„Der Herr Jedönsrat“ als Brückenbauer zwischen Linnich und Aldenhoven

Von: Hilde Viehöfer-Emde
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Der Herr Jedönsrat brachte sein Publikum zum Schmunzeln. Foto: Wolfgang Emde

Linnich. Im Rahmen des Linnicher Kultursommers wurde den zahlreich erschienenen Gästen im Gemeindesaal der Pfarre St. Martin in Linnich ein amüsanter Abend geboten. Karl Heinz Schumacher aus Aldenhoven, alias Herr Jedönsrat, ist bekannt durch seine wöchentliche Kolumne in unserer Zeitung, die er in schönstem Plattdeutsch schreibt.

Sein Platt ist der Regiolektsprache angepasst, so dass eigentlich viele Menschen sie verstehen müssten. Aber auch das ist wie so vieles im Leben gar nicht so einfach. Zwischen dem Aldenhovener und dem Linnicher Dialekt allein liegen nicht nur wenige Kilometer, sondern sprachliche Welten. Dem Charme des Vortrages von Karl Heinz Schumacher gelang es, diese Welten zu überbrücken und allen Zuhörern im Saal viel Vergnügen zu bereiten.

Unter dem Motto „Hüüer mich jo op“ bot er Amüsantes aus dem Alltagsleben der letzten Jahrzehnte. Manch alter Witz bekam durch seine Aufbereitung als Verzällchen neues Leben und neue Perspektive. Immer wieder stellte sich die Frage, ob die Mundart-Episoden wahr oder erfunden waren. Letztendlich konnte diese Frage nicht endgültig geklärt werden. Vermutungen dazu blieben jedem Einzelnen überlassen.

Histörchen und Anekdoten aus der mittelrheinischen Tiefebene kamen in der Lesung zu Gehör. Sie waren aus dem Leben gegriffen und entbehrten nicht einer gewissen Deftigkeit und Deutlichkeit. Aber das gerade machte sie lebendig und authentisch.

Rollenverteilung zwischen Mann und Frau bot eine unerschöpfliche Vielfalt an Themen. Auch die Märchenwelt ließ grüßen, denn anders als bei Grimm und Co konnte hier der arme kastrierte Kater nach seiner Verwandlung in einen Prinzen den Ansprüchen der Wünscherin nicht mehr genügen. Auch das Alte Testament musste mit der Schöpfungsgeschichte herhalten, um den Problemen der Vertreibung aus dem Paradies endlich auf den Grund zu gehen.

Köstlich war die Episode, die den Kirchberger durch einen Gewinn bei einem Preisrätsel nach Paris schickte. Er schilderte eindringlich die Vorbereitungen zu einem erotischen Abenteuer in der Stadt der Liebe. Auf die neugierigen Nachfragen seiner Kumpel konnte er nur antworten „… un dann wor alles genauesu wie in Kirchberg“. Beeindruckend war auch die Schilderung des eingelösten Geschenkgutscheins für eine Thai-Massage, die etwas anders verlief als erwartet.

Gewisse Nostalgie kam auf, als der Herr Jedönsrat von guten alten Zeiten berichtete, als es in jedem Ort nur wenige Telefone gab. Der Anruf des Knechtes bei seinem in Kur weilenden Bauern in Umkehrung von Ursache und Wirkung entbehrte nichts von ureigenster Komik der alten Geschichten. Auch die Schilderung des feuchtfröhlichen Brauchtums des Maibaum-Aufstellens war realitätsnah geschildert.

Sogar die Erinnerung an das gute alte Haus Hesselmann, das in Jülich einmal großer Anziehungspunkt für die Region war, blühte auf. Das Verzällchen um den Witz mit den beiden angeblichen Blinden, die ihre Hunde mitnehmen wollten, weckte liebevolle Erinnerungen an das Traditionshaus in Jülich, das immer noch schmerzlich vermisst wird.

Geschichten aus Vergangenheit und Gegenwart, bodenständig und nah den Menschen beobachtet und erzählt – das ist der Stoff, den Karl Heinz Schumacher nutzt, um auf seine Weise, mit einer guten Portion Humor und Ironie gemixt, einen Abend voller Verzällchen und Episödchen auf Plattdeutsch zu präsentieren.

Sein Publikum dankte mit herzlichem Applaus.

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