Der Jülicher Bürgerbus rollt an

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Klaus Krüger, Vorsitzender des neugegründeten Jülicher Vereins „Bürgerbus“ will auch selbst ehrenamtliche Fahrdienste leisten.
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Der Bürgerbus hat eigene Haltestellen, darf aber auch andere mitnutzen, wie hier am Rathaus in Linnich, wo es einen Bürgerbus schon lange gibt. Foto: Jagodzinska

Jülich. Das Projekt Bürgerbus in Jülich nimmt Gestalt an. Nach der Gründungsversammlung des gleichnamigen Vereins am 1. Oktober 2014 steht am Mittwoch um 18 Uhr im Großen Sitzungssaal des Neuen Rathauses die zweite Mitgliederversammlung an. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem die Vorstellung der Satzung, Wahlen und weitere Überlegungen zur „Linie für Jülich“.

Spannend wird sein, wer wirklich die ehrenamtlichen Fahrdienste des Kleinbusses mit acht Sitzplätzen übernehmen wird. Im Vorfeld sprach Silvia Jagodzinska mit dem Vorsitzenden Klaus Krüger, der auch selbst als ehrenamtlicher Fahrer fungieren will.

Welche Erfahrungen haben sie bisher in punkto Bürgerbus gesammelt?

Krüger: Ich habe erfahren müssen, dass das Thema Bürgerbus ins Leben zu rufen mehr ist, als mal schnell einen Bus bestellen und eine Strecke fahren. Es steckt viel dahinter im Zusammenspiel mit drei Organisationseinheiten: der Stadt, die den Bürgerbus haben will, dem Verein und dem Verkehrsunternehmen, das die Konzession und damit letztlich die Berechtigung erwirbt, die Linie zu fahren. Der Bürgerbus gehört nicht uns, sondern dem Verkehrsunternehmen, das für die betriebliche Ausrichtung verantwortlich ist und die Tätigkeit auf uns als Verein überträgt. Wir übernehmen damit natürlich Betriebs- und Beförderungspflichten.

Welche Stadtteile bedient die Jülicher Linie, und wer ist das kooperierende Verkehrsunternehmen?

Krüger: Wir haben uns zwei Linien überlegt: Einmal innerstädtisch, inklusive der südlichen Stadtteile und eine außerstädtische nördliche Linie. Soweit der Plan, jetzt muss das Verkehrsunternehmen das Okay geben, dann geht die Planung mit Lizenzantrag in Richtung Bezirksregierung. Unser Partner ist die Dürener Kreisbahn.

Welche Vorgaben muss die „Jülicher Linie“ beachten?

Krüger: Wir fahren eine Linie in Ergänzung, nicht in Konkurrenz zum bestehenden Nahverkehr. Wir werden bestimmte Ortsteile nicht betreuen, weil dort ausreichend Linien zur Verfügung stehen, da wir sonst in Konkurrenz treten würden. Wir verbinden bei der innerstädtischen Linie Nordviertel und Heckfeld mit der Stadtmitte und sehen uns als Zubringerdienst in Richtung Bahnhof bzw. Rurtalbahn.

Der Bürgerbus hat eigene Haltestellen, an denen die Fahrgäste warten?

Krüger: Ja, wir fahren eine Linie und werden Linienbeschreibungen, Fahrpläne und Bürgerbus-Haltestellen haben, dürfen aber auch bestehende mitnutzen, wenn wir unser Bürgerbus-Schild dort anbringen. Beabsichtigt ist, die Person nach einer Stunde wieder dort abzuholen, wo wir sie hingebracht haben. Das werden Lokalitäten wie Friedhof, Real, Aldi, Lidl, Seniorenheime, Altes Rathaus oder Neues Rathaus sein. Wir haben auch am Markt eine Haltestelle geplant. Unsere Klientel ist im wesentlichen die ältere Bevölkerung. Die Resonanz ist bisher hervorragend. Wir agieren wie ein kleines Busunternehmen mit nur einer Linie.

Wieviele potentielle Fahrer haben Sie? Wie oft und wie lange werden sie fahren?

Krüger: Am Verein interessiert sind im Moment über 40 Personen, die Mitgliederversammlung wird zeigen, wieviele wirklich Mitglied werden. Wesentlich wichtiger wird sein, wer wird Fahrerin und Fahrer. Denn damit ist erst gestaltbar, was wir uns da vorstellen. Erste Überlegungen sind, montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr zu fahren. Wir wollen den Tag auskleiden, die Innen- und Außentour mehrmals fahren. Wir werden auch sehen, wo sich der Bedarf zeigt und entsprechend reagieren müssen.

Welche Anforderungen müssen die Fahrer zusätzlich zum normalen Führerschein erfüllen?

Krüger: Die Fahrer und Fahrerinnen müssen neben dem normalen Führerschein einen Personenbeförderungsschein und damit einen EU-Führerschein mit der Kennung Personenbeförderung machen. Wir werden als Verein die Kosten für diese Befähigung tragen. Da hilft uns die Organisationspauschale von 5000 Euro, die wir jährlich vom Land bekommen. Für das Fahrzeug gibt es bei Erstbeschaffung 40.000 Euro. Eine Spende haben wir auch schon bekommen, in Höhe von 2000 Euro von C&A. Wir haben Spendenaufrufe gestartet, um das Fahrzeug seniorengerecht und komfortabler auszustatten. Mit Standheizung, Automatik und so weiter. Denn die Fahrer werden überwiegend Senioren sein.

Wie stellt die Stadt Jülich ihre zugesagte Defizitabdeckung zur Sicherung des Busbetriebes sicher?

Krüger: Die Stadt Jülich hat zugesagt, ein Defizit bis 6000 Euro auszugleichen. Es wird unsere Aufgabe sein, als Vorstand darauf zu achten, dass wir möglichst nicht ins Defizit laufen. Vielleicht finden wir noch Quellen. Wir werden natürlich auch ein Sponsoring angehen, mit Werbung auf den Fahrzeugen usw.

Wann geht es los? Wer kann mitfahren? Wie hoch sind die Fahrpreise? Was steht noch auf der To-do-Liste?

Krüger: Geplanter Start ist der 1. September. Jeder kann mitfahren. Mehr als acht Personen können wir nicht befördern. Wir werden einen angepassten Tarif haben. Offen ist natürlich die Inanspruchnahme. Auf der To-do-Liste stehen noch: Fahrzeug bestellen, Konzession bekommen, Haltestellen einrichten. Alle Fahrer müssen die Eignungsprüfung mit ärztlicher Untersuchung durchlaufen, Führungszeugnisse müssen beantragt werden. Wir wollen alle Fahrer einweisen. Auch einen Erste Hilfekurs wurden wir gerne jedem anbieten. All das muss abgewickelt sein, bevor wir final starten.

Wieviel Zeit investieren die ehrenamtlichen Fahrer?

Krüger: Wir gehen im Moment davon aus, dass jeder Ehrenamtler möglichst nur zweimal im Monat fährt. Wenn wir Glück haben, können wir mit einem Ehrenamtler den ganzen Tag fahren. Je mehr Fahrer da sind, um so einfacher ist es für den Einzelnen, und wir sind flexibler in der Gestaltung. Also sind weitere Fahrer und Fahrerinnen willkommen, die damit Mitglied sind. Auch zur Mitgliederversammlung am 4. März im Neuen Rathaus sind Interessierte eingeladen.

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