Der prächtige Peter gibt dem Lazarus seinen Namen

Von: ptj
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Pattühm Peter Schmitz (2.v.l.) tauft Lazarus Strohmanus mit echtem Rurwasser. Links im Bild ist Präsident Ningelgen zu sehen, 3.v.l. Senatspräsident Linus Wiederholt, als 2.v.r. der neue Vize Präsident David Ningelgen, r. Pattühm-Vorgänger Thomas Gissler-Weber. Foto: Jagodzinska

Jülich. Mit der Taufe des 316. „Lazarus Strohmanus“ startete die gleichnamige Historische Gesellschaft in die Feier des kurzen Lebens der Strohpuppe, die schon am 9. Februar „den Fluten der Rur üvvergävve witt“, wie Präsident Heinrich Ningelgen betonte.

Der feierlich enthüllte Täufling erwies sich als bartlos mit weiblichen Zügen. Doch auch Frauen „hann et verdeent, dat se mal jedüf wedde“, gab sich Ningelgen gnädig.

Neuerdings liegt die Präsidentschaft der Gesellschaft komplett in Familienhand. So legte Senatspräsident Linus Wiederholt Heinrichs Sohn David Ningelgen als neuem Stellvertreter feierlich die Präsidentenkette um. Dem Vize oblag es nun, dem neuen Pattühm Peter Schmitz „de Kapp“ der Gesellschaft aufzusetzen. Dann fanden sich alle Lazarusbrüder gemeinsam auf der Bühne ein, um a capella ihr Nationallied anzustimmen. „Mit richtig zackiger Musik“ bereicherten die Merzbachmusikanten die weitere Veranstaltung.

Höhepunkt der traditionellen Zeremonie im KuBa ist natürlich der Taufakt selbst, den der neue Pattühm vollzog, indem er echtes „Rurwasser“ auf beide Schultern des Täuflings träufelte. Nach der Anstrengung verdiente sich die Taufgemeinde selbst einen kräftigen Schluck.

Dann verkündete Ningelgen augenzwinkernd den mit Spannung erwarteten Taufnamen, zunächst in „Latein“: „Vir spectablis, pro salute populus, pia felix, animo lines fecit, is curare circum noster oppidum, albusum anulus curare is circum victima. Schola praefectus in Aldenhovum oraculum. Dux praesssum Juliacum mille-nongenti-nonaginta-setem (MCMXCVII). Coniungere contra ea oblivio bonae memoriae, diligens quam ea servare vetus imprimis sepulcrum lapis, firmus, fortissiumus, flavus, altus volare Petrus Wilhelmus Lazarus Strohmanus. Bonus conicere“. Was auf Hochdeutsch heißen soll: Prächtiger Mann, gewissenhaft und treu, kümmert er sich gerne um unsere Heimat Jülich. Beim „Weißen Ring“ hilft er Opfern von Gewalttaten (an den Senatspräsidenten gerichtet, nicht Blauer Ring).

Hochfliegender Peter

Als Rektor der Käthe Kollwitz-Realschule in Aldenhoven war Schmitz Nachfolger von Peter Capellmann, der 1990 Taufpate und Hexenturmordensträger war. Von 1997 bis 2008 war er erster Vorsitzender von Jülich 1910/97. Die Vereinigung „Gegen das Vergessen“ ist ihm ein großes Anliegen, genau wie die Erhaltung alter besonderer Grabsteine. Starker, heldenhafter, blonder, hochfliegender Peter Wilhelm Lazarus Strohmanus. Gut Werfen“.

Besonders wichtig ist der „Doofnam in Plattdütsch, os Muttersproach“: „Stolze Klant, für dat et os jood jeht, irrlich on treu mäthté et jeär, her kömmert sich öm ons Stadt. Beim ‚Wiße Ring‘ (Blaue Ring es anonyme Alkis ode Rooherklubs) helpe Opfer. Her wor Rekter en Aldenhovve van de Kathring-Kollwitz-Realschöll, henger Capellmanns Pitter (Pattühm 1990). Irste Vorsetzende von Jülich 1910/97 en de Johre 1997 bes 2008. De Verein ‚Jeje et Verjesse‘ lik em am Hetze. Ever och de Öhmbettung von ahle ußergewöhnliche Jravsteen. Et stührt em och, wenn Stroßename falsch översetz wedde, wenn us Lehmkuhl en Leimkauf witt. Stärke Hühne, Blondfusse Pitter Wellem Lazarus Strohmanus. Jood Preck“.

„Tradizione sin da, um jebroche ze wedde“, resümierte Ningelgen des Weiteren über die Entwicklung der Jahrhunderte alten Gesellschaft, die einst im Einvernehmen sowohl mit der katholischen Kirche als auch mit den Franzosen zu ihrer heutigen Tradition fand. Die nächste Lazarustaufe wird im Januar 2017 erstmals am Vorabend stattfinden, und zwar wegen eines bereits engagierten „namhaften Künstlers“, der sonntagsmorgens „nicht kann“. Neben Worten des Dankes an die vielen Unterstützer des Brauchtums monierte Ningelgen am Rande der Veranstaltung, dass „sich viele Städte und Gemeinden scheinbar nur noch Gedanken um höhere Gebühren und Abgaben machen, welche oft die Vereine, die kulturelle Arbeit in Eigeninitiativen und reiner ehrenamtlicher Tätigkeit fördern, sehr hart treffen“. Hier sei ein Umdenken der zuständigen Stellen in Politik und Verwaltung vonnöten.

Das ansprechende weitere Festprogramm gestalteten der in „Muttersproach“ reimende Georg „Schorsch“ Thevessen, der singende Clown Eva East und zwei „Husmester vom Bundesdach“. Den obligatorischen Rahmen gestalteten die beiden Heimatsänger Wolfgang Gehlen und Heins Weiergans mit ihren Hommage-Liedern an Jülich.

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