Den nackten Fallzahlen ein Gesicht gegeben

Von: Antonius Wolters
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Die Spirale der häusliche Gewalt zu durchbrechen, ist der wichtigste Schritt zur Hilfe. Foto: imago-stock

Jülich. „Frei sein! Wege aus häuslicher Gewalt“ ist der Jahresbericht 2012 des Vereins „Frauen helfen Frauen“ überschrieben, den die Beratungsstelle für Frauen und Mädchen vorgelegt hat. Darin sollen Leserinnen und Leser weniger mit Zahlen und Statistiken bombardiert werden, wichtiger ist es den Autorinnen, den von Gewalt betroffenen Frauen Raum zu geben, die hinter solchen Statistiken stehen.

Zudem wurde dieses Schwerpunktthema gewählt, weil 2012 das so genannte Gewaltschutzgesetz in NRW, das die Polizeieinsätze bei häuslicher Gewalt neu geregelt hat, zehn Jahre alt geworden ist.

Das Gesetz sorgt dafür, dass Frauen nach erlebter Gewalt in ihrer gewohnten Umgebung belassen werden, während der Täter einen zehntägigen Platzverweis erhält, der um weitere zehn Tage verlängert werden kann. Ohne dass die Frau Anzeige gegen ihren Partner erstatten müsste, erfolgt diese automatisch. Damit setzt der Gesetzgeber klare Signale für die Ächtung von Gewalt gegen Frauen und Kinder.

Um den vielen anonymen Frauen, die sich hinter den Zahlen des Jahresberichts verbergen, ein Gesicht zu geben, hat eine Betroffene all ihren Mut zusammengenommen, um ihre Lebensgeschichte zu erzählen, die bei aller Individualität doch exemplarisch die sich immer schneller drehende Spirale häuslicher Gewalt schildert.

Der Text soll auch anderen Frauen Mut machen und Hoffnung geben, sich hinaus aus der häuslichen Gewalt zu begeben. Wer den Verlauf dieser „Gewaltbeziehung“ verfolgt, kann vielleicht einschätzen, wie ungeheuer schwierig es ist, sich daraus zu befreien. Zudem gewährt der Bericht Einblick in die alltäglichen Inhalte und Arbeit der Beratungsstelle.

Thematisiert werden indes nicht nur das Kerngeschäft von Beratung und Prävention, sondern auch die Ängste um den Fortbestand der Einrichtung. Finanziert wird die Beratungsstelle vornehmlich durch Land und Kreis. Einen weiteren Betriebskostenzuschuss gewährt die Stadt Jülich, wo „Frauen helfen Frauen“ an der Römerstraße 10 angesiedelt ist.

Bei den Beratungen des Doppelhaushalts der Herzogstadt stand dieser Zuschuss bekanntlich auf der Kippe, wurde aber letztlich noch einmal bis 2014 verlängert. Wie es danach weitergeht, steht in den Sternen. So nutzt das Beraterinnenteam seine knappe Zeit neben der eigentlichen Arbeit, um Sponsoren und Spendengelder zu werben, um der finanziell eher wackeligen Beratungsstelle eine Perspektive zu erhalten.

Die Werbetrommel wird beispielsweise bei öffentlichen Aktionen gerührt, etwa bei den Mädchentagen in Jülich und Düren, sowie bei der Präventionsarbeit. So haben 2012 418 Mädchen und junge Frauen an den Präventionsangeboten teilgenommen. Im Jahr davor waren es sogar 582.

Da die Beratungsstelle für das gesamte Kreisgebiet zuständig ist, verteilen sich die 261 Klientinnen auf (fast) alle Kommunen, wobei ein Schwerpunkt im Nordkreis liegt. So ist die Stadt Jülich mit 51,3 Prozent klarer Spitzenreiter, gefolgt von Aldenhoven (10,3), Düren (9,9), Titz (8,8) und Linnich (8,0). Aus benachbarten Kreisen fanden immerhin 3,1 Prozent den Weg zur Beratungsstelle.

Bei dem Spektrum, das für eine Beratung ursächlich war, dominieren geminderter Selbstwert, physische und psychische Gewalt, Trennung und Scheidung sowie Sex und Gewalt. In der Statistik sind am unteren Ende der Skala auch zwei Fälle von Zwangsheirat als Beratungsgründe aufgelistet.

Die Fachgebiete, für die die Beraterinnen zur Verfügung stehen, sind Problem- und Krisensituationen jeglicher Art, die bereits erwähnte häusliche Gewalt, sexualisierte Gewalt im Kindes- und Erwachsenenalter sowie Essstörungen. Wer sich für ein Exemplar des Jahresberichts 2012 von „Frauen helfen Frauen“ interessiert, möge sich dort brieflich, per Mail oder Telefon melden. Die Kontaktdaten sind gesondert ausgeführt.

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