Der verbotene Gesang iranischer Frauen

Von: Kr.
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Höhepunkt der Geburtstagsfeier des Vereins „Kultur ohne Grenzen” war der Auftritt des iranischen Frauenchores „Banu” in traditionellen Kostümen. Foto: Król

Linnich. Wenn Marijke Barkhoffauf auf die Entwicklung ihres Vereins „Kultur ohne Grenzen” seit der Gründung vor zehn Jahren zurückblickt, wird sie schon ein bisschen stolz.

Der Verein ist den Kinderschuhen längst entwachsen. 55 Mitglieder unterstützen die Arbeit heute ideell und finanziell, und so mancher Künstler hat durch ihn tiefgreifende Förderung erfahren.

Für die Stadt Linnich und die Region ist er sicherlich zu einer großen Bereicherung geworden. Ungezählte Konzerte mit zumeist ausländischen Künstlern wurden veranstaltet. Ganz besonders großer Beliebtheit erfreuen sich die Hauskonzerte, die regelmäßig bei der Familie Barkhoff im Wohnzimmer oder im Garten stattfinden.

Auch das Geburtstagsfest des Vereins sollte dort wieder gefeiert werden, doch kurzfristig, nicht zuletzt aufgrund der schlechten Wettervorhersagen, wich man in den Rathaussaal der Stadt Linnich aus. Es war eine sehr gute Entscheidung, denn sicherlich hätte der Platz im Hause Barkhoff für die zahlreichen Gäste nicht mehr ausgereicht.

Ein anspruchsvolles Programm hatte Marijke Barkhoff zu diesem Anlass wieder zusammengestellt, das rund um den Globus und in die Kultur vieler Nationen führte. Von Linnich aus wurde gestartet und dies gleich nach Australien. Die Rurstadt beherbergt in ihren Mauern, was leider kaum jemand weiß, mit Sven Molder einen der besten Didgeridoospieler.

Mittlerweile ist das Musikinstrument der australischen Ureinwohner auch bei uns recht bekannt geworden. Die meisten Musiker blasen es wie eine Oboe oder ein Fagott, doch Molder spielt es nach Art der Aborigines. Er besingt das Instrument. Viel wusste er auch über die Kultur und Gesänge dieser Menschen zu berichten und brachte sie damit den Zuhörern in Linnich ein Stück näher.

Indische und afrikanische Instrumente verbindet das Duo Tabukma (Dorothea Fehse (Marimba und Gesang) und Arup Sen Gupta (Tabla) zu ganz eigenen Kompositionen.

Da Zhang mit seiner Kniegeige brachte chinesische Einflüsse mit ein. Ange Saveri aus Ruanda entführte seine Zuhörer wieder nach Afrika. Er verbindet die Rhythmen seiner Heimat mit westlichem Jazz.

Als Höhepunkt der Geburtstagsfeier erwies sich der Iranische Frauenchor Banu, der von Marvam Akhondy geleitet wird. 17 Frauen gehören dieser Gruppe an, doch nach Linnich waren sechs gekommen. Sie singen alte traditionelle Frauenlieder aus verschiedenen Provinzen. Jede von ihnen lässt aus ihrer alten Heimat etwas mit einfließen. Es sind Lieder, die sie seit Jahrhunderten am Herd, auf dem Feld oder am Kinderbett singen. Es sind reine Frauenlieder, denn nur untereinander fand dieser Austausch statt, war es ihnen doch stets verboten, in der Öffentlichkeit zu singen.

So war es auch in Linnich etwas ganz besonderes. Allerdings wurde ihr Auftritt überschattet von den derzeitigen Ereignissen im Iran, und so widmeten die Sängerinnen ihr zweites Lied allen, die in diesen Tagen ihre Söhne durch die Unruhen verloren haben.
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