Jülich - Der letzte Weg des Herrn Mutombo

Der letzte Weg des Herrn Mutombo

Von: Volker Uerlings
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Außen alles andere als eine S
Außen alles andere als eine Schönheit, aber innen passabel: das Übergangsheim für Flüchtlinge in Selgersdorf. Foto: Uerlings

Jülich. Vor gut einer Woche ging Herr Mutombo seinen letzten Weg. Der 52-Jährige Kongolese hat es leider nicht mehr erlebt, aber: Er ging ihn nicht allein. Über 200 Menschen begleiteten die Beisetzung auf dem Jülicher Friedhof - und auch der Ort war so nicht zu erwarten.

Ndia Bintu Mutombo hätte „von Amts wegen” eine anonyme Beerdigung in Aachen zugestanden, wo er nach langer Krankheit verstorben ist. Der Asylbewerber hat aber alle Zeit außerhalb des Kongos in Jülich verbracht: 21 Jahre insgesamt - und 21 Jahre ohne Anerkennung als Verfolgter mit Anspruch auf Asyl.

Alles kam anders, weil Herr Mutombo zum einen geschätzt war und ihm zum anderen Solidarität zuteil geworden ist. Er konnte trotz Ablehnung des Asylantrages nicht ausgewiesen werden, weil er von Anfang an schwerstkrank war. Viele Flüchtlinge und Asylbewerber haben gesammelt, vor allem Kongolesen, die das Flüchtlings-Schicksal aus eigener Anschauung kennen. Aber auch eine Schützenbruderschaft und der Lions-Club gaben Geld, damit der Wahl-Jülicher mit dunkler Hautfarbe eine würdige Beerdigung erhält.

Diese Geschichte erfuhren Stunden nach der Beisetzung die Mitglieder des Jülicher Ausschusses für Kultur, Integration und Soziales von Sozialamtsleiterin Doris Vogel. „So etwas habe ich noch nicht erlebt”, berichtete die bewegte Verwaltungsfrau, die sich nicht sicher ist, ob derartiger Gemeinschaftssinn unter den Bürgern mit deutschem Pass noch oft zu finden ist.

Der Anlass für diese Erzählung im Ausschuss war durch und durch nüchtern: Das Fachamt hat einen Bericht über die Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen in der Stadt vorgelegt. Wesentliches Ergebnis: Die Zahl ist niedriger als vor einem Jahrzehnt, bleibt aber seit Jahren in etwa konstant. Zum 31. März wurden vom Jülicher Sozialamt 128 Flüchtlinge betreut. 71 leben in Privatwohnungen, 57 in den drei Übergangsheimen in der Oststraße, in Güsten und in Selgersdorf.

„Durch die im Gegensatz zu früheren Jahren entspannte Wohnsituation wurde inzwischen ein hohes Maß an Sozialverträglichkeit erreicht”, ist im Rapport zu lesen. Und: „Das Zusammenleben der unterschiedlichsten ethnischen Gruppen funktioniert gut.”

In den Heimen in Selgersdorf und in der Oststraße werden Familien und alleinstehende Frauen untergebracht, in Güsten ausschließlich Männer.

Die Wohnsituation indes ist zweigeteilt. Salopp könnte man es auf diese Formel bringen: innen hui und außen pfui. Das hat seinen Grund, denn das Sozialamt kann aus seinem Budget nur bestimmte Maßnahmen finanzieren. Die Mittel wurden vor allem in den Erhalt und die Optimierung der Inneneinrichtung gesteckt. Neue Fenster und Fußböden, Neuanstriche der Flure und Wohnungen, Einrichtung von Gemeinschaftsküchen oder die Erneuerung von Sanitärräumen sind aufgelistet.

Weitergehende „Schönheitsreparaturen” wie zum Beispiel ein Außenanstrich, der sowohl den Bewohnern als auch den Nachbarn gleichermaßen entgegenkäme, gab die „angespannte Finanzsituation der Stadt” nicht her. Dass die Prioritäten so gesetzt wurden, fand zum Beispiel der stellvertretende Bürgermeister Wolfgang Gunia (CDU) richtig. Aber die Bemerkung wollte er sich nicht verkneifen: „Das Heim in Selgersdorf sieht von außen verboten aus!”

Doris Vogel stimmte prinzipiell zu und sagte: „Wenn das Hochbauamt sagt, wir haben kein Geld, sind uns die Hände gebunden.”

Wenn es Recht und Gesetz hergäben, hätten mutmaßlich auch die Bewohner schon selbst zu Farbeimer und Pinsel gegriffen, aber die Lage ist anders. Herr Mutombo war so ein Mensch, der anpackte. Als es seine Gesundheit erlaubte, hat er mit den Hausmeistern die Flüchtlingsunterkünfte in Ordnung gehalten. Das wird ein Grund dafür gewesen sein, warum man ihn - über den Tod hinaus schätzt. Und nun auch sein Grab pflegt, 30 Jahre lang.
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