Der chromosomal unsterbliche Rheinländer

Von: ptj
Letzte Aktualisierung:
Mit frappierender GestiK und M
Mit frappierender GestiK und Mimik zeichnet Konrad Beikircher seit Jahrzehnetr ein liebevolles Porträt des Foto: Jagodzinska

Jülich. Mit dem elften Teil seiner „rheinischen Trilogie” hielt der Südtiroler Konrad Beikircher etwa 300 Zuschauer unter dem Zelt der Hauptbühne im Brückenkopfpark bei bester Laune.

Seit 21 Jahren ist der Mittsechziger nun für das „Rheinische Missionswerk tätig”, und das mit Begeisterung. „Schön ist es auch anderswo...und hier bin ich sowieso” hat Beikircher sein neues Kabarett-Programm genannt - nach Wilhelm Busch, obwohl es bei diesem „ja ohne Tote nicht abgeht”.

Einmal mehr gelang es dem charmanten Kabarettisten, liebevoll überspitzt Sprache, Mentalität und schließlich den Glauben des Rheinländers zu hinterfragen, und dabei scheinbar immer weiter den roten Faden zu verlieren. „Wie isser denn so, der Rheinländer?”, werde der Südtiroler häufig von Journalisten gefragt.

Beikircher, der sich als „Immi prädestiniert dazu fühlt, Dinge zu benennen”, weiß die Antwort: „Ein Kosmos, wo die Universalgesetze alle aufgehoben sind”. Im Rheinland hat er gelernt, „rheinischen Widerstand zu leisten. Man kann als Mann überleben”, lautet seine rheinische Botschaft an die Welt. Das erläutert er an Lachmuskel strapazierenden Beispielen aus seiner Ehe: „Wenn das Festkomitee (seine Frau) in der Tür steht und den Tagesbefehl ausgibt, dann ist Alarmstufe Rot angesagt”.

Beikircher erzählt, wie ein Samstagvormittag mit seinen drei Kindern „in Bonn auf dem Markt aus dem Ruder läuft”, nennt den geeigneten Wickelort am Bonner Rathaus und kommt dabei immer wieder mit köstlichen Beispielen auf den Rheinländer zurück, der „so leicht nicht in Verlegenheit kommt”. Dabei äußert er sich respektvoll gegenüber dem Dialekt als „intimster Sprachform, die du haben kannst” - und geht ins Detail: „Ich spreche nicht Dialekt, ich bin hier nicht aufgewachsen”. Er ist aber „musikalisch, das muss man sein, um andere Sprachen zu sprechen. Wenn es in den Aachener Raum rein geht, sowieso”. Der dreisprachig aufgewachsene ehemalige „Zücholore” (Psychologe) kennt sich aus: Beginnend beim deutsch sprechenden Italiener macht er einen Exkurs in „Basiszeitwortkonjugationen”, beschäftigt sich mit dem „starken Konjunktiv II” und landet schließlich beim zweivokaligen Ei.

Wie dieses Ei vom Hanseaten über den Würzburger und Schwaben „durch die deutsche Kulturlandschaft kullert und an unglaublichen Schattierungen und Farbwechseln gewinnt”, gestaltet sich genauso lustig wie zeitraubend. Nach einem gefühlt einstündigen Ei-Exkurs kommt Beikircher nach der Pause auf die drei Wörter zu sprechen, die nur der Rheinländer gebraucht, um seine Begeisterung auszudrücken: „Könnt ich nit”. Der Kabarettist hinterfragt geeignete Wochentage, etwa für „ne Schlacht” oder „Kaisersalbung”, stellt fest, dass der „Rheinländer eher vor Kleinigkeiten erschrickt und nur wegfährt, um zurückkehren zu können”. Was ist rheinische Zuversicht? „Die hat ihre Wurzeln im Glauben, aber an Meisner vorbei. Chromosomal weiß der Rheinländer, dass sein Leben nicht vorbei ist”. Vor der Pause mit Verkauf und Signierstunde wies Beikircher auf ein gemeinnütziges Projekt in Afrika hin, das ausschließlich mit rheinischen Mitteln finanziert werde. Zu dem achtköpfigen Team, das wie er mit der Sammelbüchse umhergeht, zähle neben ihm unter anderem auch BAP-Frontmann Wolfgang Nideggen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert