Der Schwanenteich wird bald leergefischt

Von: Laura Broderius
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Rotaugen, Barsche, Döbel und Graskarpfen wurden beim Hegefischen im Schwanenteich von den Mitgliedern des Angelsportvereins Jülich gefangen. Der Bestand wird untersucht, bevor die Umsiedlung ansteht, die durch eine Ufermauersanierung notwendig ist. Foto: Broderius

Jülich. Ein ungewohnter Anblick: Mitglieder des Angelsportvereins Jülich haben sich zum Fischen am Ufer des Schwanenteichs Jülich aufgereiht. Normalerweise machen sie das am Linzenicher Baggersee oder an der Rur. Diesmal sollen die Fische jedoch nicht nur gefangen, sondern auch wieder ausgesetzt werden: als Ziel des sogenannten Hegefischens.

Das ist notwendig, weil in naher Zukunft Arbeiten am Jülicher Binnengewässer anstehen, die eine Absenkung des Wasserpegels erforderlich machen.

Hegefischen bedeutet in diesem Fall das gezielte Entnehmen verschiedener Fischarten als Stichprobe für den Gesundheitszustand des Bestandes. „Wir untersuchen jeden gefangenen Fisch auf Krankheiten, Größe und Art und halten das für die Statistik fest“, erklärt Gewässerwart und Diplom-Biologe Thorsten Selmer, der den Verein seit Anfang des Jahres unterstützt.

„Die Fische, die krank sind, betäuben wir mit Nelkenöl und schläfern sie danach ein, damit sie die anderen Fische nicht gefährden. Die gesunden Fische siedeln wir dann in den Linzenicher Baggersee um.“ Grund dafür ist die Mauereinfassung des Schwanenteichs, die auf einer Uferseite erneuert werden muss.

„Bevor die Arbeiten an der Mauer beginnen, werden wir möglichst den gesamten Fischbestand umsiedeln. Möglich ist das aber natürlich nicht alleine durch das Angeln. Der Wasserstand wird abgesenkt, wodurch die Fische mit Reusen oder mit der Methode des Elektrofischens gefischt werden können“, sagt Selmer.

Reusen sind große Fischfangnetze zum effektiveren Fangen mehrerer Fische. Beim Elektrofischen wird zwischen Boot und Kescher ein elektrisches Spannungsfeld erzeugt. Geraten die Fische in den Stromkreis, schwimmen sie automatisch zur Anode, also in den Kescher.

„Das Absenken des Wasserstandes wird so weit wie möglich hinausgezögert, weil das immer eine Geruchsbelästigung der Anwohner zur Folge hat. Deswegen angeln wir im Voraus, um den Fischbestand etwas zu verringern und vor allem vorher zu untersuchen, wie der Zustand des Bestandes ist“, erklärt Selmer.

Der ASV Jülich existiert seit 1923 und hat rund 300 Mitglieder. „Unsere Angelgewässer sind der Linzenicher Baggersee, die 5,5 km lange Rurstrecke von der Stolberger Brücke bis zur Brücke Kreisbahnstraße Broich-Koslar, die Linde von der Schophovener Brücke bis zum Einlauf in die Rur, der Brückenkopfweiher und der Schwanenteich. Mit unserer Tätigkeit übernehmen wir vor allem die Gewässeraufsicht und Gewässerpflege“, sagt Achim Frauenrath, Vorsitzender des Vereins.

„Dabei fungiert der Schwanenteich als eine Art Backup. Fische, die in anderen Gewässern fehlen, können wir daraus beziehen“, fügt Selmer hinzu. „Trotzdem bringt es nichts, immer wieder abzufischen und neue Fische in den Teich auszusetzen. Wir versuchen, ein natürliches Gleichgewicht zu erzeugen, was bis jetzt nicht so wirklich gelungen ist.“

Die Stichprobe zeigt, dass in diesem Teich der Bestand überwiegend aus Rotaugen, Barschen, Karpfen, Schleien, Graskarpfen und Döbeln besteht. Gefangen wurden insgesamt 189 Fische, davon 175 Rotaugen, 12 Barsche, ein Döbel und ein Graskarpfen – Fischarten, die teilweise nicht gut mit dem Sauerstoffmangel zurechtkommen, der im Zuge der Sommerstagnation eintritt, bei der durch fehlende Luftzirkulation vor allem im unteren Teil des Gewässers der Sauerstoffgehalt abnimmt.

„Deswegen hatten wir im Sommer so ein großes Fischsterben. Verursacht wird das auch durch das Füttern der Enten, da Brötchenreste nur noch mehr Ausscheidungen der Fische zur Folge haben, die den Schlamm am Boden noch vervielfachen“, erklärt Selmer.

Das Füttern begünstigt aber auch die Vermehrung der Fische: Der Erfolg beim Angeln zeigt, dass die Gesamtzahl an Fischen höher ist als erwartet. „Für den Besatzplan nach der Mauererneuerung müssen wir auf jeden Fall mehr Fischarten in den Schwanenteich aussetzen, die besser an den Sauerstoffmangel angepasst sind und die Anzahl der Fische insgesamt etwas verringern“, schlussfolgert Selmer.

Trotzdem waren die Fische der Stichprobe überwiegend gesund und gut genährt. Nur sechs Tiere mussten eingeschläfert werden.

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