Jülicher Land - Der Mann, der ein ganzes Volk einfangen kann

Der Mann, der ein ganzes Volk einfangen kann

Von: hfs.
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Manfred Kochs im Einsatz: In Barmen fängt er ein Bienenvolk ein, das sich auf einem Garagendach niedergelassen hatte. Er rät Betroffenen dazu, nicht selbst aktiv zu werden. Foto: Schiffer

Jülicher Land. „Plötzlich wurde es am helllichten Tag dunkel in unserem Garten, dann hörten wir ein sehr lautes Summen und sahen eine schwarze Wolke auf uns zukommen. Und dann sind wir sofort ins Haus geflüchtet.“ Dieses Szenario erlebte ein Barmener, als er mit Freunden im Garten saß. Die Freude über den Aufenthalt im Freien dauerte jedoch nicht lange. Ein riesiger Bienenschwarm vermieste das weitere Sonnenbad, denn die Brummer ließen sich nieder, wuchsen schnell zu einer ansehnlichen „Traube“ an.

„In diesen Tagen passiert es oft, dass sich ein Bienenvolk teilt, sich Tausende Bienen mit einer Königin auf und davon machen, nach einem anderen Aufenthaltsort suchen“, sagt Imker Manfred Kochs aus Stetternich. Der wurde vom betroffenen Gartenbesitzer über das Barmener Bienenvolk informiert. Die entsprechende Rufnummer hatte die Feuerwehr Jülich zur Hand, die in solchen Fällen den Kontakt zu dem Stetternicher vermittelt, der nicht nur Hilfe, sondern auch Ratschläge im Fall des Falles zur Hand hat.

Dass man selbst nichts unternehmen soll, diesen Ratschlag gibt der Fachmann schon am Telefon. „Es dauert jetzt einige Stunden, bis sich das Volk beruhigt hat, es sich sammelt, irgendwo niederlässt. Wenn sie den Ort wissen, rufen sie mich wieder an, ich komme dann, sammele das Volk ein.“ Dass es über einen Tag dauerte, bis sich die Bienen beruhigt und zu einer stattlichen „Traube“ formiert hatten, lag auch an der Witterung. „Wenn sich ein Volk davonmacht, haben die Bienen sich sozusagen für zwei bis drei Tage gesättigt. Danach brauchen sie wieder Nahrung, müssen sich also nach einem Ort umschauen, wo es diese gibt.“

Königin ist der Schlüssel

Manfred Kochs kennt als erfahrener Imker natürlich das Verhalten der Bienen. Und weiß, wie man ein Volk in den Griff bekommt. „Wenn ich die Königin habe, dann ist das Einsammeln kein Problem.“ So auch nicht in Barmen. Mit seiner Ehefrau Ingrid, die ebenfalls begeisterte Imkerin ist, wurde der Schutzoverall angezogen, Handschuhe übergestreift und über die Leiter ging es in die Höhe, die in diesem Fall kein Hindernis darstellte. „Manchmal sind es meterhohe Baumkronen, dann hilft schon einmal die Feuerwehr mit der Drehleiter aus“, berichtet der Experte während der Sammelaktion in Barmen.

In einer mitgebrachten Kiste summen schnell Hunderte Bienen, angelockt von ihrer Königin, die Kochs gleich oben auf dem Garagendach hatte einfangen können. Und nach einigen Stunden, als die Dämmerung hereinbricht, ist die Aktion beendet. Das Volk ist eingefangen und macht sich mit dem Imkerehepaar auf den Weg nach Stetternich. Zuvor ist das Bienenvolk allerdings noch gefüttert worden, „damit es sich schnell regeneriert, denn viele Tiere sind entkräftet“, stellt Kochs mit geschultem Blick fest.

Der Imker kümmert sich aber nicht nur um Bienen, sondern auch um Hummeln, Wildbienen und Hornissen. Die, so sagt der Fachmann, unterliegen den strengen Bestimmungen zum Artenschutz. „Das Nachstellen, Fangen, Verletzen oder Töten von diesen geschützten Insekten ist grundsätzlich verboten.“ Auf Antrag können in Einzelfällen von dieser Verbotsvorschrift Ausnahmen durch die Untere Landschaftsbehörde zugelassen werden. Für die arbeitet der Stetternicher nämlich auch.

Keine Panik bei Hornissen

„Wenn sich Menschen durch eine Ansammlung dieser Insekten gestört fühlen und ich gerufen werde, muss ich abwägen“, sagt Kochs, der zum Beispiel das Anbringen von Fliegenschutzgittern an Fenstern bei kritischer Lage des Nestes als eine „zumutbare Maßnahme und ein zweifelsfrei mildes Mittel zum Wohle der Natur“ ansieht. Wenn es um Hornissen geht, dann geraten schon viele beim Anblick in Panik. „Wenn man die Tiere am Nest nicht stört, insbesondere Erschütterungen, ein längeres Verstellen der Flugbahn und heftige Bewegungen in Nestnähe vermeidet, verhalten sich Hornissen friedlich“, berichtet der Fachmann aus Stetternich aus langer Erfahrung.

„Kommt es zu einem Hornissenstich, so ist dieser zwar schmerzhaft, aber in der Regel harmlos“, sagt Kochs. Bei seiner Sammelaktion im Barmener Garten hat er auch den einen oder anderen Bienenstich abbekommen. „Es waren schon einmal über 20 Stück“, lacht der Hobbyimker, der eingesteht, dass Wespen lästig werden können, auch bekämpft werden dürfen. Auch dies erledigt Manfred Kochs. Wer seine Hilfe in Anspruch nehmen will oder muss, kann sich unter Telefon 02461/50376 bei ihm melden.

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