Der Harlekin mit der Samba-Trommel

Von: Kr.
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Als Zeremonienmeister mischt Frank Müller bei den Sitzungen des KG Ulk auf der Bühne kräftig mit. Foto: Król

Jülich. Elegant ausstaffiert, mit langem Brokatrock, Kniebundhose, weißem Spitzenjabot, weißer Perücke und dem Zeremonienstab, so geleitete der Zeremonienmeister der Karnevalsgesellschaft Ulk in früheren Jahren die Künstler bei der großen Karnevalssitzung auf die Bühne, und so ist es auch bei allen anderen Gesellschaften üblich.

Würdevoll war sein Auftreten und diskret hielt er sich im Hintergrund. Vor mehr als 100 Jahren, in den Anfangszeiten der Gesellschaft, war er sogar als Respektsperson angesehen. Er hatte über Sitte und Anstand zu wachen, stand bei Bällen am Eingang und von seinem Wohl und Wehe hing es ab, welchen Gästen Eintritt gewährt wurde.

Bei den Prunksitzungen sorgte er für Ruhe im Saal, verwies geschwätzige Zuschauer in die Schranken, achtet allerdings auch darauf, dass die Büttenreden zotenfrei blieben. So soll es beim Ulk schon vorgekommen sein, dass der Zeremonienmeister neben den Büttenredner trat, mit seinem Stab dreimal auf den Boden klopfte und damit den Auftritt für beendet erklärte.

Heinz Gert Bücher kann von dieser Anekdote berichten. Er geht nicht nur seit 28 Jahren für seine KG in die Bütt, sondern setzt sich auch mit ihrer Geschichte auseinander. So berichtet er von Fritz Mattonett, der bei der Gründung der KG 1902 als Zeremonienmeister eingesetzt wurde. Er brachte die nötige Erfahrung mit, denn zuvor hatte er dieses Amt schon 18 Jahre bei der KG Allemallich ausgeübt, aus der später der Ulk erwuchs. Nach insgesamt 50 Jahren in dieser Funktion gab er 1935 den Stab an seinem Sohn Matthias weiter, der 25 Jahre über Sitte und Anstand beim Ulk wachte.

Festliches Ornat

Es folgten eine Reihe anderer, doch seit etlichen Jahren hat sich das Auftreten ihres Zeremonienmeisters vollkommen gewandelt. In vergangenen Zeiten hätte Frank Müller dieses Amt kaum übernommen. Zwar trug auch er in den ersten Amtsjahren das festliche Ornat, doch als der Kleine Rat der KG einstimmig beschloss, Brokat und Spitzen abzuschaffen und ihren Zeremonienmeister lieber in das Kostüm des Ulks, dem Wahrzeichen der KG, zu stecken, kam ihm das sehr entgegen. Seither hüpft der 47-jährige Familienvater, Sportler, Lebenskünstler und leidenschaftlicher Tänzer in einem rot-weiß gemusterten Harlekinkostüm durch den Saal und zeigt während der einzelnen Darbietungen der Künstler ebenfalls Bühnenpräsens. Unermüdlich wirbelt er über die Bühne, unterstreicht die Pointen der Büttenreden mit entsprechenden Gesten, tanzt, wiegt sich und spornt die Künstler zu Höchstleistungen an.

„Es hat sich einfach so entwickelt. Ich feiere und tanze gerne. Der Ulk ist eine Karnevalsgesellschaft. Wir sehen uns als große Familie, und die Bühne ist mein Wohnzimmer”, erklärt Müller. Für die Herren am Elferratstisch waren seine ersten Auftritte allerdings gewöhnungsbedürftig. Der eine oder andere, so Müller, habe schon die Gesichtsfarbe gewechselt. Doch mittlerweile haben sie sich daran gewöhnt, nehmen es mit Humor, ja finden es sogar gut.

So sieht sich der Zeremonienmeister inzwischen auch als Bindeglied zwischen den Menschen auf der Bühne und jenen im Saal. Die Zuschauer spricht er an und animiniert sie zum Mitmachen. Für manche Künstler war er ebenfalls gewöhnungsbedürftig, doch meistens erntet Müller auch von ihnen viel Lob. „So Ôwas wie dich hab ich noch nicht erlebt”, heißt es oft und manchmal wird er auch der „jecke Zeremonienmeister” vom Ulk genannt.

Gute Kondition

Vorbereiten kann sich Müller allerdings auf seinen Auftritt nicht. Beim Ulk hält der Literat das Programm stets bis zur Sitzung geheim. „Das kommt vom Herzen. Da ist nichts geplant”, erklärt er. Zum Glück verfügt der begeisterter Sportler über eine gute Kondition. Die ist bei seinem fünfstündigen Non-Stop-Programm auch notwendig. Als Vollblutkarnevalist ist Frank Müller darüber hinaus im Festausschuss Jülicher Kengerzoch aktiv und trommelt mit Begeisterung in der Sambatruppe „Tambour Axe” und hat früher im Herrenballett der KG mitgetanzt.
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