Der lange Weg zur fein gedeckten Tafel

Von: Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
tafelbuhoch
Sitzt leidenschaftlich gerne im Auto: Achim Jessen ist als einer von elf Fahrern für die Jülicher Tafel unterwegs. Foto: Tobias Röber

Jülich. Mittwochnachmittag, 16 Uhr. Ulla Lieth schließt die Türe der Jülicher Tafel an der Lorsbecker Straße auf, und die ersten Kunden betreten den hübsch hergerichteten Laden. An der Fensterfront liegen frisches Obst und Gemüse, in der Kühltheke stapeln sich Leckereien wie Heringsfilets, Kartoffelsalat und diverse Käsesorten.

Im Regal hinter der Kühltheke türmen sich Konservendosen sowie Einweckgläser. Ulla Lieth und ihre Kollegin Ulla Nelles stehen davor, lächeln und fragen: „Was darf es denn sein?” Bis sich den Bedürftigen dieser Anblick bietet, und die Waren für ein geringes Entgelt in ihre Einkaufstaschen wandern, ist es jedoch ein weiter Weg. Wir haben einen Blick hinter die Kulissen geworfen.

Rund acht Stunden zuvor. Achim Jessen nimmt noch einen kräftigen Schluck aus der Kaffeetasse, dann setzt er sich ans Steuer. Er fährt eines der drei Autos, die sich jeden Morgen auf den Weg machen, um die Waren einzusammeln. Nach und nach steuert er die großen Supermarktketten und Bäckereien der Umgebung an.

Was ihn dort erwartet, weiß er vorher nie. „Mal bekommen wir wenig, mal ganz viel”, erzählt er, nachdem er am Wareneingangstor geklingelt hat. Kurze Zeit später öffnet sich das Tor, und ein Hubwagen mit einigen Kisten rollt auf die Laderampe.

In den Kisten liegt alles mögliche: Mandarinen, Bohnen, Brot, ein Schoko-Kirschstreuselkuchen und eine kleine Palette mit Blumen. Alles Waren, die der Supermarkt nicht mehr verkaufen kann und darf, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum fast erreicht ist. Dennoch sind die Waren häufig noch gut.

Was auf den ersten Blick niemandem mehr zum Verkauf angeboten werden kann - etwa weil es bereits schimmelt - wirft Achim Jessen gleich in den Müllcontainer. Den Rest stapelt er im Laderaum des Wagens. So wiederholt er es an allen Stationen. An manchen Tagen ist der Wagen schnell voll und muss zwischendurch entladen werden. An anderen Tagen schafft er die komplette Jülich-Tour ohne Zwischenstopp.

Im Laden an der Lorsbecker Straße warten die fleißigen Helfer schon, um die Kisten in Empfang zu nehmen. Petra Schiffer, Kerstin Schwab, Liesel Fischer, Simone Hecken, Margret Klose und Daniela Müller-Hagenau nehmen nun alles genau unter die Lupe, sortieren aus und reinigen. Das alles erledigen sie mit jeder Menge Spaß, obwohl sie immer wieder schimmelige, matschige und daher eklige Lebensmittel in den Händen halten.

„Wir sind ein tolles Team, hier herrscht ein gutes Arbeitsklima”, sagt Simone Hecken. Und warum engagieren die Damen sich? „Aus Nächstenliebe, weil wir helfen wollen”, spricht Liesel Fischer, mit 70 Jahren die Älteste im Bunde, für die Gruppe.

Auch Achim Jessen will helfen. Er ist einer von elf Fahrern. Insgesamt verfügt die Jülicher Tafel über 168 Mitglieder, 82 ehrenamtliche Helfer, zehn Ein-Euro-Kräfte sowie zehn Helfer, die ihre Sozialstunden dort ableisten. 90 Bedarfsgruppen versorgen sie an den Verkaufstagen, insgesamt sind 902 Kundenkarten aktuell ausgestellt.

„Ich fahre gerne Auto”, bekennt Jessen und macht sich nach dem Zwischenstopp auf zur nächsten Tour, die ihn nach Niederzier führt. Wieder kommt er voll beladen zurück, hilft beim Ausladen und packt dann bei den weiteren Arbeiten kräftig mit an.

Sortiert und gereinigt landen die Waren schließlich im Laden bei den beiden Ullas, die alles mit viel Sorgfalt einsortieren. „Es ist eine sinnvolle Arbeit, die dazu auch noch viel Spaß macht”, erzählt Ulla Nelles. Für Ulla Lieth ist jeder Arbeitstag nicht nur ebenfalls eine große Freude, sondern auch eine Reise in die Vergangenheit. Vor über 50 Jahren begann sie genau in diesem Haus - damals beherbergte es eine Metzgerei - ihre Lehre. Und immer noch schließt sie gerne den Laden für die Kunden auf.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert