Jülich - Der Tag, an dem die Bomben vom Himmel fielen

Der Tag, an dem die Bomben vom Himmel fielen

Von: Gerda Kròl
Letzte Aktualisierung:
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Vereint im Gedenken des 70. Jahrestags der Zerstörung Jülichs: Die Bürgermeister der Stadt Heinrich Stommel (Mitte), links neben ihm Christian Klems, rechts Wolfgang Gunia.
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Jülicher Abiturienten verlasen Augenzeugenberichte, in den das Grauen der Zerstörung noch einmal lebendig wurde

Jülich. Es soll damals ein strahlender Spätherbsttag gewesen sein, doch von einer Minute auf die andere war in Jülich nichts mehr, wie es vorher war. Am 16. November 1944 um 15.28 begann ein groß angelegtes Bombardement der Alliierten auf die Stadt.

467 alliierte Flugzeuge warfen 127.620 Brand- und Sprengbomben innerhalb von zwanzig Minuten ab. Für die Menschen, die sich dort in Gräben und Luftschutzkeller verkrochen hatten, währte es wie eine Ewigkeit. Doch der Schrecken war noch nicht zu Ende. Als sie sich wieder ans Tageslicht wagten, war ihre Stadt fast vollständig zerstört.

70 Jahre lag dies nun zurück, als genau um 15.28 die Kirchenglocken zu läuten begannen und die Menschen sich trotz Nieselregens und kühler Witterung am Gedenkstein auf dem Schlossplatz versammelten. Viele waren gekommen um diese Erinnerung wach zu halten, legt doch diese Zerstörung Zeugnis von der Sinnlosigkeit eines solchen Krieges ab.

Gedenken-Erinnerung-Mahnung stand über der Gedenkfeier, zu der Bürgermeister Heinrich Stommel die Anwesenden begrüßte. Er zitierte aus Berichten der Menschen, die dieses unvorstellbare Grauen mit erlebten und dass sie ihr Leben lang nicht mehr vergessen sollten. Warum wurde die Stadt so schwer geschlagen. Irrtümlich wurde oft angenommen, der Mythos Zitadelle, der sie trotz vierfacher Zerstörung, zu einer uneinnehmbaren Festung hoch stilisierte, sei daran Schuld. Dies war nicht der Fall.

Es lag vielmehr an Jülichs geostrategischen Lage als Tor zum Rheinland. Stommel erinnerte allerdings auch daran, dass die Jülicher Bürger nicht nur Opfer dieses Krieges waren. Von Deutschland war dieser Krieg ausgegangen, und auch in Jülich habe der Nationalsozialismus existiert. Auch hier habe es Verfolgung, Entrechtung und schließlich Deportation jüdischer Mitbürger gegeben. „Der Weg, der Deutschland in den Abgrund stürzte, ist der, aus dem wir unsere Lehren ziehen können und müssen. Die Formel ‚Nie wieder Krieg‘ ist universell und bleibt deshalb unspezifisch“, erklärte Stommel.

Er erinnerte auch daran, dass dieser Jahrestag gleichzeitig mit dem Volkstrauertag in diesem Jahr begangen wird, an dem auch der Toten der beiden Weltkriege mit ihrer unvorstellbar hohen Zahl gedacht wird. „Wer an Europa zweifelt, der sollte Soldatenfriedhöfe besuchen“, zitierte er Jean-Claude Junker abschließend.

Von Seiten der Kirchen richtete der Pfarrer der freien evangelischen Gemeinde in Jülich, Simon Diercks, ein Wort an die Anwesenden. Schwere Erinnerung an Tod und Leid, Hunger und Elend bringe dieser Tag mit sich aber auch an Schuld. Bei so manchem seien die Trümmer im Herzen geblieben, „doch Gott ist Spezialist für den Wiederaufbau. Ob Sie an ihn glauben oder nicht, sprechen Sie davon, damit die Trümmer nicht in ihrem Herzen bleiben“ schloss er.

Physisch tot

Darüber gesprochen und vor allem mit den jungen Leuten, den Schülern und Schülerinnen des Gymnasiums Zitadelle, hatten etliche Zeitzeugen. All dies hatten sie zusammengefasst und gestalteten mit diesen Gesprächen und den Erinnerungen eine Feierstunde im PZ der Zitadelle. Manches steuerte auch ihr Lehrer Dirk Neumann bei, der nicht nur die Vergangenheit beleuchtete, sondern auch die Gegenwart und die Zukunft ins Visier der Zuhörer rückte. „Physisch war Jülich tot, doch in den Augen der Menschen war sie weiterhin eine lebens- und liebenswerte Stadt“, erinnerte er. Neumann schloss mit den Worten „Die jungen Menschen waren und sind unsere Zukunft – 1944 und 2014.“.

Wie schon Bürgermeister Heinrich Stommel erklärt hatte, ist die Zerstörung der Stadt auch im Hinblick auf die Gräueltaten der Nazis zu sehen. Deshalb gehören das Mahnmal für die ermordeten Juden im Jülicher Land und der Gedenkstein für ein zerstörtes Jülich zusammen. Die Menschen nahmen dies an und bildeten zum Abschluss der Gedenkfeier mit einer Lichterkette eine Verbindung zwischen Propst Bechte Platz und Schlossplatz.

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