Der Atommüll bleibt wohl in Jülich

Von: Johannes Nitschmann und René Benden
Letzte Aktualisierung:
Jülich Castor atom
Das Modell einer Graphitkugel zeigt der Leiter des Bereiches Nuklear-Service im Forschungs-Zentrum Jülich, Rudolf Printz. Foto: dpa

Düsseldorf/Jülich. Die nordrhein-westfälische Landesregierung sieht offenbar wachsende Chancen, die umstrittenen Atommülltransporte vom Forschungszentrum Jülich (FZJ) in das Zwischenlager Ahaus abzuwenden.

NRW-Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (SPD) erklärte am Montag in Düsseldorf, derzeit sei eine interministerielle Arbeitsgruppe der Landesregierung beauftragt, „das gesamte Verfahren zu überarbeiten” und alternative Konzepte zu dem Castoren-Transport durch das Ruhrgebiet ins Münsterland zu entwickeln.

Die jüngsten Äußerungen von Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) zu einem möglichen Verbleib der 152 Castor-Behälter mit hochradioaktiven Brennelementekugeln in einem in Jülich zu errichtenden Zwischenlager eröffneten „neue Möglichkeiten” erklärte Voigtsberger. „Das ist erst mal schön, aber viel mehr auch nicht.” Jetzt müsse diese Bereitschaft von Schavan gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium und dem Bundesamt für Strahlenschutz in „formelle Kanäle” gebracht werden.

Die NRW-Landesregierung werde das Gespräch mit der Bundesforschungsministerin suchen und alternative Vorstellungen zu den Atomtransporten entwickeln, kündigte Voigtsberger an. Er gehe davon aus, dass der FZJ-Aufsichtsrat seine Entscheidung überprüfen werde, einen Transportantrag für die 152 Castor-Behälter nach Ahaus zu stellen. „Das muss nun wieder auf die Tagesordnung”, sagte der Wirtschaftsminister. Derzeit sei die Landesregierung auf Arbeitsebene dabei, die Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Im November des vergangnenen Jahres hatte der Aufsichtsrat beschlossen, dass die Jülicher Castoren nach Ahaus transportiert werden sollten. Für das Renommee des Forschungszentrums Jülich sei dies eine zukunftsweisende Entscheidung, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Karl Eugen Huthmacher damals. „Wir wollen hier um die besten Köpfe der Welt konkurrieren. Und deshalb soll das Forschungszentrum Brennelementefrei werden”, sagte er.

Doch inzwischen sieht es nicht mehr danach aus, als würden sich die 152 Castorbehälter in absehbarer Zeit aus Jülich fortbewegen. Bundesforschungsministerin Schavan hatte in den letzten Tagen überraschend ihr Entgegenkommen signalisiert und dies an Bedingungen geknüpft: „Wer den Sicherheitsanforderungen gerecht werden will, muss ein neues Zwischenlager bauen und erklären, was in der Zwischenzeit geschehen soll.” Die Genehmigung zur Zwischenlagerung der Castor-Behälter am Standort Jülich läuft Mitte 2013 aus.
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