Der Storch soll auch künftig in Jülich landen

Von: Otto Jonel
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Muss der Storch nach Birkesdorf fliegen, und gibt es bald keine in Jülich geborene Muttkrate mehr? Die Hebammen wollen um ihren Arbeitsplatz und den Erhalt ihrer familiären Station kämpfen. Foto: Jonel

Jülich. „Wir sind traurig darüber, dass ein Entschluss gefasst worden ist, ohne vorher mit uns über Optimierung zu reden.“ Die Hebammen im St.-Elisabeth Krankenhaus Jülich sind von der Nachricht über die geplante Schließung der Gynäkologischen und Geburtshilflichen Abteilung nicht minder überrascht worden als viele Menschen im Nordkreis.

Sie haben es allenfalls einige Tage vorher erfahren. Und sie haben reagiert. Am Freitag sprachen sie bei Landrat Wolfgang Spelthahn vor, um für den Erhalt der Station im Jülicher Krankenhaus zu plädieren.

Trotz der Kürze der Zeit hatten sie über 270 Unterschriften von Unterstützern gesammelt, und sie hatten eine Reihe von Möglichkeiten skizziert, wie zumindest die Geburtshilfe in Jülich zu retten wäre. Der Landrat, so schilderten sie, habe aus Gesprächen mit der ctw-Geschäftsleitung berichtet, dass die Räume „der Geburtshilfe und Elternschule uns doch erhalten bleiben könnten“. Mit ihnen sei darüber nie gesprochen worden. Im Gegenteil, sie gingen von einer Kündigung aus, wenn sie nicht einem anderen Krankenhaus zugeordnet werden könnten.

Der wirtschaftliche Druck, der hinter der Schließungsabsicht steht, ist den acht Hebammen – zwei sind Vollzeit-angestellt, die übrigen sechs arbeiten in Teilzeit von 30 bis 80 Prozent – natürlich bewusst. Sie haben, wenn der Kreißsaal nicht belegt war, selbst pflegerischen Dienst auf der „Gyn“ geleistet. Andererseits betonen sie immer wieder, wie wichtig die geburtshilfliche Station für das gesamte Umfeld ist und wie erheblich die Folgen, wenn sie geschlossen würde.

„Für jede Schwangere aus Jülich sind das zusätzlich mindestens 20 Minuten Fahrt, auf die sie sich einstellen muss.“ Abgesehen von dem Verlust an Qualität: „Hier liegen maximal zwei Frauen mit ihren Babys auf einem Zimmer. Die familiäre Atmosphäre ist ganz wichtig. Hier gehen die Frauen entspannt nach Hause.“ Normalgebärende seien hier sehr viel persönlicher betreut als in der „großen Maschinerie“ Birkesdorf.

Die Jülicher Hebammen bringen ihre Forderung auf eine kurze Formel: „Man muss uns die Möglichkeit einräumen, Optimierungsvorschläge anzubringen.“ Ansätze sind bereits vorhanden. Warum ließe sich Jülich nicht als Nebenstelle des Birkesdorfer Krankenhauses weiterführen? Das würde einen eigenen Chefarzt erübrigen. Die Ausweitung des Hebammenangebots wäre ebenfalls noch auszuloten. „Unsere Geburtsvorbereitungskurse sind gut gebucht“, sagen sie. Das geburtshilfliche Angebot ließe sich durchaus noch erweitern.

Ein anderes Feld sei eine engere Vernetzung mit den niedergelassenen Ärzten. Da sehen die Hebammen noch reichlich Luft nach oben. Dass der Rückhalt in der Ärzteschaft nicht ganz so fruchtbar sei, wie man es sich wünschte, hatte schon die Krankenhausleitung anklingen lassen. Selbst die Führung des Kreißsaals quasi im Eigenbetrieb können sich die Hebammen vorstellen. Voraussetzung wäre eine Angestelltenregelung, um nicht ins wirtschaftliche Abseits zu fallen. Das Optimierungstableau sei damit noch nicht erschöpft.

Die einfachste Lösung wäre die natürliche: 300 Geburten mehr im Jahr! Die Wirklichkeit ist ernüchternder: „Da haben wir jetzt das JÜL-Kennzeichnen, und bald wird kein Jülicher mehr geboren“, sagt eine Hebamme bitter.

Ein Jülicher war am Freitag bei den Hebammen, um sich aus erster Hand zu informieren: FDP-Ratsherr Winfried Cremerius will sich für die Hebammen einsetzen und den drohenden Verlust an Grundversorgung nicht unwidersprochen hinnehmen.

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