Jülich - Denkmalschützer legen Markt-Bewohnern die Daumenschrauben an

Denkmalschützer legen Markt-Bewohnern die Daumenschrauben an

Von: -ks-
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Die Denkmalpflege hat die Satellitenschüsseln am Westflügel des Jülicher Marktes „zum Abschuss” freigegeben. Foto: Wolters

Jülich. Das Thema Denkmalschutz der Westseite des Jülicher Marktplatzes ist für die Mitglieder des Ausschusses für Kultur, Integration und Soziales noch längst nicht „durch”.

Nach intensiver Debatte mit Oktavia Zanger vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege und dem Gutachter Dr. Marco Kieser (beide Landschaftsverband Rheinland) sowie Beigeordnetem Martin Schulz als „Untere Denkmalbehörde” wurde die Beschlussfassung vertagt. Es besteht noch Beratungsbedarf.

Zudem drängten Ausschussmitglieder sowohl die Verwaltung als auch die Fachleute des Landschaftsverbandes, mit dem Eigentümer des Wohn- und Geschäftshauses Markplatz 7-10 endlich eine gütliche Lösung zu finden. Dieser habe bislang, so Schulz, nicht den Eindruck erweckt, das Gebäude herrichten und die Fassade sanieren zu wollen. Möglicherweise würde er das Gebäude verkaufen. Schulz befürwortete ein weiteres Gespräch, wollte dem Ausschuss aber keine zu große Hoffnung auf Erfolg machen.

Über Sinn und Unsinn

Zuvor wurde intensiv über Unsinn und Sinn von Denkmalschutz für den nach dem Krieg errichteten Trakt debattiert. Gutachter Kieser betonte, dass das in Augen der Mandatsträger unansehnliche Gebäude ein unverfälschtes Zeugnis des Wiederaufbaus ist und auch aus architektonischen Gründen gerade in zentraler Lage am Markt erhalten bleiben muss.

Er bestritt, dass dies einer Enteignung des Besitzers gleich komme. In Abstimmung mit dem Denkmalschutz könne dieser sehr wohl Veränderungen bzw. Verbesserungen der Wohnqualität vornehmen, zum Beispiel die Sanitärbereiche der Wohnungen modernisieren, hierfür Fördermittel in Anspruch nehmen und eigene Investitionen von der Steuer absetzen.

Der Betroffene könne natürlich gegen eine Unterschutzstellung klagen. In der ersten Stufe würde aber lediglich geklärt, ob sich der Denkmalschutz bei Bewertung der Denkmalwürdigkeit getäuscht habe. In Stufe zwei ginge es um Fragen der Wirtschaftlichkeit und damit verbundene Beeinträchtigungen.

Zanger und Kieser machten aber unmissverständlich klar, dass ihrer Meinung nach der Komplex schutzwürdig ist und nach Rechtslage eine Ablehnung seitens der Ausschusses daran nichts ändert. Folgt die Stadt dem Votum der Fachleute nicht, würden die Aufsichtsbehörden bis hoch zum Ministerium eingeschaltet, hieß es.

Sprecher der Fraktionen machten dagegen deutlich, dass angesichts des Zustandes des Gebäudes diese Art von Denkmalschutz dem Normalbürger nicht erklärt werden könne. Dem hielten die Denkmalschützer entgegen, dass das eine grundsätzliche politische Debatte um die Sinnhaftigkeit der Gesetzeslage bedeute, die sicherlich Landessache sei. Klar wurde, dass eine gerichtliche Auseinandersetzung mit dem Eigentümer Sache der Verwaltung vor Ort, also der Unteren Denkmalbehörde, ist - und dies mit entsprechendem finanziellen Risiko.

Und es kam noch „dicker”. Die vom Ausschuss beklagte Vielfalt von Satellitenschüsseln an der Fassade wird nun das Bauordnungsamt auf Trab bringen müssen. Laut Zanger sind diese mit Blick auf die Denkmalbereichssatzung als „Schwarzbauten” zu werten, weil deren Installation nicht im Benehmen mit dem Denkmalschutz erfolgt ist. Das müssten auch die Handwerker wissen, meinte Zanger, und zielte damit nicht nur auf die Mieter und den Eigentümer.

Zanger folgerte gegenüber der Stadt daraus, dass nun doch klar sei, „was jetzt notwendig wäre”. Die Fachfrau betonte, dass die dort wohnenden „Bürger aus anderen Kulturkreisen” sehr wohl das Recht auf Empfang heimischer TV-Sender haben. Dies kann aus ihrer Sicht der Eigentümer durch Einrichtung einer zentralen und mit dem Denkmalschutz abzustimmenden Empfangsanlage lösen, womit die Vielfalt der „Schüsseln” entfiele.
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