Denis wurde für seinen Chef vom Flüchtling zum wichtigen Mitarbeiter

Von: Guido Jansen
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Nicht nur die Augen bewegen sich bei Denis Demirowski während der Arbeitszeit. Das sagt sein Chef über den neuen Auszubildenden, deswegen hat der Flüchtling aus Mazedonien eine Stelle im Unternehmen von Stefan Kieven gefunden. Foto: Guido Jansen

Jülich. Integration war nicht das, was Stefan Kieven im Sinn hatte. Kieven ist der Chef einer Firma für Haus- und Umwelttechnik, er hat 33 Angestellte. Und er war auf der Suche nach einem guten Lehrling. „Die sind schwer zu finden“, sagt Kieven. Vor allem im Handwerk. „Da fehlen die Leute, vor allem die, die bei der Stange bleiben.“ Auch an Eigenschaften wie Pünktlichkeit und einem freundlichen Auftreten hapere es oft.

Dass das Ergebnis seiner Suche jetzt auch als beispielhafte Geschichte dafür herhalten kann, wie Integration gelingt, freut Kieven. Forciert hat er das nicht. Trotzdem ist er Denis Demirowski begegnet, einem 20 Jahre alten Flüchtling aus Mazedonien. Seit zwei Jahren lebt er mit seiner Mutter in Jülich. Die Zeit in Deutschland wäre bald abgelaufen gewesen, Mazedonien gilt als sicheres Herkunftsland, die Demirowskis standen vor der Abschiebung.

Jetzt dürfen sie wenigstens noch dreieinhalb Jahre bleiben. So lange dauert die Ausbildung zum Anlagenmechaniker, die Demirowski bei Fubo-Therm in Welldorf macht.

„Ich mache das nicht, weil ich ein Gutmensch bin, sondern weil ich einen guten Mitarbeiter für mein Unternehmen gesucht habe“, stellt Kieven klar. Demirowski lächelt, als sein Chef diesen Satz sagt. Er spricht schon so gut Deutsch, dass er sich im Arbeitsalltag verständigen kann.

Noch viel besser aber versteht er das, was gesprochen wird. Aber das ist nur einer der Gründe, warum Kieven den 20-Jährigen in seiner Firma haben wollte, obwohl die behördlichen Hürden höher sind als bei einem Azubi, der einen deutschen Pass hat.

Papierkrieg

„Das klingt immer alles so toll und so einfach, wenn das Thema Integration in den Arbeitsmarkt angesprochen wird“, sagt Kieven. Es sei ein harter Papierkrieg, wenn man einen Flüchtling in einen Betrieb integrieren wolle. Ohne eine Mitarbeiterin, die dieses Feld für ihn bearbeitet, sei er mit dem Thema überfordert.

An seiner Überzeugung, dass sich der Papierkrieg lohnt, ändert das im Fall seines neuesten Azubis nichts.

Denis Demirowski hat sich empfohlen. Beispielsweise beim Welldorfer Ortsvorsteher Christian Klems. Der Mazedonier und zwei weitere Flüchtlinge haben vor eineinhalb Jahren freiwillig die Aufgabe übernommen, in Welldorf auf dem Friedhof und auch im Ort für Sauberkeit zu sorgen. Jeden Arbeitstag sei er mit dem Fahrrad angerückt, bei Wind und Wetter. „Die anderen Zwei sind irgendwann nicht mehr gekommen“, erinnert sich Klems, der Verständnis dafür hat, dass so lange Zeit Kehrdienst wohl nicht die Erfüllung ist.

Demirowski hat trotzdem durchgehalten. „Und man hat gemerkt, wie sein Deutsch von Tag zu Tag besser geworden ist“, sagt der Ortsvorsteher. Der Angesprochene lächelt, der Blick geht gen Boden, leise sagt er sowas wie „naja“.

Und weil Klems Zuverlässigkeit und Verständnis für das Gemeinwohl bei dem heute 20-Jährigen festgestellt hat, hat er ihn bei Kieven für ein Praktikum empfohlen. Es sollte eine Einstiegsqualifizierungsmaßnahme werden, ein Langzeitpraktikum also. „Das haben wir dann schnell wieder beendet, weil wir gemerkt haben, dass die Chemie stimmt“, sagt Kieven.

Keine Sonderbehandlung

„Bei Denis bewegen sich während der Arbeitszeit nicht nur die Augen“, sagt sein Chef und drückt damit aus, dass der Neue Arbeit erkennt. Wieder lächelt der Azubi. „Für mich ist das sehr positiv, dass ich die Stelle bekommen habe, weil der Chef in mir einen Mitarbeiter sieht und nicht einen Flüchtling“, erklärt Demirowski. Eine Sonderbehandlung will er nicht, eine Sonderbehandlung gibt es auch nicht.

Das erfüllt den Mazedonier mit Stolz. Und es beruhigt ihn. Die Heimat verlassen hätten seine Mutter und er damals, weil sie Angst vor Terror hatten und weil sie keine erstrebenswerte Perspektive auf dem Arbeitsmarkt gesehen hatten. „Dass ich jetzt die Ausbildung hier machen kann, ist für mich ein riesiger Schritt“, sagt der 20-Jährige.

Dass die Firma für ihn Deutschkurse organisiert, das sei keine Sonderbehandlung. „Das machen wir für alle Azubis, die Probleme mit ihren Schulnoten haben“, sagt Kieven und betont auch hier, dass er nicht nur das Wohl der Nachwuchskräfte im Blick habe. „Ich suche Leute, die auch nach der Ausbildung für mich arbeiten. Das ist der Sinn der Übung“, erklärt der Chef.

Die üblichen Azubi-Späße

Denis Demirowski sieht das genauso. Aber jetzt ist erstmal Ausbildung angesagt, mit allem, was ein Frischling durchmachen muss, inklusive solch unmöglicher Missionen wie ‚Gewichte für die Wasserwaage‘ oder ‚einen Eimer Watt‘ holen. Der 20-Jährige lächelt wieder. Er kennt solche Scherze, die sich die erfahreneren Kollegen gerne erlauben. Auch hier ist er ein Lehrling wie jeder andere.

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