Der Solarturm ist ein „Ort des Fortschritts”

Von: Volker Uerlings
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Das Schild „Ort des Fortschri
Das Schild „Ort des Fortschritts” im Rücken und die Urkunde vor Augen: NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze und DLR-Vorstand Ulrich Wagner am ausgezeichneten Solarturmkraftwerk Jülich. Foto: Uerlings

Jülich. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt ist endgültig in der Herzogstadt angekommen. Ein großes Schild mit den drei Buchstaben „DLR” ziert seit zwei Tagen die jüngste Neuerwerbung der Forscher mit dem Stammsitz Köln: den Solarturm der Herzogstadt, der Anfang Juli von den kommunalen Stadtwerken Jülich an die Großforschungseinrichtung veräußert worden ist.

Seit Mitwoch ist der schmale Baukörper mit gelegentlich gleißend heller Spitze auch noch ausgezeichnet: als „Ort des Fortschritts” in Nordrhein-Westfalen.

Für junge Leute der Jahrgangsstufen 9 bis 12 aller Schulformen gibt es vom 22. bis 26. August ein Berufsfindungspraktikum, in dem die Teilnehmer in die Welt der Brennstoffzelle eintauchen können. Zunächst sollen Experimente das Prinzip der Brennstoffzellen näherbringen, danach stellen die Schüler selbst elektronische und mechanische Komponenten eines Modellfahrzeugs her und überprüfen sie. Während der Praktikumswoche stellen unterschiedliche Mitarbeiter ihre Berufe und ihre Arbeitsfelder vor und ermöglichen damit einen Einblick in die zahlreichen Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten des Forschungszentrums.

Eine zweite Forscherwoche steht unter dem Motto „Energie - Forschen für die Zukunft”. Hier soll vom 29. August bis 2. September jeden Tag ein anderer Forschungsbereich zum Thema „Energie” besucht werden. Bei Institutsführungen mit Vorträgen werden unter anderem Brennstoffzellen, Kernfusion und Photovoltaik nähergebrach. In Experimenten wird beispielsweise die natürliche Radioaktivität beobachtet oder werden unterschiedliche Typen von Brennstoffzellen untersucht. Auch die Verbesserung der bestehenden Braunkohlekraftwerke ist ein Them, dazu ist eine Besichtigung des Kraftwerks Weisweiler geplant.

Derzeit gibt es noch freie Plätze für das Berufsfindungspraktikum und die Forscherwoch. Beide Veranstaltungen sind besonders interessant für Schülerinnen und Schüler, die sich für die naturwissenschaftlich-technische Arbeit begeistern und Beschäftigungsmöglichkeiten in diesen Bereichen kennenlernen möchten. „Eine Bescheinigung über die Teilnahme kann auch ein Vorteil bei Bewerbungen um Ausbildungsstellen sein”, hebt der Leiter des JuLab, Karl Sobotta, hervor. Und außerdem erwirbt man neues Wissen, „man wird nicht dümmer dabei”.

Wer an den Forscherwochen teilnehmen möchte, sollte eine kurze Begründung für seine Motivation per E-Mail an schuelerlabor@fz-juelich.de senden. Die Teilnahme kostet 50 Euro, darin sind die Mittagessen enthalten.

Neben den einwöchigen Projektwochen, in denen die Arbeit im Forschungszentrum im Mittelpunkt steht, wird es auch zwei Forschungscamps außerhalb des Helmholtzzentrums geben. Da die Unesco 2011 zum Jahr des Waldes erklärt hat, sollen sich die Feriencamps mit den vielen Facetten der „grünen Lunge” befassen.

Schülerinnen und Schüler im Alter von 10 bis 12 Jahren können im Feriencamp „Wald” 22.8. bis 26.8.2011 spielerisch die Bedeutung des Waldes kennenlernen.

