Der Linnicher Bürgerbus hat ein Herz für kleine Fahrgäste

Von: Otto Jonel
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Jetzt wird der „Kindergartentransporter“ richtig voll. An der Haltestelle Kreisstraße in Welz warten jeden Morgen etliche Kinder auf den Bürgerbus. Foto: Jonel

Linnich. „Morgen, Nico! Komm rein mein Freund.“ Nico kraxelt die drei Stufen hoch. Vor allem die letzte ist eine echte Herausforderung für den Dreikäsehoch. Aber Nico packt das. Er kennt das schließlich. Wenn er mit dem Linnicher Bürgerbus morgens zum Kindergarten fährt und mittags wieder zurück, muss er diese hohe Hürde überwinden.

Nico braucht auch keine Hilfe von seinem „Freund“, um sich auf seinem Kindersitz anzugurten. Ein großer Junge kann das allein. Sicherheitshalber prüft Peter Friedrich dennoch, ob das Gurtschloss auch richtig eingerastet ist.

Rechtzeitig abgesagt

An diesem Morgen ist Peter Friedrich der Fahrer des Linnicher Bürgerbusses und Nico sein erster Passagier. Es ist kurz nach halb acht, Haltestelle Schiller-Straße in Linnich. Hier beginnt die morgendliche Kindergartenroute des Bürgerbusses. Von hier fährt Friedrich nach Rurdorf und eigentlich weiter nach Floßdorf. Heute ausnahmsweise nicht. Noch während es sich Nico auf seinem Sitz bequem macht, klingelt das Telefon im Bus. „Wir kommen heute nicht, und auch den Rest der Woche nicht“, meldet sich die Mutter ab. Rechtzeitig genug, dass der Bürgerbus sich die Schleife nach Floßdorf sparen kann. „Die Eltern sind sehr zuverlässig“, lobt Friedrich. „Die rufen an, wenn ihre Kinder nicht mitfahren sollen.“

Und so bleibt der Bus auf seiner ersten Runde über Rurdorf und Welz zum Kindergarten Gereonsweiler halbleer.

Drei Kindergartenrunden dreht der Bus jeden Morgen. Im Idealfall sind jeweils alle Sitzplätze in dem Mercedes-Achtsitzer besetzt: sieben Kindersitze und ein spezieller Sitz für ein U3-Kind. Allein in Welz warten jeden Morgen 15 Kinder, um zum Kindergarten gebracht zu werden. „Hauptabnehmer“ ist der DRK-Kindergarten in Ederen.

Die Atmosphäre im Bus ist fröhlich. „Wir singen oft zusammen“, erzählt Friedrich, und wie bestellt, stimmen zwei Mädchen „Hey Pippi Langstrumpf zwei mal zwei macht vier...“ an. Und man kennt sich. Der Herr Busfahrer ist eine Vertrauensperson, dem man unbedingt den bepflasterten Finger zeigen und die dazu gehörige Unglücksgeschichte erzählen muss. „Die Kinder wachsen einem schon ans Herz, wenn man die all die Jahre fährt“, gesteht Friedrich.

Die drei morgendlichen Kindergartentouren spiegeln sich in den drei Touren ab Mittag, wenn die Kinder wieder nach Hause gebracht werden. Für den Bürgerbus-Verein ist diese Beförderungsvereinbarung mit der Stadt ein wichtiges Standbein. Trotz des relativ geringen Entgelts – ein Mix aus Elternbeitrag und öffentlichen Mitteln – decken die Einnahmen aus der Kitabeförderung die Treibstoffkosten des Bürgerbusses.

Sobald das letzte Kind morgens aus dem Bus geklettert ist, rüstet der Fahrer die Fahrgastzelle um und ein auf die Passagiere vom anderen Ende der Alterspyramide. Um 8.36 Uhr beginnt in Gereonsweiler an der Alten Schule der öffentliche Fahrplan des Bürgerbusses. Meist sind es Senioren, die die bequeme Verbindung nach Linnich nutzen – vorzugsweise zum Arzt. Auch so was weiß ein Bürgerbusfahrer.

Auslaufende Lizenzen

Der Linnicher Bürgerbus-Verein könnte sich bequem zurücklehnen. Unter den 113 Vereinen in Nordrhein-Westfalen ist er einer der wenigen, die sich wirtschaftlich aus eigener Kraft tragen können, wie Friedrich stolz erzählt. Aber es gibt ein Generalproblem: Um zu fahren, braucht auch der beste Bürgerbus Fahrer. „2016 könnten wir ein Problem kriegen. Dann laufen etliche Lizenzen aus“, erklärt Friedrich den Hintergrund. Derzeit halten 21 Fahrer den Bürgerbus „am Rollen“. Da alle ehrenamtlich tätig sind, ist ein Großteil des Personals locker im Rentneralter. Nachwuchs ist daher jetzt schon höchst willkommen.

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