Inden - Der Asylkreis Inden sucht Herbergen per Adventskalender

Der Asylkreis Inden sucht Herbergen per Adventskalender

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
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An drei Tagen hat Melanie Fredel (rechts) Flüchtlinge in Inden fotografiert, die wie Israa und Mohamed Al Khaled und ihre zwei Töchter eine Wohnung suchen. Foto: Jansen
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Karoline Pinkert (links) und Reiner Lövenich (rechts) vom Asylkreis Inden gehören zu den Initiatoren der Adventskalender-Aktion. Foto: Jansen

Inden. Herberge gesucht. Das Thema spielt in der Weihnachtsgeschichte eine wichtige Rolle. Und es ist heute die Lebenswirklichkeit für viele Menschen, hier, in einem der reichsten Länder der Welt. Das soll kein vom Weltschmerz getränktes Wehklagen sein, sondern eine Beschreibung.

Besonders schwierig ist die Suche nach einer Herberge in der Gemeinde Inden, einer Kommune, die in vielerlei Hinsicht ein Härtefall ist.

Und deswegen startet der Asylkreis Inden eine Aktion nach dem Motto „Herberge gesucht“. Mit einem Fotokalender, der im Internet auf der Seite des Asylkreises zu sehen sein soll, werden 71 anerkannte Flüchtlinge vorgestellt, die eine Wohnung suchen.

Inden ist ein Härtefall, weil der Tagebau den größten Teil der Fläche auffrisst. Fläche, auf der Menschen früher gelebt haben oder in Zukunft hätten leben können. Positiv für Inden ist, dass die Gemeinde für Neuansiedlungen beliebt ist. Die Grundstücke in den großen Baugebieten Gut Mül­lenark in Schophoven und die Waagmühle in Inden/Altdorf werden schnell verkauft.

Die Nachfrage ist also hoch, das Angebot wird mit dem Volllaufen der Baugebiete kleiner. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass freier Wohnraum in der Gemeinde selten geworden ist. Und die Preise steigen. Sie erreichen dabei mitunter ein Niveau, das das übersteigt, was die Jobcom für eine Flüchtlingsfamilie übernimmt. „Für uns ist das ein großes Problem“, sagt Reiner Lövenich vom Asylkreis Inden.

Das Asylkreis-Team um Lövenich und Karoline Pinkert kämpft seit Jahren dafür, angemessenen Wohnraum für Flüchtlinge zu finden. „Wir haben rund 170 Menschen, die wir betreuen. 71 davon sind anerkannte Flüchtlinge“, sagen Pinkert und Lövenich.

Anerkannt bedeutet aber seit dem vergangenen Jahr, dass die Flüchtlinge in der Kommune bleiben müssen, der sie zugewiesen sind, für drei Jahre. So soll verhindert werden, dass es einen Zuzug in Richtung der größeren Städte gibt. Der war vor der Einführung der Zuweisung im Sommer 2016 ein Problem für die Großstädte.

Situation besonders schwierig

Deswegen setzen die Initiatoren von „Herberge gesucht“, zu denen auch der evangelische Pfarrer Daniel Müller-Thor gehört, ihre Hoffnung darin, für die anerkannten Flüchtlinge mit Wohnsitzauflage eine Privatwohnung in der Gemeinde Inden zu finden. „Wir sind uns sicher, dass es Häuser gibt, in denen noch eine Etage frei ist. Beispielsweise, weil die Kinder ausgezogen sind“, erklärt Lövenich. „Das käme uns sehr entgegen“, sagt die Indener Sozialamtsleiterin Gisela Wacker. „Wir hätten dann wieder mehr Kapazitäten in unseren Unterbringungsmöglichkeiten“, sagt Wacker, die mittelfristig ohnehin mit weiteren Zuweisungen für Inden und damit neuem Platzbedarf rechnet.

Unterstützt wird die Idee des Asylkreises von der Dürener Fotografin Melanie Fredel. Sie hat nach der Anfrage des Asylkreises abgewogen, ob sie das Projekt trotz des Terminstresses in der Vorweihnachtszeit angehen kann. „Dann habe ich mir gedacht: Wenn nicht vor Weihnachten, wann dann?“, erklärte sie ihre Entscheidung. Auf ein Honorar verzichtet sie. „Ich weiß nicht, ob den Leuten bewusst ist, dass es hier bei uns Menschen gibt, die in einer solchen Situation stecken“, erklärt sie. Und in Inden sei die Situation besonders schwierig, weil es weniger Wohnraum gibt.

Die anerkannten und die nicht anerkannten Flüchtlinge werden derzeit allesamt untergebracht in dem der Gemeinde Inden zur Verfügung stehenden, zu Neige gehenden Wohnraum in den Mobilheimen, angemieteten Wohnungen und dem großen doppelstöckigen Container in Inden/Altdorf. „Der Container darf auch keine Lösung auf Dauer sein. Eigentlich geht das schon viel zu lange“, sagt Lövenich. Die Sorge, dass dort, wo alleinstehende Männer untergebracht sind, eine Art Parallelwelt entsteht, ist da.

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