Dem Flügel märchenhafte Klänge entlockt

Von: ptj
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Flinke Hände schweben über die Tasten: Die Remscheider Pianistinnen (v.l.) Ruth Forsbach und Uta Klisch begeistern mit „Märchenhaftem“ in der Auftaktveranstaltung „Steinway meets church“. Foto: Jagodzinska

Linnich. „Wo kommt denn der Steinway auf einmal her?“ Diese rhetorische Frage stellte Pfarrerin Wiebke Harbeck in ihrer Einführung in die dreiteiligen Veranstaltungsreihe „Steinway meets church“ in der evangelischen Kirche zu Linnich.

Ein Gemeindemitglied, das nicht namentlich genannt werden will, stellt den Steinway-Flügel aus seinem Privatbesitz für drei Kirchenkonzerte zur Verfügung. Diese decken die Bandbreite der Möglichkeiten ab: Vierhändig, Solo und im Duett mit der Orgel.

„Märchenhaftes...“ und Stücke aus der sanften Moderne boten die erstklassigen Pianistinnen Ruth Forsbach und Uta Klisch aus Remscheid in der Auftaktveranstaltung. Sie starteten neoklassizistisch mit der heiter-humoristischen „Sonata für Klavier zu vier Händen“ in drei Sätzen aus der Feder des französischen Komponisten Francis Poulenc, der der französischen Musik eine neue Richtung gab. Das Stück „ist etwas übergriffig. Vielleicht hatte Poulenc eine Schülerin, der er gerne etwas näher kommen wollte“, mutmaßte Forsbach bei ihrer Werkvorstellung augenzwinkernd.

Weiter ging es heiter-nachdenklich mit dem französischen Komponisten des Impressionismus, Maurice Ravel mit „Ma Mère l‘Oye“ (Mutter Gans), und seinen fünf „Pièces enfantines“ (Kinderstücken). Dazu zählten „Dornröschen“, „Der kleine Däumling“, die „Schöne und das Biest“ und ein Märchengarten, der einfach nur ein märchenhaftes Stück ist. Mittendrin gibt es mit „Laideronnette, Impératrice des Pagodes“ einen entzückenden Ausflug nach China, in dem Märchen von der sehr kleinen und gar nicht schönen Kaiserin.

Zu Recht „sehr liebgewonnen“ haben die Pianistinnen Robert Schumanns „Bilder aus dem Osten“, in einer „Impromptu“, einer Komposition der Romantik nach Art einer sich weiter entwickelnden Improvisation. Schumann bezieht sich auf die „Makamen“ des arabischen Dichters al-Hariri, einem „orientalischen Till Eulenspiegel“.

Die orientalische Herkunft wäre ohne Anmerkung allerdings völlig unbemerkt geblieben. Das Werk in sechs Sätzen startete lebhaft, wechselte in den Volkston und endete reuig bis andächtig. Mit dem zeitgenössischen tschechischen Komponisten Petr Eben und seiner Volksliederbearbeitung „Hájiku zelený“ (Grünes Wäldchen) wechselte das Repertoire erneut die Richtung. In acht Sätzen reisten die Pianistinnen, die sich pro Stück mit der hohen und tiefen Klavierstimme abwechselten, musikalisch durch Böhmen.

Durch verschiedene emotionale Ausdrucksformen ging es etwa in einen winterlichen Garten, zu einem Vogel, der „vom Berg her flog“, ins Lager, in das die Zigeuner kamen oder „weit und tief“ in die Moldauteiche. Das themengebende Jägerstück „Grünes Wäldchen“ verwies bereits auf den böhmischen Komponisten der Romantik Bedich Smetana und sein berühmtes Werk „Vltava“ (Die Moldau) aus dem sinfonischen Zyklus „Ma Vlast“ (Mein Vaterland). Die sinfonische Dichtung beschäftigt sich mit dem Flussverlauf der Moldau, von der Quelle bei Tag über Reigen tanzende Nymphen im Mondschein zu den Sankt-Johann-Stromschnellen mit bedrohlich rauschendem Wasser bis zum „Vyšehrad“-Schloss an der Mündung, wo der Fluss den Blicken entschwindet.

Die Zuhörer in der gut gefüllten Kirche genossen das wunderschöne Konzert zum Teil mit geschlossenen Augen. Abschließend spendeten sie kräftigen Applaus und Münzen und Scheine für weitere Konzerte in der evangelischen Kirche.

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