Jülich - Der Nahostkenner Ulrich Sahm erhält Jülicher Preis

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Der Nahostkenner Ulrich Sahm erhält Jülicher Preis

Von: ptj
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Ulrich Sahm mit Gabriele Spelthahn
Preisträger Ulrich Sahm mit Gabriele Spelthahn, Vorsitzende der „Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz“. Foto: Jagodzinska
Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz
Alle Geehrten, Mitstreiter und prominenten Gäste auf einen Blick: Die Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz würdigte auch insgesamt sechs Initiativen von jungen Leuten aus dem Jülicher Land. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Das, worüber wir jetzt reden, sollte dich ganz besonders interessieren.“ – dieser Satz aus dem Mund einer Lehrerin an einer internationalen Schule in Paris wurde zum Schlüsselsatz zum Thema Toleranz für den damals 13-jährigen Ulrich Sahm. Gemeint war Anne Frank, von der der renommierte Preisträger damals noch nie gehört hatte.

50 Jahre später entschuldigte sich die Lehrerin dafür, eine vertriebene Jüdin aus Alexandria (Ägypten). Aus solcherlei psychischen und physischen Diskriminierungen, die sich wegen der Botschaftertätigkeit seines Vaters an den verschiedensten Orten der Welt abspielten, hat Sahm Toleranz gelernt. Sein Grundsatz ist es, „möglichst neutral zu bleiben“. Diese interessanten Ausführungen zu den Themen „Toleranz“ und „Vergessen“ mit anschließender Diskussionsmöglichkeit standen auf Wunsch des Preisträgers mit Blick auf die vielen Schüler an Stelle der üblichen Laudatio.

Den „Preis für Zivilcourage und Solidarität“ verlieh die gastgebende „Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz“ im Rahmen ihrer traditionellen Gedenkveranstaltung in der Schlosskapelle anlässlich der Befreiung des KZ Auschwitz vor 73 Jahren. Damit würdigte die Gesellschaft mit ihrer Vorsitzenden Gabriele Spelthahn das Lebenswerk des freien deutschen Nahost-Korrespondenten, der sich stets darum mühe, „den Lesern, Zuschauern und Zuhörern im deutschsprachigen Raum die innen- wie außenpolitisch besonders schwierige Lage Israels, der einzigen Demokratie im Nahen Osten, möglichst objektiv nahezubringen“.

Sahm lebt seit 50 Jahren in Jerusalem, und zwar „als Fremder, der um sein Visum kämpft“. Er „darf, kann und will nicht wählen. Warum muss ich dann eine politische Meinung haben?“, lautete seine rhetorische Frage. Klar sprach er sich dagegen aus, „auf Israel einzuhacken, obwohl sie sich im Grunde genommen verteidigen“. Als Beispiel nannte er eine „dpa-Meldung“ über einen israelischen Angriff, der erst in Zeile 90 offenbarte, dass diesem ein Angriff der Hamas mit 12000 Raketen vorausgegangen ist“. Besonders interessant war Sahms Antwort auf die Frage von Dr. Patricia Peill nach der viel diskutierten Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels. „Nach welchem Völkerrecht hat man denn die Bundeshauptstadt von Bonn nach Berlin verlegt? Jedes Land ist frei, sich seine eigene Hauptstadt auszusuchen.“

Zwei Sonderpreise

Zur diesbezüglichen Rede Trumps bemerkte er: „Kein Mensch hat diese idiotische Rede (ganz) gelesen, in der Trump sich selbst in Frage stellt“. Im zweiten Teil der zweistündigen Veranstaltung wurden vier Schülerprojekte ausgezeichnet und zwei Sonderpreise verliehen: Gewürdigt wurden die 8a des Mädchengymnasiums Jülich mit Lehrerin Bernadette Mauro für „Briefe an Anne Frank: Ein Mädchen in Not, Bedrückung und Lebensgefahr“ sowie die Klasse 4 der GGS Linnich mit Lehrerin Marianne Coers für ihre Mitgestaltung der Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht in Linnich und der altersgemäßen Beschäftigung mit der Frage „Wer gehört dazu?“ im Vorfeld. Ferner ausgezeichnet wurden die Aldenhovener Konfirmanden mit Pfarrer Charles Cervigne für ihren Besuch am Grab des jüdischen Soldaten Michael Ernst und ihre damit verbundene Ausrichtung einer Erinnerungsfeier.

Gewürdigt wurde ebenfalls das Titzer Jugendparlament mit Jugendbetreuerin Francesca Coianiz für seine Mitgestaltun g der Gedenkfeier in Müntz. Einen Sonderpreis erhielt die Sekundarschule Jülich mit Schulseelsorger Ralf Loevenich für ihre Gestaltung der Gedenkfeier „An der Synagoge“ und am Mahnmal und für ihre „selbstlose Aufgabenstellung, sich mit dem Unfassbaren auseinanderzusetzen“, wie Spelthahn es ausdrückte. Der zweite Sonderpreis wurde für das aufwändige außerschulische Projekt „Schulisches Leben zwischen Tradition und Gegenwart“ verliehen, das Lehrer Marco Maria Emunds und Kollegin Kirsten Jansen mit sechs Overbacher Schülern organisierte.

Ein Begleitheft mit Erlebnisberichten krönt das Projekt. Im Rahmen der Gedenkveranstaltung in der Schlosskapelle sang der Aachener Rabbiner Mordechai Bohrer das „El male rachamin“ in Hebräisch und Deutsch für die Opfer der Shoah. Das professionelle und emotionale musikalische Rahmenprogramm gestalteten die Pianistin Sofia Schapiro-Pedrasch und Opernsänger und Violinist Rauf Bermann.

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