntag. In den letzten Minuten sitzen wir zusammen, machen ein paar Scherze. Dann fällt der ganze Stress ab. Aber dann ist jeder froh, wenn es nach Hause geht. Schließlich sind einige seit Samstag um 7 Uhr in der Frühe im Einsatz. Da beginnt der Aufbau auf den Ständen.

 

Die Homepage wurde aktualisiert