Güsten - Der Regen fehlt: Kartoffelernte in Gefahr

Der Regen fehlt: Kartoffelernte in Gefahr

Von: hfs.
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Nur mit Beregnen der Kartoffelfelder war es Karl-Heinz Albersmeier möglich, die Kartoffeln zu schützen. Dennoch waren bei der Ernte die harten Erdklumpen allgegenwärtig. Foto: hfs

Güsten. „Dieser Regen ist für uns Gold wert.“ Der Kartoffelbauer Karl-Heinz Albersmeier aus Güsten steht vor einer seiner großen Parzellen. Leise tröpfelt das Nass auf das abgestorbene Laub der Kartoffeln. Nass, das der Landwirt in den letzten Tagen per Tankfahrzeug oder Beregnungsanlagen auf seine Felder gebracht hat. Denn die Ernte der Erdäpfel war gefährdet.

Viele Tausende von Kubikmetern Wasser mussten herangeschafft werden. Die Wasserfontäne schoss in den Himmel, das Wasser wurde bis zu 50 Meter weit ins Feld katapultiert. Tag für Tag, denn die Trockenheit machte den im Feld stehenden Kartoffeln zu schaffen.

„Wenn ich nicht beregnet hätte, hätte ich die Ernte vergessen können“, sagt Kartoffelbauer Karl-Heinz Albersmeier aus Güsten. Jeden Tag rieselten rund 250 Kubikmeter Wasser auf seine Kartoffeln, „pro Hektar Anbaufläche“ betont er. Beregnen oder bewässern musste er aber weit über 50 Hektar. Jetzt, nach den Regenfällen der letzten drei Tage, ist das allerdings Vergangenheit.

„Gott sei Dank, denn jetzt dürfen die Nächte auch wieder etwas länger werden“, lacht der 50-jährige Landwirt. Warum? Eine Frage, die Albersmeier schnell beantwortet hat. „Die Beregnungsanlagen mussten alle vier Stunden umgestellt werden.“ Und wo nicht beregnet werden konnte, musste das Wasser herangeschafft werden. „Natürlich wunderten sich die Leute, wenn sonntags bei herrlichem Sonnenschein Güllefässer durch die Gegend fahren. Aber darin war Wasser, das unsere Kartoffeln dringend brauchten“, hat der Landwirt kein Verständnis für die entsprechenden Kommentare. Über Sprüche wie „Warum muss der jetzt Gülle fahren?“ kann der Güstener nur den Kopf schütteln.

Ohne Regen geht es nicht

„Ich würde mir wünschen, dass die Leute wieder mehr sensibilisiert würden für die Produktion ihrer Lebensmittel“, meint er. Natürlich kann er verstehen, dass sich der normale Bürger darüber freut, wenn der Wetterdienst permanent von „perfektem Grillwetter am Wochenende“ berichtet. „Aber man muss auch einmal sehen, dass es ohne Regen einfach nicht geht.“ Verständnis wecken, dies will Albersmeier. Er blickte ab Mitte September ständig gen Himmel, hoffte auf das Nass von oben.

50 Prozent der Ernte riskieren

„Aber dann haben wir uns entschieden, nachzuhelfen, Wasser auf die Felder zu liefern, denn die Kartoffelernte war bei uns gefährdet.“ So rollten dann die Tankzüge, die Güllefässer, Wasserfontänen schossen in den Himmel. Von anfallenden Kosten – pro Tag zwischen 400 und 1000 Euro – will der Güstener nicht sprechen. „Entweder helfe ich nach, habe auch einen entsprechenden Ertrag, oder aber ich gehe das Risiko ein, dass ich 50 Prozent der Ernte abschreiben kann.“

Denn bei der Trockenheit, die auch jetzt noch vorherrscht, schaffen es die Maschinen einfach nicht, die Knollen aus dem harten Boden zu bekommen. „Die Kartoffeln sind dann von Fußball-großen, harten Erdklumpen eingeschlossen.“ Beim Ausbringen aus der Erde werden diese zwangsläufig beschädigt. „Die Kartoffeln werden nach der Einlagerung blau, können nicht mehr verarbeitet werden“, sagt Albersmeier. Ganz zu schweigen davon, dass die harten Erdklumpen den Erntemaschinen schaden können.

Dass er einmal seine Kartoffeln beregnen würde, damit hat der Güstener Landwirt bisher nicht gerechnet. „Es ist nun das erste Mal, aber ich gehe davon aus, dass es auch nicht das letzte Mal gewesen ist“, sagt er bestimmt. Und erinnert sich daran, dass im Jahr 2010 für Kartoffelbauern in Norddeutschland sozusagen die Kehrtwende kam, wenn es um das Beregnen von Kartoffelfeldern ging.

Hatten die Erzeuger bis dahin nicht in moderne Beregnungsanlagen investiert, änderte sich dies in jenem Jahr. Denn nicht nur die Erträge blieben weit hinter den Erwartungen zurück, sondern auch die Qualität der Erdäpfel ließ zu wünschen übrig. „So konnten gute Erlösmöglichkeiten nicht genutzt werden“, meint der Kartoffelbauer rückblickend.

Er erwartet, dass sich in diesem Jahr der Preis der Kartoffeln für den Endverbraucher erhöhen wird. So stecken in Belgien bisher rund 80 Prozent der gesamten Ernte noch im Boden, weil auch dort extreme Trockenheit herrscht. Noch, sagt Albersmeier und blickt auf seinen Kalender. „Wir haben Ende Oktober die Zeit, in der man mit Nachtfrösten rechnen muss, ist nicht mehr weit.“ Und Frost, den können die Kartoffeln ebenso wenig vertragen wie fehlendes Nass zum Wachsen oder Ernten.

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