Sie sollen den Wald mit allen Sinnen erfassen, den Rohstoff Holz bearbeiten, im Hochseilgarten Grenzen überwinden, im Nationalpark Eifel den Urwald erleben, mit Kompass und Landkarte auf Exkursion zu einer Quelle gehen, das Ökosystem Wald kennenlernen, Biberspuren verfolgen und den Waldboden im Labor untersuchen. Die Forschungswoche findet in Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern des „exploregio.net”-Netzwerkes statt. Die Kosten für das Feriencamp belaufen sich auf 250 Euro, darin enthalten sind vier Übernachtungen mit Vollpension im Jugendgästehaus Nettersheim.

Für Schülerinnen und Schüler im Alter von 13 bis 16 Jahren gibt es ebenfalls ein Feriencamp zum Thema „Wald”. Auch hier wird an fünf Tagen (29.8. - 2.9.2011) der Wald unter die Lupe genommen. Ein Abenteuerworkshop zeigt, wie das Verhältnis von Mensch und Wald früher war und der Wald als Energielieferant wird vorgestellt. Ein Höhepunkt wird die Besichtigung des Tagebaus Garzweiler sein. Bei einem Ausflug in die NS-Ordensburg Vogelsang wird die Schutzfunktion des Waldes hervorgehoben. Weiterhin wird Ozon unter die Lupe genommen und ein Waldbach auf seine Gewässerqualität untersucht. Während der gesamten Woche soll das gesellige Zusammensein nicht zu kurz kommen, deswegen ist ein Astronomieabend und ein Grillabend geplant.

Die Teilnahme am Feriencamp kostet 250 Euro inklusive der Unterbringung im Science College Overbach und Vollverpflegung.

Für beide Feriencamps zum Thema „Wald” sind noch Plätze frei. Wer sich für eine Teilnahme interessiert, wendet sich bitte an Andrea Borch (Tel. 02461-611428 bzw. schuelerlabor@fz-juelich.de).

Wissenschaftsministerin Svenja Schulze begründete bei der Enthüllung einer Tafel und Übergabe einer Urkunde an DLR-Vorstand Professor Ulrich Wagner, warum das solarthermische Demonstrations- und Versuchskraftwerk stellvertretend für das neu gegründete Institut für Solarforschung des Zentrums für Luft- und Raumfahrt diesen Titel tragen darf. „Das hier ist ein Schrittmacher, und zwar nicht nur für Nordrhein-Westfalen und Deutschland, es hat eine internationale Perspektive.” Es sei die Aufgabe der Zukunft - und damit ein Fortschritt -, „bezahlbare Energiesysteme zu entwickeln”.

Seit einer Woche ist das DLR offiziell Betreiber der Anlage. Professor Ulrich Wagner sieht im Engagement seiner Einrichtung in Jülich eine „wichtige strategische Maßnahme”. Denn: „Wir haben nicht den Sonnenschein wie in Südspanien. Aber die Expertendichte, die ist hier!”

Das Land belässt es nicht bei hehren Worten, sondern investiert in den nächsten fünf Jahren 27 Millionen Euro in das neugegründete Solarinstitut des DLR. Diese Investionen fließen - wahrscheinlich zum einem Großteil - auch nach Jülich, denn dort steht der Solarturm und dort erfolgt die Zusammenarbeit mit dem zweiten Solar-Institut, das den Turm überhaupt erst ermöglich hat: der Fachhoschule Aachen am Campus Jülich. Die Verbindung personifiziert förmlich Professor Bernhard Hoffschmidt, der nun maßgeblich für das DLR, aber auch noch für die FH tätig ist. Der langjährige Leiter des Solarinstitutes Jülich der FH gilt als „Architekt” des Turms.

„Wir werden jetzt auch Leute einstellen”, erklärten Verantwortliche des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und meinten Jülich, wo auch darüber hinaus investiert wird: in neue Forschungseinrichtungen für den Solarturm und ein Gebäude im Gewerbegebiet Königskamp. Das neue DLR-Institut hat derzeit bereits 100 Mitarbeiter.

Neben dem Forschungszentrum Jülich und dem Campus Jülich der Fachhochschule ist nun also die dritte große wissenschaftliche Einrichtung in der Stadt zu Hause. Davon träumen andere Kommunen.
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