Der Bauchplatscher des Bad-Coups

Von: Otto Jonel
Letzte Aktualisierung:
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Die Zukunft des Hallenbads sieht so aus. Einen Neubau, wie in der Ratssitzung von der CDU gefordert, wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Foto: Jonel

Linnich. Die letzte Ratssitzung eines Jahres ist in der Regel von der Bemühung um Harmonie geprägt. Davon konnte Linnicher Rathaus nur bedingt die Rede sein. Die Zusammenkunft des höchsten politischen Gremiums begann mit einem Massenauszug.

SPD, Grüne und FDP verließen geschlossen den Ratssaal. Sie wollten keinen Vortrag über den Neubau des Hallenbades hören.

Die Protestreaktion hatte eine kurze Vorgeschichte. In einer Tischvorlage hatte die CDU beantragt, die Vorstellung „eines PPP-Projektes zur Errichtung und Betreibung eines neuen Hallenbades” als Punkt auf die Tagesordnung des Rates zu setzen. Erst vor Wochenfrist hatte CDU-Fraktionschef Hans-Willi Dohmen, von dem die Initiative zu der überraschenden Entwicklung ausgegangen war, angedeutet, dass an einem solchen Projekt gefeilt würde.

FDP-Fraktionschef Dr. Klaus Selter sprach aus, was die Mehrheit im Rat erzürnte. Er wolle sich nicht mit etwas befassen, von dem er erst 24 Stunden zuvor „per E-Mail” Kenntnis erhalten habe. Da ein Neubau „für uns derzeit nicht in Frage kommt”, lehne er eine Behandlung des CDU-Antrags im Rat ab. Dieser Meinung schlossen sich SPD, Grüne und weitgehend die PKL an. Lediglich Mark Dremel (PKL) enthielt sich der Stimme.

Den Auszug aus dem Rat bewirkte letztlich Bürgermeister Wolfgang Witkopp. Er erklärte den Vortrag der Projektplaner zur Mitteilung, „weil ich diese Information für so wichtig halte, dass ich sie allen zugänglich machen möchte”. Diesen „Affront gegenüber der Mehrheit der Ratsmitglieder” (Cato Hilfert, Bündnisgrüne) quittierte diese mit dem Gang „vor die Tür”.

Und so erlebten lediglich die CDU-Fraktion, der überwiegende Teil der PKL-Fraktion und die Zuhörer auf den Besucherplätzen die Vorstellung der Projektpartner, dem international tätigen Unternehmen Pellikaan aus Tilburg/NL, der Firma s.a.b. GmbH aus Friedrichshafen am Bodensee, des Architekten Ulrich Hinrichsmeyer aus Düsseldorf und des Rechtsanwaltes Paul Milde von der Kanzlei Wolter-Hoppenberg aus Hamm.

Beachtliche Referenzen

Bernard Hardick von Pellikaan verwies auf eine respektable Leistungsbilanz seines seit Jahrzehnten bestehenden Unternehmens, das auf eine beachtliche Reihe von Referenzobjekten blicken kann. Gemeinsam mit s.a.b. in Arbeit ist die Umsetzung einer spektakulären Hallenbad-/Hotelkonzeption für Winterberg im Sauerland, das sich touristisch auch auf Sommer einstellen möchte. „Sie hätten es mit Profis aus dem Schwimmbadwesen zu tun haben können”, bemerkte Hardick süffisant mit Blick auf die leeren Ratsränge.

In den letzten drei Wochen hatten die Profis eine Lösung für Linnich ausgedacht: Ein kompaktes Hallenbad für kommunale Bedürfnisse mit 25-Meter-Sportbecken, Kinderbecken und erforderlicher Infrastruktur. „Jegliches Risiko läge bei s.a.b..” Mit der Stadt würde man einen Erbpachtvertrag über 30 Jahre und einen Mietvertrag abschließen. Die Stadt müsste allerdings auch den Abriss des alten Hallenbades besorgen.

Vage angedeutet wurde besagte Miete mit dem Hinweis auf laufende Kosten von 200.000 bis 300.000 Euro pro Jahr. Ein Summen, die Dr. Peter Friedrich, Vorsitzender der Fördervereins Hallenbad, als zu niedrig angesetzt befand. Aber Miete ist kein Thema. Die Stadt bleibt Eigentümer und wird nun das Sanierungskonzept angehen.
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