Jülich - Der Abschied der Kernphysiker aus Jülich steht bevor

Der Abschied der Kernphysiker aus Jülich steht bevor

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Raimund Tölle (links) und Ralf Gebel vom Institut für Kernphysik arbeiten an einem Teilchenbeschleuniger, der in Darmstadt entsteht. Foto: Jansen

Jülich. Seit dem 13. März wissen 120 Jülicher Kernphysiker, dass ein Großteil von ihnen keine Zukunft im Forschungszentrum (FZJ) hat. In einem Interview mit unserer Zeitung sprach Prof. Wolfgang Marquardt, der Vorstandsvorsitzende des FZJ, von einer Neuausrichtung der Großforschungseinrichtung.

Und dabei sollen die Teilchenphysik und die Fusionsforschung „nachrangig betrachtet“ werden. Beide Bereiche seien qualitativ weiter gut aufgestellt, erklärte Marquardt, würden aber nicht mehr in ein FZJ passen, dass seine Kompetenzen bündeln will. „Bisher hatten wir nur Gerüchte darüber gehört, dass die Kernphysik kein Schwerpunkt mehr sein soll“, sagt Raimund Tölle vom Institut für Kernphysik. „Dieses Interview hatte eine neue Qualität, weil es da zum ersten Mal so konkret zu lesen war.“

Tölle und der kommissarische Institutsleiter Dr. Ralf Gebel machen keinen Hehl daraus, dass Mitarbeiter ob dieser Entscheidung enttäuscht sind, weil einer der wissenschaftlichen Leuchttürme des Forschungszentrums abgeschaltet wird. Beispielsweise waren es Jülicher Kernphysiker, die Mitte der 90er Jahre weltweit erstmals Anti-Wasserstoff-Atome herstellen konnten.

Auf Jülich gebaut

Einen Teil der Mitarbeite treffe diese Entscheidung hart, die bedeutet, dass sie Jülich mittelfristig verlassen müssen. „Viele hatten keine Pläne, hier wegzugehen. Sie haben ihren Lebensmittelpunkt hier gesehen. Sie haben hier über 10 oder 20 Jahre etwas aufgebaut“, schildert Gebel. Die Tatsache, dass die Ressourcen zur Forschung in Jülich auch heute noch „recht einmalig“ seien, habe viele der Forscher darin bestärkt, auf Jülich zu bauen.

Diese Ressourcen und das vor Ort vorhandene Wissen sind sicher auch zwei der Gründe, warum der HESR-Teilchenbeschleuniger in Darmstadt nach Jülicher Plänen gebaut und von Jülicher Forschern installiert und später auch betrieben wird. „Diese Kompetenz wird dann nicht mehr unter dem Namen Jülich leuchten“, sagt Tölle. Die Enttäuschung darüber schwingt mit, an Motivation mangele es den Jülicher Kernphysikern aber nicht. „Der HESR ist eine große Aufgabe.

Viele Mitarbeiter ziehen ihre Motivation daraus“, erklärt Gebel. Zudem biete Darmstadt einem Teil der Jülicher Kernphysiker eine neue Perspektive. „Und vielleicht ist es auch möglich, von hier aus für Darmstadt zu arbeiten“, stellt Gebel in den Raum. „Die Ressourcen hier vor Ort sind so stark, dass man das sicher weiter nutzen kann.“

Problematisch sei das Auslaufen der Kernphysik in Jülich vor dem Hintergrund der Zeitschiene für Darmstadt. Bei dem 64 Millionen Euro teuren Projekt haben die Jülicher Kernphysiker den Hut auf, sie sind dafür verantwortlich, das Budget und den Zeitplan einzuhalten. Vermutlich ab 2021 können die Jülicher Experten mit der Installation des Teilchenbeschleunigers in Darmstadt beginnen. „Da entsteht ein Konflikt, weil wir für Darmstadt eigentlich wenigstens mittelfristig Personal hier binden müssten“, erklärt Gebel. Die Stärke der Expertise vor Ort stimme ihn aber zuversichtlich, dass zumindest für die nächsten zwei bis vier Jahre noch eine Perspektive im FZJ gegeben sei.

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