Denkmalschutz fürs Neue Rathaus gefordert

Von: Volker Uerlings
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Das Gebäudeensemble der Jülicher Verwaltung vom „Bautyp Kreishaus”. Außen markant und noch ansehnlich, die Mitarbeiter im Inneren wissen indes um den Sanierungsbedarf.

Jülich. Die Herzogstadt wird auf absehbare Zeit ein Dasein als arme Kirchenmaus zu fristen haben. Sie muss finanziell Enormes stemmen - bei sinkenden Einnahmen. Der Reichtum ist Geschichte - und zwar buchstäblich, denn Groß-Denkmäler wie die Zitadelle und der Brückenkopf sind nicht knapp.

Wenn es nach den Denkmalschützern des Landschaftsverbandes Rheinland geht, gesellt sich das Neue Rathaus dazu. Der Nachkriegs-Verwaltungsbau vom „Typ Kreishaus” soll in seiner „zeittypischen Schlichtheit” erhalten werden.

Der entsprechende Antrag des LVR-Amtes für Denkmalpflege liegt seit Anfang Juni in eben jenem Gemäuer vor, dessen Schutz beabsichtigt und dessen maroder Zustand unübersehbar ist.

Jüngst erst schlugen die Brandschützer Alarm, weil nach ihrer Ansicht Grundlegendes wie eine Rauchmeldeanlage fehle. Dabei läuft in Jülich eine Debatte, aus dem Verwaltungsbau mit alter Heizungsanlage, quasi null Dämmung, 60 Jahre alten Versorgungsleitungen und nicht mehr zeitgemäßer Aufteilung ein neuartiges Dienstleistungszentrum zu machen. Jetzt also auch noch Denkmalschutz.

Im Paket dürfte die neue Mehrheit im Stadtrat mit dem eigenen Zuhause die größte Aufgabe der nächsten fünf Jahre vor der Brust haben. Was auch immer getan wird: Es kostet zig Millionen Euro. In einer sehr groben Erstschätzung im Frühsommer nannte die Verwaltung eine Summe von neun Millionen Euro, die zur Sanierung des „alten Neuen Rathauses” notwendig wären. Der kurzfristig geforderte Brandschutz käme mit einer knappen Million Euro dazu.

Dieses Volumen verdeutlicht, warum sich die Politiker im Bauausschuss so schwer damit tun, vor einer Klärung, welche Form einer Verwaltung sie eigentlich wollen, noch viel Geld für in den Altbau zu stecken, um die Brandsicherheit zu gewährleisten. Sie werden aber wohl nicht drum herum kommen, weil der Bürgermeister sonst Teile des Baus schlicht schließen muss. Damit hat er gedroht. Heinrich Stommel meint es ernst.

Wie durch eine Fügung sehen sich die Damen und Herren im Rat nun mit einer Grundsatzentscheidung konfrontiert, die nicht nur den Sicherheitsaspekten, den Bau- und Betriebskosten, der Funktionalität, sondern eben auch die Historie gerecht wird.

Martin Schulz, Beigeordneter der Stadt, hält mit Blick auf den Denkmalschutz den Ball flach und sieht noch keine „beschlossene Sache”: „Wir müssen uns mit dem Antrag fachlich auseinandersetzen. Wir haben bekanntlich andere Pläne, aber es gibt möglicherweise Kompromisse.” Falls mit dem Denkmalschutz allerdings keine Einigung zu erzielen sein sollte, geht es darum, „wer hat die besten Argumente, und dann entscheidet Düsseldorf”. Also das Ministerium.
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