Demo vor dem Zwischenlager am FZJ

Von: hfs./gep
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Protest gegen Atommülltranspo
Protest gegen Atommülltransporte: Demonstranten vor dem Forschungszentrum. Foto: hfs.

Jülich. Rund 30 Demonstranten haben am Samstag vor dem Forschungszentrum Jülich (FZJ) gegen Atommülltransporte demonstriert. Auf dem Gelände des FZJ lagern 152 Castorbehälter mit hochradioaktivem Abfall.

Da für diese Zwischenlagerung die Genehmigung im Jahre 2013 ausläuft, hat das Forschungszentrum bei der Atomaufsichtsbehörde den Antrag gestellt, diese Behälter in das Zwischenlager ins westfälische Ahaus zu transportieren.

Dagegen gibt es bundesweiten Protest. „Diese geplanten Transporte gefährden die Bevölkerung, sie sind unsinnig, da die Frage der Endlagerung noch nicht geklärt ist. Wir fordern das Forschungszentrum auf, von diesem Vorhaben abzulassen”, forderte Günther Faust, Sprecher des Aktionsbündnisses „Stop Westcastor”, vor den Demonstranten. Bundesweit hatten sich - wie zum Beispiel in Köln, Düsseldorf oder Mönchengladbach, Demonstranten versammelt, um an diesem Aktionstag nicht nur gegen den Transport von radioaktivem Abfall nach Gorleben und die Transporte der Behälter in die Zwischenlager Ahaus und Lubmin zu demonstrieren, sondern auch auf die ungeklärte Endlager-Problematik aufmerksam zu machen.

„Solange kein sicheres Endlager zur Verfügung steht, macht ein ständiges Verschieben des Atommülls von A nach B keinen Sinn. Es drückt vielmehr die Hilflosigkeit und Inkompetenz von Politik aus”, so Faust. Der Jülicher Lokalpolitiker warf besonders der nordrhein-westfälischen Landesregierung vorwarf, „die Problematik des Genehmigungsverfahrens nicht erkannt, sondern verschlafen zu haben.” Faust forderte Länder und Bund auf, von den Transporten Abstand zu nehmen und schnellstmöglich zu entscheiden, denn schließlich laufe die Genehmigung für die Castor-Behälter im Jülicher Zwischenlager 2013 aus.

In diesem Zwischenlager gab es, so Faust, im August diesen Jahres laut Strahlenschutzbericht der Radiologischen Fernüberwachung kerntechnischer Anlagen in Nordrhein-Westfalen (RFÜ) vom August 2011 zwei meldepflichtige Ereignisse. Es sei es zu einer Funktionsstörung im Behälterüberwachungssystem (BÜS) gekommen. Eine Gefährdung von Personen in der Anlage und in der Umgebung bestand aber nicht.

„Was ist am 18. und 19. bzw. am 20. und 21. August passiert?”, verlangte Faust vom Forschungszentrum Aufklärung. „Wenn es solche gegeben hat, was wäre passiert, wenn dann Radioaktivität ausgetreten wäre oder ist? Die wäre doch dann nicht gemessen worden”, hinterfragte Faust bei der Kundgebung. „Stop Westcastor” fordere generell, dass die Öffentlichkeit künftig über jeden auch noch so als geringfügig eingestuften Vorfall umgehend informiert werde.

Und er habe, so Faust, aus „sicherer Quelle” erfahren, dass das Forschungszentrum einen privaten Sicherheitsdienst „mit zwei gepanzerten Fahrzeugen” beauftragt habe, das Zwischenlager zu bewachen.

Auf Anfrage dieser Zeitung bestätigte FZJ-Sprecherin Anne Rother, dass man einen privaten Sicherheitsdienst beschäftige: „Zu seinen Aufgaben gehört es auch, für die Sicherheit der Castorenbehälter zu sorgen.” Was die angeblich gepanzerten Fahrzeuge anbelangt, will Rother dazu später Auskunft erteilen.

Das Aktionsbündnis verwies auch auf die Einsprüche gegen die Errichtung eines Reaktorbehälterzwischenlagers aus dem Jahr 2008, bei denen von Seiten der Atomkraftgegner bereits darauf hingewiesen wurde, dass durch die Lagerung des Behälters in der vom FZJ angedachten Form unter anderem eine unberechenbare Gefahr für die Menschen im Jülicher Land in Kauf genommen werde

Keine Zwischenfälle

Die Demonstration am Samstag verlief friedlich und ohne jegliche Zwischenfälle. Nach der Kundgebung vor dem Haupteingang des FZJ, zu der vom Veranstalter 120 Teilnehmer gemeldet worden waren, marschierten die Demonstranten zum Gleisanschluss vor dem Zwischenlager, um diesen symbolisch zu besetzen. Beobachtet und gesichert wurde die Aktion von 20 Polizeibeamte.

Einiges spricht dafür, dass die 152 Castor-Behälter aus Jülich schon ab Anfang 2012 abtransportiert werden sollen - vermutlich in Konvois zu je zwei, vier oder sechs Lkw über die Strecke Jülich-Mönchengladbach-Neuss-Düsseldorf-Krefeld-Duisburg-Oberhausen-Bottrop-Gescher-Ahaus.

Die Castoren enthalten 300.000 Kugeln mit hochradioaktivem Kern aus dem stillgelegten Jülicher Atomversuchsreaktor (AVR). Die Castoren sind jeweils 27 Tonnen schwer, beim Transport einschließlich Schutzplatte und Stoßdämpfern 32 Tonnen.

Der AVR selbst wird seit März 2009 unter schwierigsten Bedingungen von den bundeseigenen Energiewerken Nord demontiert - Zielsetzung „Grüne Wiese”. Der erste deutsche Hochtemperaturreaktor (HTR, ein Kugelhaufenreaktor, war 1967 in Betrieb genommen worden. Nach 21 Betriebsjahren wurde er am 31. Dezember 1988 abgeschaltet.
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