Jülich - Der Bagger nagt an Gut Wilhelmshöhe

Der Bagger nagt an Gut Wilhelmshöhe

Von: hfs.
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Steht vor dem Abriss: Gut Wilhelmshöhe wird in den kommenden Tagen abgerissen. Was aus dem großen Grundbesitz wird, steht allerdings noch nicht fest. Foto: hfs.

Jülich. Wenn die Mauern erzählen könnten, dann stünden garantiert jetzt nicht die Bagger vor dem alten Gut Wilhelmshöhe in Lich-Steinstraß. Doch die Tage des Gutes sind gezählt; ein holländisches Fachunternehmen hat damit begonnen, die alte Hofanlage dem Erdboden gleich zu machen.

Es müssen rauschende Feste gewesen sein, die um die Jahrhundertwende auf Gut Wilhelmshöhe stattgefunden haben. Wenn schon Besucher wie der damalige Kaiser Wilhelm II. begrüßt wurden, dann fanden auch andere illustre Gäste den Weg auf das herrschaftliche Gut, das schon damals eine Kegelbahn im Innenhof hatte.

Wann Gut Wilhelmshöhe gebaut wurde, lässt sich nicht mehr genau zurück verfolgen. Fest steht, dass mit Heirat von Josef Schmitz im Jahre 1922 das Gut auch in dessen Besitz überging, der dort bis zu seinem Tode am 20. Januar 2006 wohnte.

Schmitz wurde als Förderer der Fachhochschul-Abteilung Jülich bekannt. Denn ihm hat es die Jülicher Studentenschaft zu verdanken, dass es zu den zahlreichen Neubauten gleich neben dem Gut gekommen ist.

In langen Verhandlungen, so der damalige Rektor der FH Jülich, Hermann-Josef Buchkremer, anlässlich der Grundsteinlegung zum Neubau, wurde er sich mit dem Besitzer einig. „Josef Schmitz war ein Mann, der den Blick in die Zukunft gerichtet hat”, meinte Buchkremer damals.

Gut Wilhelmshöhe war von jeher für das Jülicher Bürgertum eine bekannte Begegnungsstätte und besonders für den sommerlichen Ausflug ein lohnendes Ziel. Man wanderte aus der Innenstadt durch Felder auf die Anhöhe und konnte bei guter Sicht bis in das Kölner Land schauen, zu dem, wie es in der Sammlung Joseph Kuhl heißt, „schon immer ein besonderes Verhältnis bestand. Geprägt von Zuneigung und Unterstützung wie auch von Abneigung”.

Gut Wilhelmshöhe wurde aber bereits sehr viel früher, vermutlich aus klimatischen Gründen, von den früheren Herzögen bevorzugt. Sie bauten dort einen Teepavillon. Ende des 19. Jahrhunderts befand sich auf der Höhe eine Kegelbahn mit Ausschank.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde Gut Wilhelmshöhe nur teilweise in Mitleidenschaft gezogen, schnell baute Josef Schmitz alles wieder auf. So fand Jülichs Geistlichkeit in den ersten Nachkriegsjahren dort ebenso eine Bleibe wie der spätere Landrat Wilhelm Johnen.

Neben dem bäuerlichen Erwerbsbetrieb unterhielt Schmitz auch eine gut gehende Gaststätte, die von der Jülicher Bevölkerung angenommen wurde. Irgendwann wurde diese allerdings aufgegeben. Aus Alters- und Gesundheitsgründen stellte Josef Schmitz Ende der 1990er Jahre den bäuerlichen Erwerbsbetrieb ein. Um die Jahrtausendwende zerschlugen sich Pläne, aus Gut Wilhelmshöhe eine Seniorenresidenz zu machen.

Nach dem Tode von Josef Schmitz 2006 wurde das rund 8500 Quadratmeter große Areal an einen Investor aus Würselen veräußert. Seine Pläne, das Gut in Eigentumswohnungen umzuwandeln, wurden von der Stadt Jülich nicht genehmigt.

Durch Leerstand gelitten

Danach erwarb ein türkischer Kaufmann den Besitz, der nun die Gebäude abbrechen lässt: Die Bausubstanz hat durch den jahrelangen Leerstand gelitten. Drei Gutachter kamen übereinstimmend zu der Auffassung, dass ein Abriss günstiger sei als eine Sanierung. Für rund 170.000 Euro schleift eine holländische Abbruchfirma nun das Gut.

Die Absicht, mit diesen Arbeiten schon am Montag dieser Woche zu beginnen, vereitelte die deutsche Polizei. Der Spezialtransporter, auf dem die Holländer zwei Bagger transportierten, wurde aus dem Verkehr gezogen. Die Geräte auf dem Tieflader waren nicht ordnungsgemäß gesichert, zudem stellte sich bei der Überprüfung heraus, dass der Fahrer nicht die erforderliche Erlaubnis besaß, einen solchen Spezialtransporter zu führen.

Nachdem in den letzten Tagen bereits alles Verwertbare wie alte Innen- und Außentüren, Metallträger oder Holzbalken entfernt worden sind, wird das übrige Gemäuer zerkleinert - mit einigem Aufwand. Gerade das Kellergewölbe hat bis zu einen Meter dicke Grundmauern, weshalb dort im Zweiten Weltkrieg viele Menschen vor den anfliegenden Bomberverbänden der Alliierten Schutz suchten.
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