Der „Papageienkäfig” entpuppt sich als Millionengrab

Von: hfs.
Letzte Aktualisierung:
polizeibau-bu
Pfusch am Bau: Bei Entkernung von Haus 19 in Linnich kommt Behördenschlamperei ans Licht. Foto: hfs.

Linnich. Die Entkernung der ehemaligen Polizeiunterkunft „Haus 19” auf dem Gelände der Linnicher Polizeischule können nur wenige verfolgen: Insider, die wissen, von wo man einen Blick auf den sechsstöckigen Wohnklotz werfen kann. Und jene, die ihre Ausbildung dort absolvierten und in dem nun zum Abriss stehenden Bau wohnten.

„Schreiben Sie nicht wohnten. Schreiben Sie wohnen mussten, obwohl das Haus direkt nach der Einweihung hätte abgerissen werden müssen.” Noch heute ist der Polizeipensionär wütend, wenn er auf die Geschichte von Haus 19 eingeht. „In meinen Augen trägt dieser Klotz die Mitschuld daran, dass die Linnicher Liegenschaft für die weitere Ausbildung von Polizeikräften aufgegeben wurde. Keiner der späteren Dienstherren wollte mit einer solchen Altlast etwas Neues anfangen.”

Haus 19 wurde 1972/73 errichtet. Von Anfang an machten sich Planungsfehler bemerkbar, es hagelte Beschwerden, Aufsichts- und Ausführungsfehler wurden entdeckt. „Hunderte”, sagt der ehemalige Polizist, der jahrelang die Prozesse um den Pfusch am Bau verfolgte.

Um es auf einen Nenner zu bringen: Das Haus hätte nie bezogen werden dürfen, hätte direkt einer Abrissbirne zum Opfer fallen sollen. Noch ehe die ersten von 140 Bewohnern einziehen wollten, musste das Dach komplett erneuert werden. Dies verschlang 600.000 Mark, 1974 eine Riesensumme.

Dass man bei der Bauausführung vergessen hatte, Heizungsrohe in den Wohnungen mit dem Kesselhaus zu verbinden, war noch ein kleineres Übel. „Das Haus bekam Setzrisse, die Fenster wurden blind, verzogen sich, konnten nicht geöffnet werden. Zudem regnete es permanent herein. Aber wir hatten ja damals schon Phenyltapete”, kann der Pensionär heute darüber lachen.

Damals nicht. Die Nässe zwischen Wand und Tapete merkten insbesondere die unteren Stockwerke. „Da stand das Wasser permanent in den Wohnungen.” Dabei fanden die Bauherrn zu Beginn die Idee nicht schlecht. Man wollte weg vom Kasernenimage. „Jeder Polizist hatte ein eigenes Zimmer, eine Dusche, eine Kochnische.” So war es vorgesehen, in vorgefertigten Betonteilen wurden die Stockwerke hochgezogen.

„Aber man hat die Bude nie dicht bekommen”, sagt der Linnicher. Ein Haus gleichen Typs wurde in Brühl errichtet. Mit den gleichen katastrophalen Baumängeln. „Das wurde mit Millionen saniert, unser Haus in Linnich nicht, man hat nur prozessiert, Geld in unsinnige Maßnahmen gesteckt. Die Folge: Eine vernünftige und verspätete Sanierung hätte mehr Geld gekostet als Abriss und Neubau zusammen. So ließ man die Finger von Haus 19, das viele Jahre lang angesichts der großen Baumängel nicht mehr genutzt werden konnte. „Da wurde viel Geld des Steuerzahlers verpulvert.”

Eine Idee wurde leider nicht umgesetzt. „Die Polizei führte damals noch die Technischen Züge. 1993 wurde darüber nachgedacht, das Haus zu sprengen. Zu Übungszwecken.” Daraus wurde nichts, es blieb der Nachwelt und dem späteren Eigentümer Bau-und Liegenschaftsbetrieb NRW erhalten. Und dem Polizeijargon. „Warum? Es bekam einen unmöglichen gelben Anstrich. Für uns ist es noch immer der "Papageienkäfig".”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert