Koslar/Setterich - Der Spätaussiedler: Paradebeispiel einer gelungenen Integration

Der Spätaussiedler: Paradebeispiel einer gelungenen Integration

Von: Antonius Wolters
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Wilhelm Gunesch, der als Mitarbeiter Nr. 13 seit 29. Mai 1990 bei der Cytec Zylindertechnik GmbH in Koslar beschäftigt ist, an seinem Arbeitsplatz. Foto: Wolters

Koslar/Setterich. Wilhelm Gunesch kann sich noch gut erinnern, wie er vor ziemlich genau 26 Jahren nach Deutschland kam. Der 57-Jährige stammt aus Siebenbürgen in Rumänien. Seine Vorfahren sind zwischen 1250 und 1290 von Rhein und Mosel nach dort ausgewandert und hatten sich über die lange Zeit sowohl Sprache als auch Kultur bewahrt.

Da die Siebenbürger Sachsen in Rumänien allzu oft als Sündenböcke herhalten mussten, von Deportationen und Enteignungen betroffen waren, entschied Gunesch sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, ebenfalls einen Ausreiseantrag als Spätaussiedler zu stellen.

Der 57-Jährige hatte zwar eine Stelle als gelernter Fräser in einem großen Betrieb in seiner alten Heimat, doch seine Familie – Ehefrau und zwei fünf und sieben Jahre alte Kinder – sollte es einmal besser haben. Zudem war sein älterer Bruder Alfred bereits 1985 nach Deutschland gewechselt und hatte seinem Bruderherz schon einen passenden Job besorgt. „Er hat mir den Weg geebnet“, bekennt Gunesch.

„Wir hatten zwei Koffer und zwei Reisetaschen“, erinnert er sich genau, wie er mit Frau und Kindern am Fronleichnamstag 1990 mit leichtem Gepäck in Alsdorf eintraf, wo er am folgenden Brückentag Probleme hatte, auf dem Amt die notwendigen Ausweispapiere zu besorgen. Die ersten Wochen kam die Familie beim Bruder unter, bevor sie ein Reihenhaus in Baesweiler bezog und versuchte, in der neuen Umgebung Fuß zu fassen, fleißig zu arbeiten und sich den Traum zu erfüllen, „das eigene Haus zu haben“.

Schon sehnsüchtig erwartet

Der enge Kontakt mit dem Bruder half auch hier weiter, denn der war Werkstattleiter bei der aufstrebenden Cytec GmbH in Koslar, wo Alfred Gunesch dem Firmengründer vom Bruder erzählte. „Der Chef will Dich unbedingt haben“, wurde Gunesch junior bei Cytec schon sehnsüchtig erwartet, wo er am 29. Mai eingestellt wurde – als Mitarbeiter Nr. 13 – wie sich Wilhelm Gunesch erinnert, der heute zu den dienstältesten Mitarbeitern zählt. So gelang die Integration in der neuen Heimat quasi im Schnelldurchgang. „Die Sprache ist das A und O“, sagt der Aussiedler, der hier keinerlei Schwierigkeiten hatte. „Auch meine Ausbildung und Berufserfahrung haben vollkommen gereicht, um hier mitzuhalten“, startete der Neuankömmling beruflich gleich durch.

Das gilt auch für die beiden Kinder: Sohn Ralph besuchte bis zum Fachabi das Gymnasium Baesweiler und machte sich als Fußballer – von den F- bis zu den C-Junioren betreut durch Vater Wilhelm – unter anderem bei Alemannia Aachen, Mainz 05, dem FC St. Pauli und dem FC Ingolstadt auch in Bundesliga und 2. Liga einen Namen als versierter Innenverteidiger. Der 32-Jährige, dessen Profi-Karriere ein Kreuzbandriss beendete, fungiert heute neben dem Platz als Moderator der Fußball-Talkshow „Bohndesliga“ beim Internet-Sender Rocket Beans TV.

Die Tochter hat nach der Realschule Industriekauffrau gelernt und ist zuletzt in eine verantwortliche Position in Hamburg gewechselt.

Stolz ist Vater Gunesch auch auf seine Gattin, die in der neuen Heimat ihr Abitur nachgeholt hat und inzwischen als Bürokauffrau bei Alpla in Baesweiler arbeitet. Der Traum vom Eigenheim hat sich für die Guneschs inzwischen auch erfüllt, die sich in Setterich angesiedelt haben.

„Ich bin gekommen, um zu bleiben“, hat Wilhelm die Ausreise nach Deutschland nie bereut und die familiäre Atmosphäre an seinem Arbeitsplatz bei Cytec in Koslar stets zu schätzen gewusst. Dort hat er in den frühen Tagen mit Firmengründer Klaus Klement etwa nach Feierabend den Dachstuhl der ersten Produktionshalle zusammengeschraubt.

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