Der Mann, der die „geblitzten” Stars zur Kasse bittet

Von: hfs.
Letzte Aktualisierung:
Die tägliche Kiste mit Knöll
Die tägliche Kiste mit Knöllchen kann Peter Fink heute nicht mehr erschüttern. Ende Juni ist damit Schluss, beginnt der Ruhestand. Foto: hfs.

Stetternich. Ob Fußballstar, Schauspieler oder Normalbürger, Peter Fink aus Stetternich hat sie (fast) alle in seiner Kartei. Dabei ist der 65-Jährige kein Autogrammjäger, sondern Leiter der Bußgeldstelle beim Straßenverkehrsamt in Düren.

Normalerweise würde er nach 50 Dienstjahren (!) seinen Ruhestand genießen, doch Fink verlängerte auf Bitten seiner Amtsleiterin für drei Monate.

Ja, den großen Fußballlehrer hatte er auch in Händen. In Form der Fahrerlaubnis. „Er musste für vier Wochen seinen Führerschein abgeben. Pünktlich zu Beginn der Europameisterschaft 2004 schickte er den Führerschein zu uns, danach holte er sich den wieder ab - als Europameister.” Peter Fink kennt viele, die in eine der effizientesten Radarkontrollen in Deutschland am Jackerather Kreuz geraten sind.

Waren es zu Beginn bis zu 2000 Fälle pro Tag, ist deren Zahl bis heute unwesentlich zurückgegangen. Das hat zur Folge, dass die Bußgeldstelle im Straßenverkehrsamt zur Bußgeldfabrik wurde. „So kann man es umschreiben”, meint Sachgebietsleiter Peter Fink. Der sieht zwar nicht aus wie jemand, der das Pensionsalter erreicht hat, doch die Türen zu seinem Dienstzimmer sind unübersehbar beklebt.

„Dies haben meine Kolleginnen und Kollegen anlässlich meines Dienstjubiläums gemacht. Darüber habe ich mich sehr gefreut”, blickt Fink auf goldschimmernde Pappkränze, in denen Konterfeis des Jubilars aus der fünf Jahrzehnte währenden Beamtenlaufbahn eingearbeitet sind. Er war, wie das Foto im ersten Lorbeerkranz zeigt, ein „statzer Kerl”, als er am 1. April 1962 bei der dortigen Kreisverwaltung in Jülich als Verwaltungslehrling im Ausgleichsamt begann.

Die Kommunale Neugliederung führte dazu, dass der Stetternicher Jong nicht mehr zum Schwanenteich, sondern in die Kreisstadt fuhr. Über den Wechsel war er nicht glücklich, wie er noch heute bekennt: „Ich stand mehr hinter dem damaligen, auf fast jedem Auto angebrachten Slogan ,Jülich bleibt unser Landkreis.”

„Mein Moped hatte noch ein Jül-Kennzeichen, der Kadett musste mit einem DN-Schild versehen werden”, ging mit dem Kreis- uach ein Amtswechsel einher. Fink wurde Sachgebietsleiter im Ausländeramt. „Es waren zehn nicht einfache Jahre”, blickt er zurück und spricht stockend, wenn er sich daran erinnert, wie er nachts mit der Polizei bei irgendwelchen Familien auftauchte, die abgeschoben wurden. „Wenn Kinder dabei waren, ging einem das schon nahe. Aber wir mussten es per Gesetz machen.”

So war Peter Fink nicht gerade unglücklich, als ihn das Personal-Karussell im Kreishaus ins Straßenverkehrsamt brachte. Der Dienst ohne Nachtarbeit erlaubte es ihm, wieder selbst Fußball zu spielen, die Heimspiele von Borussia Mönchengladbach zu besuchen - „ich bin seit frühester Jugend Anhänger der Borussia” - und sich dem geliebten Radfahren zu widmen.

„Eine der schönsten Touren ist die am Freitag Abend. Dann radele ich mit Freunden zuerst zum Briefkasten der Redaktion, geben unseren Tippschein für das Fußballtoto ab, und dann geht es in die Stammkneipe nach Lich-Steinstraß”, lacht Fink. Der legt zudem „selbstverständlich auch längere Touren zurück.” Bisher aber nur nach Feierabend oder am Wochenende. denn noch steht der Job als Sachgebietsleiter „Bußgeldstelle” an.

Waren es am Anfang nur eine Handvoll Mitarbeiter, die dort Dienst taten, ist deren Zahl seit Inbetriebnahme der Blitze in Höhe Jackerath im November 2009 kontinuierlich gestiegen. Zurzeit sind es 13 Angestellte, die die tägliche Flut von Knöllchen bearbeiten. Die Filmauswertung wird schon seit geraumer Zeit von einer externen Firma übernommen, dafür bleibt beim Straßenverkehrsamt keine Zeit. „Wenn dann die Auswertung kommt, dann sehen wir oft viele bekannte und prominente Gesichter.”

Damit ist jedoch Ende Juni endgültig Schluss. Weil er sich seiner Dienststelle und den Kollegen so verbunden fühlte, kam er gerne der Bitte der neuen Amtsleiterin Elke Baum-Teschner nach, sie noch drei Monate während der Einarbeitung zu unterstützen. „Dann geht es aber in Rente”, sagt Peter Fink. Und unterstreicht das endgültig.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert