Demenz: Lokales Netzwerk aufgebaut

Von: ptj
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Interessante Vorträge, hochkarätige Referenten: Links im Bild ist Dr. phil. Udo Baer vom Institut für Gerontopsychiatrie zu sehen, rechts Dr. med. Klaus Maria Perrar von der Alzheimer Gesellschaft Kreis Düren. Foto: Jagodzinska
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Viel Freude hatten die wenigen dementiell veränderten Besucher beim Spieleangebot.

Jülich. Tadellos organisiert war der 1. Jülicher Aktionstag Demenz, der mit dem Grußwort des Bürgermeisters Heinrich Stommel in der gut besetzten Schlosskapelle an den Start ging. „Wir zeigen mit unserer Veranstaltung, dass es uns ein großes Anliegen ist, Jülich zu einer demenzfreundlichen Stadt weiterzuentwickeln“, betonte Stommel.

Gleichzeitig verkündete er freudig, dass „die Stadt Jülich ausgewählt wurde für die dritte Förderwelle des Bundesförderprogramms „Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“. So wird in Jülich eines von bundesweit 500 lokalen Netzwerken aufgebaut, „das die Lebenssituation von Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen dauerhaft verbessert“.

Zwei zentrale Vorträge

Die beiden zentralen Vorträge des Aktionstages, denen sich jeweils eine Diskussion anschloss, hielten Dr. phil. Udo Baer vom Institut für Gerontopsychiatrie in Duisburg und Dr. med. Klaus Maria Perrar, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie von der Alzheimer Gesellschaft Kreis Düren.

Durchaus ermutigend war das erste Referat „Das Herz wird nicht dement“. Anschaulich untermalt mit diversen Geschichten vermittelte Baer, unter anderem Pädagoge, kreativer Leibtherapeut und Heilpraktiker für Psychotherapie, dass der Zugang zu Menschen mit Demenz „immer nur in Begegnung mit anderen Menschen gelingt und immer etwas mit Gefühlen zu tun hat“. Emotionen werden im limbischen System verarbeitet, einer Körperregion, in der zuallerletzt „Verplaquungen“ auftreten. Das kognitive Gedächtnis demenziell veränderter Menschen lässt nach, nicht aber „das Gedächtnis der Sinne, der Klänge, der Berührungen“. Sein zweitwichtigster Satz lautete: „Demenz hat auch etwas mit dem Verlust von Geborgenheit zu tun“, was er aber nicht als alleinige Ursache anführen wollte. Anstelle von „Realitätsorientierungstraining“ empfahl Baer, „Sinnesbrücken und Erkennungsmelodien zu bauen“.

„Jeder kann etwas tun“ nannte Perrar im Anschluss das Motto der Alzheimer-Gesellschaft. Er hatte die Zahl der 1,4 Millionen Menschen mit Demenz bundesweit auf den Kreis Düren heruntergerechnet. Demnach leben fast 5000 dementiell veränderte Menschen unter uns, mit Familienangehörigen sind doppelt so viele betroffen. Sie benötigen die Unterstützung eines jeden Bürgers. Fazit seines Referats „Aktueller Stand der Diagnostik und Therapie der Demenzen“ ist allerdings ein „großes ethisches Dilemma: In zehn bis 15 Jahren werden wir Demenzen schon diagnostizieren können, wenn noch gar keine Symptome auftreten“. Doch trotz intensiver Forschungen und vielversprechender Ansätze werde es mehr als zehn Jahre dauern, bis ein Medikament der Demenz entgegenwirken kann. „Uns muss es gelingen, im Vorfeld ein Medikament einzusetzen, wenn das Gehirn nicht schon so weit geschädigt ist“. Am meisten geforscht habe man auf dem Sektor der Impfungen. Ganz nebenbei „ist das alles auch nicht billig“.

In den Räumen des nördlichen Seitenflügels fanden sich leider nur wenige dementiell veränderte Menschen ein, um dem liebevoll vorbereiteten Kreativ- und Vorleseangebot oder die Kontakte mit dem Demenz-Clown Augusta zu nutzen.

Etliche Netzwerk-Partner

Auch die Besucherzahl der Themenvorträge im südlichen Seitenflügel ist steigerungsfähig. „Es ist sehr schön“, schwärmte eine Teilnehmerin vom Erzählkreis mit Ball- und Gedächtnistraining, Shuffleboardspielen und einem Muskelaufbautraining mit Tapebändern, ausgerichtet vom Team der Tagespflege in St. Hildegard. „Schade, dass nicht mehr hier waren“, ergänzte sie. Im Foyer des Pädagogischen Zentrums bot die Stadtbücherei einen Tisch mit breit gefächerter Literatur zum Thema Demenz. Im Zentrum präsentierten sich einige Netzwerkpartner der Stadt Jülich: Die Alzheimer-Gesellschaft Kreis Düren, das St. Elisabeth-Krankenhaus mit seinem ambulanten Pflegedienst, die Hospizbewegung Düren-Jülich, „Achtsam – geschenkte Zeit“ der Diakonie Sozialstation Düren, die Selbsthilfekontaktstelle „Der Paritätische“ Kreis Düren, das Demenz-Servicezentrum Regio Aachen/Eifel, die LVR-Klinik Düren, die Senioren-Assistenz Westphal, die Koordinationsstelle „Pro Seniorinnen und Senioren im Kreis Düren“, die AOK Rheinland Hamburg, die Kompass Demenz-Beratung, die Pflegeberatung Mathilde Wisniewski, die Seniorenwohnanlage „An der Zitadelle“, das Sanitätshaus Paul und das RehaCenter Sanitätshaus Schultes. Neben einer Fülle von Information fielen durchaus praktische Details in den Blick: Ein verstellbares Bett, ein Skatspiel für Senioren oder ein Telefon mit extragroßen und farblich abgesetzten Tasten und Fotofeldern für Familienangehörige.

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