Jülich - Dem Einzelhandel geht die warme Kleidung aus

Dem Einzelhandel geht die warme Kleidung aus

Von: Nicola Gottfroh
Letzte Aktualisierung:
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Der Winter hat gerade erst angefangen, doch schon geht vielen Händlern die Winterkleidung aus. Gaby Wilhelm (l.) hat Glück: Sie hat mit Hilfe von Verkäuferin Sybille Wassenhoven noch eine dicke Jacke ergattern können.

Jülich. Der Winter hat gerade erst richtig angefangen, und schon ist in vielen Geschäften die Winterware zur Mangelware geworden. „Dabei bin ich fest davon ausgegangen, noch große Auswahl zu haben”, sagt Martina Müller.

Sie hat schon mehrere Geschäfte abgeklappert, um eine dicke Jacke zu bekommen, die dazu noch aktuellen „Fashionstandards” entspricht. Inzwischen ist sie fündig geworden, auch wenn es nicht ganz das Modell ist, in dem sie sich präsentieren wollte. „Egal, Hauptsache, die Jacke hält warm”, sagt sie auf dem Weg zur Kasse und fügt noch hinzu: „Nächstes Jahr bin ich auf jeden Fall früher dran.”

Eigentlich hätte sie es besser wissen müssen, denn es ist ja jedes Jahr dasselbe. Wenn es draußen richtig kalt ist, dann hilft nur noch eins: Richtig dick einpacken. Und weil der Winter erst in den Köpfen der Menschen einzieht, wenn sie von der eigenen Gänsehaut an ihn erinnert werden, geht bei vielen das Wintershopping zur selben Zeit los. Dann werden Kollektionen geplündert, und schnell sind die begehrten Stücke ausverkauft - auch in Kleinstädten wie Jülich.

Viele Jülicher Einzelhändler haben in der vergangenen Woche - pünktlich zum Kälteeinbruch - einen richtigen „Run” auf Winterkleidung feststellen können. Da wurden nicht nur Jacken „wie verrückt” gekauft, sondern auch Schals, Handschuhe und Mützen. Und davon deutlich mehr als im Vorjahr - da sind sich viele Händler einig. „Alles was wärmt, läuft gut”, sagt Sevgi Can von Wehmeyer in Jülich.

Einem großen Ansturm von Käufern sieht sich derzeit auch die Bekleidungskette C&A ausgesetzt. „Wer jetzt noch etwas braucht, der muss sich beeilen”, sagt Gabriele Neumann, stellvertretende Filialleiterin. Vor allem Schals und Handschuhe seien in den zurückliegenden Wochen wie warme Semmeln über die Ladentheke gegangen. Es sei zwar vereinzelt Ware nachgekommen, aber nicht in ausreichender Menge. „Das, was jetzt noch da ist, sind die letzten Reste”, sagt Neumann.

Natürlich hätte man in vielen Geschäften noch viel mehr Winterkleidung verkaufen können, doch auch bei den Lieferanten sei kaum noch Winterkleidung zu bekommen. Denn obwohl der Kalender erst Dezember anzeigt, erwarten die Händler jetzt bereits die Frühjahrskollektionen - und die sind selbstverständlich nicht mit Handschuhen und Mützen bestückt.

Auch im Modehaus Röttgen macht sich das eisige Wetter durch die Nachfrage bei Winterkleidung bemerkbar. „Die Winterjacken sind schon fast alle ausverkauft”, sagt Geschäftsinhaberin Sandra Muth. „Man kann an zehn Fingern abzählen, was jetzt noch an Winterkleidung da ist.” So etwas, so sagt sie, habe es noch nie gegeben. Zumindest hat sie so etwas Anfang Dezember noch nicht erlebt. Auch an Pullovern ist deutlich mehr gekauft worden, als in den Jahren, in denen kein Schnee lag.

Einen „witterungsbedingten Verkauf” haben auch die Mitarbeiterinnen bei Schuhgarten Rosenbaum feststellen können. Dort waren gefütterte und wasserdichte Schuhe gefragt. Hier kamen viele Kunden ebenfalls schon zu spät. Zwar gibt es noch warme Winterstiefel und Schuhe. Doch auch hier ist bereits die erste Frühjahrsware eingetroffen. Winterboots sind buchstäblich „out”. „Jetzt noch die gewünschten Schuhe in der passenden Größe zu bekommen, ist reine Glückssache”, sagt Inge Kreuteler und fügt hinzu: „Es ist wie jedes Jahr: Man hat sich nicht auf einen so harten Winteranfang eingestellt.”

Sogar Schnee- und Skianzüge für Kinder laufen bei diesem Wetter bestens - auch in Jülich. Das verwundert sogar Gabriele Neumann. Immerhin sei man in Jülich ja nicht in einem Skigebiet. Trotzdem: „Wir verkaufen in der gesamten Kölner C&A-Gruppe die meisten Kinder-Schneeanzüge”, sagt sie und lacht. „Vielleicht liegt es ja an der Nähe zur Eifel”, vermutet sie.

„Einen großen Vorrat” an Schals, Mützen und Jacken gibt es dagegen noch bei Herrenmode Möller. Das sagt Mitarbeiterin Elvira Schäfer. Vielleicht deshalb, weil nicht alle Männer so gerne mit der Mode gehen wie die Damen und die lieber erstmal die Kleidung der Vorjahre „auftragen”.

Klar wie die kalte Winterluft ist: Wer dem Liebsten am Weihnachtsabend einen dicken Norwegerpulli unter den Tannenbaum legen möchte, sollte diesen nicht in letzter Minute kaufen. Denn was jetzt nicht mehr da ist, wird meist auch nicht mehr geliefert. Denn, so lässt eine Verkäuferin durchblicken: „Besser alles ist ausverkauft, als auf vollen Lagern sitzen bleiben.”
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