Der Indener „Sheriff“ sagt leise Servus

Von: Antonius Wolters
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Stets ein offenes Ohr für Probleme: Polizeihauptkommissar Rudolf Köhler muss sich noch daran gewöhnen, ohne Uniform an seinem Indener Schreibtisch Platz zu nehmen. Foto: Wolters

Inden. Wenn vom Dorfsheriff die Rede ist, wissen die Bürger der Gemeinde Inden in der Regel genau, wer gemeint ist: Polizeihauptkommissar Robert Köhler ist am Umsiedlungsstandort bekannt wie der sprichwörtliche „bunte Hund“, auch wenn der inzwischen schlohweißes Haar hat.

Doch der Sheriff packt demnächst den Stern ein, wird nach Vollendung des 62. Lebensjahres am 4. Februar vom Land zum 1. März in den Ruhestand geschickt. Zeit, auf 43 Jahre im Polizeidienst zurückzublicken, davon die letzten 27 Jahre als Bezirksdienstbeamter in der Gemeinde Inden.

„Ich habe auch etwas Vernünftiges gelernt“, spielt Köhler spitzbübisch auf seine Ausbildung zum Schlosser an, die er von 1967 bis 70 in der RWE-Lehrwerkstatt in Weisweiler absolvierte, wo er ein weiteres Jahr als Geselle arbeitete.

Überhaupt zur Polizei gebracht hat Köhler Vorgänger Alois Krause, der bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger das Gespräch mit ihm suchte. Der Altdorfer hatte zwar aus Furcht vor den Rivalitäten in der Gemeinde zunächst Bedenken, sagt aber im Nachhinein: „Das hat besser funktioniert, als ich es je erwartet hätte.“ Als Ordnungshüter habe ihm die Bevölkerung stets Respekt entgegengebracht. Dafür dankt er.

Mit dem Grundlehrgang in Münster begann Robert Köhler 1971 seine Polizeiausbildung, die ihn später zur Bereitschaftspolizei in Linnich, der Einsatzhundertschaft in Bonn sowie zum Wach- und Wechseldienst in der Polizeiwache Dormagen führte.

1980 erfolgte der Wechsel zur Polizei Jülich, die den Beamten bis 1987 in der Wache Hambach einsetzte. Die letzten beiden Jahre hatte er aber bereits vertretungsweise seinen Dienst beim eigenständigen Polizeiposten Inden angetreten.

„Die Umsiedlung war seinerzeit in vollem Gange“, erinnert sich Köhler an seine Rückkehr in die Heimat zu einer bewegten und sehr intensiven Zeit. Der Ordnungshüter hatte viel mit Abbruchunternehmen und Vertretern von Rheinbraun zu tun. Die Kleinkriminalität war in diesen Tagen förmlich aufgeblüht, denn in den umzusiedelnden Dörfern wurde geklaut, was nicht niet- und nagelfest war.

Da der Bezirksdienst seinerzeit die Fälle in eigener Zuständigkeit bearbeitete, war Robert Köhler oft mit seiner Reiseschreibmaschine Olympia Carina II zu Vernehmungen unterwegs. Ein anderes technisches Hilfsmittel, das dem Dorfsheriff zu Gebote steht, ist ein Dienstroller, um in seinem Bezirk beweglich zu sein, zu dem auch Selhausen, Krauthausen und Hambach gehören.

Als er einmal mit Roller und allein zwei Spitzbuben an einem Tag dingfest machte, war das selbst der Bild-Zeitung eine Schlagzeile wert. Ansonsten verliefen die Einsätze auf dem Land eher unspektakulär,

Der Gemeinde Inden sind in den Jahren 1985 bis 93 viele Asylbewerber zugewiesen worden, deren Schicksal Köhler über die Jahre begleitet hat. „Viele Asylanten sind hier heimisch geworden und fühlen sich in der Gemeinde wohl“, fühlt sich der Ordnungshüter von der offensichtlich gelungenen Integration „angenehm berührt“.

Zu schätzen weiß er auch die Freiheiten im Bezirksdienst, der dringend „die anlassunabhängige Kontaktaufnahme mit dem Bürger“ empfiehlt. Der kommunikative Köhler ist ganz in seinem Element, wenn er „immer mit einem offenen Ohr“ den Kontakt zur Bevölkerung sucht und vor allem findet.

Er wird dabei nicht allein mit polizeispezifischen Dingen konfrontiert, sondern die Leute suchen auch im privaten Bereich seinen Rat. „Man kann ihm alles erzählen“, lautet die Formel. Dieses Vertrauen ehrt den Beamten.

„Die Ehefrau ist mit im Dienst“, wird Marie-Luise Köhler daheim oder an ihrer Arbeitsstelle aufgesucht, wenn ihr Gatte gefragt, aber nicht zu erreichen ist. Gemeinsam haben die Eheleute auch damit begonnen, sich auf seinen Ruhestand vorzubereiten.

Dazu bot die GdP sogar ein Seminar an, das beiden wertvolle Aufschlüsse lieferte. „Zurzeit überwiegt das Gefühl der Freude, die Sache gut zu Ende gebracht zu haben“, blickt Robert Köhler auf ein erfülltes Leben als Sheriff zurück, das weder mit Leichen noch anderen Kapitalverbrechen gepflastert war.

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