Der Transport der Zuckerrüben vom Feld zur Fabrik hat sich stark gewandelt

Von: Antonius Wolters
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Immer mehr Zuckerrüben werden per Lkw angeliefert, die schneller und leiser sind sowie eine höhere Ladekapazität besitzen: Auch wenn die Gespanne mit Traktor und zwei Anhängern für den Rübentransport weiter eingesetzt werden, hat sich der Transport vom Feld zur Fabrik deutlich entspannt. Foto: Wolters
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Ein denkwürdiger Augenblick war die Eröffnung der „Rübenstraße“ im September 1990 – rechtzeitig zur Kampagne. Foto: Jürgen Lange

Jülich. Wenn am Dienstag die Rüben-Kampagne im Rheinland startet, hat diese Zeit von Ernte und Transport der süßen Feldfrüchte ein Stück weit ihren Schrecken verloren, denn Logistik und Infrastruktur rund um die verarbeitenden Fabriken haben sich grundsätzlich gewandelt.

Während etwa in Jülich früher die Rübenannahme zwischen 5.30 und 18 Uhr erfolgte, werden inzwischen die Zuckerrüben rund um die Uhr geliefert. Auch die Transportmittel sind andere geworden: Rollte 1958 noch rund ein Viertel der Ernte auf der Schiene gen Fabrik und waren vor 25 Jahren noch Gespanne mit einem 25 km/h schnellen Schlepper und zwei Anhängern mit je acht Tonnen Ladung die Regel, lösen zunehmend Lkw die Gespanne ab: Diese sind schneller, leiser und größer, denn sie haben mit einer Zuladung von bis zu 27 Tonnen eine bedeutend höhere Kapazität.

„Es gibt immer mehr Lkw-Gemeinschaften“, hat Heinz Leipertz beobachtet, Leiter Landwirtschaft der drei rheinischen Werke von Pfeifer & Langen, wo die Rüben verarbeitet werden. Demgegenüber machen die Selbstanlieferer, die mit ihren konventionellen Rübengespannen in Jülich vorfahren, nur noch zwei bis drei Prozent aus.

Die Maschinenringe von Landwirten für Landwirte, die neben den Lohnunternehmen einen Großteil des Rübentransports sicherstellen, fahren nach den Worten Leipertz‘ derzeit einen gemischten Betrieb mit Lkw und Schleppern, wobei der Trend hin zu Muldenkippern geht und schon erste Fahrzeugwechsel erfolgt seien.

Dazu kommt, dass die organisierten Transporte durchweg vorgereinigte Rüben geladen haben. Lag der Erdabzug früher noch bei acht bis zehn Prozent, sind es bei vorgereinigten Rüben nur noch rund zwei Prozent, was die Zahl der notwendigen Fahrten über die viermonatige Kampagne – Leipertz rechnet hier mit insgesamt 65.000 bis 70.000 Fuhren – weiter reduziert.

Auch der Ausbau des Straßennetzes hat Transportwege verkürzt und Belastungen der Anwohner vermindert. So galten etwa in den 1980er Jahren noch Sperrzeiten für Wohngebiete wie das Jülicher Heckfeld, die bis 6.45 Uhr nicht von Rübenzügen durchfahren werden durften. In der Innenstadt galt für die Große Rurstraße zwischen Rurbrücke und Bahnhofstraße ein Halteverbot zwischen 5.30 und 9 sowie zwischen 16 und 19 Uhr, wenn sich namantlich an der Rurbrücke die Rübengespanne zu einem großen Stau vereinigten.

Innerörtliche Umgehungen

Das änderte sich erst nach dem Bau der innerörtlichen Umgehungen mit Ost- und Westring, L 253 und vor allem der Rübenstraße, die seit 1990 eine direkte Verbindung für den Rübenverkehr in die Fabrik schuf. Die 1997 in Betrieb genommene Einfahrt Süd samt eigener Waage sorgte dafür, den landwirtschaftlichen Verkehr aus Richtung Düren abzufangen, bevor er weiter in die Stadt gelangen konnte.

Die Rübenbauern liefern ihre Produkte momentan übrigens „blind“ an die Fabrik, die ihnen einen monatlichen Abschlag für die jeweilige Rübenmenge zahlt.Welchen Preis sie dafür am Ende erlösen werden, stellt sich erst bei der Schlusszahlung im April 2018 heraus. Mit dem Auslaufen der Zuckermarktordnung Ende des Monats werden Anbau und Preis freigegeben, wobei sich Rübenlieferanten sowie Pfeifer & Langen die Verkaufserlöse teilen.

„Der Markt ist schwierig“, macht sich nach Worten von Heinz Leipertz der stärkere Wettbewerb bereits bemerkbar, denn der Preisdruck nehme zu. Doch die Region sei durch ihre Lage mit guten Böden, günstigem Klima und gut ausgebildeten Landwirten „gut aufgestellt“. So ist er zuversichtlich, dass die gute Rübenernte, mit der alle fest rechnen, einen Flexi-Preis ergibt, mit dem die Erzeuger zufrieden sein können.

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