Decke der Halle war nie einsturzsicher

Von: Volker Uerlings
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Es darf wieder geschwommen wer
Es darf wieder geschwommen werden. Das Lehrschwimmbecken der Grundschule Jülich-Ost ist nach komplizierter Sanierung wieder in Betrieb. Foto: Uerlings

Welldorf. Dieser stechende Chlor-Geruch ist ein untrügliches Zeichen. Schon am Eingang der Gemeinschaftsgrundschule Ost in Welldorf bemerken Gäste: Das Lehrschwimmbecken ist wieder in Betrieb. Das ist nicht selbstverständlich, denn die Sanierung des Bades sollte es eigentlich gar nicht geben.

Weil die Stadt hoch verschuldet und knapp an freien Mitteln ist, hatte die Verwaltung die Schließung der Lehrschwimmeinrichtung vorgeschlagen. Das hat Proteste von Eltern und Kindern ausgelöst und die Politik mehrheitlich zum Einlenken bewogen. Das Ergebnis des nun beendeten Prozesses kann man eben riechen.

Auch alles, was zu sehen ist, ist im Ergebnis für die Nutznießer erfreulich. Das Bad erstrahlt in neuem Glanz und ermöglicht sowohl den Kindern aus Grundschule und Kindergarten als auch einigen Sportiven in Welldorf-Güsten, ortsnah zu schwimmen.

Der Jülicher Hochbauamtsleiter Leo Heuter gesteht: Das Lehrschwimmbecken samt Decke sei eine der kompliziertesten Baustellen überhaupt gewesen. Allein deshalb freut ihn das gute Ende schon. Denn nach der Sanierung des Beckens und vor allem der maroden Decke, die zugleich „von oben” die Schulaula trägt, musste die alte Haustechnik nach mehr als einjähriger Pause wieder in Gang gesetzt werden.

Auch das war schwierig und hat mehrfach die Wiederinbetriebnahme zunächst nach den Sommer- und dann nach den Herbstferien verhindert. Jetzt hat es geklappt. Vertreter der Stadt, der Schule, des Architekten und des Statik-Büros nahmen stolz die erste Nutzung in Augenschein.

Gut, dass die Eltern nicht wussten, wie es vorher um die Tragkraft der Decke des Lehrschwimmbeckens bestellt war. „Dass die überhaupt gehalten hat!?”, fragt sich der Statiker Hubert Breuer, selbst Welldorfer, und schickt nach: „Nach allen Berechnungen hätte die Decke theoretisch nicht unter ihrem Eigengewicht halten könen.” Oder anders ausgedrückt: Sie hätte jederzeit einstürzen können.

Das kam erst ans Tageslicht, als Probebohrungen gezogen wurden, die unter Mithilfe von absoluten Experten der RWTH und FH Aachen untersucht worden sind. Ergebnis: Der Beton enthielt viel zu wenig Zement, die Decke an sich deutlich zu wenig Eisen. Fazit: „Wir hatten Glück!”

Mit Fortuna im Bunde war die Riege, der neben Leo Heuter und Hubert Breuer auch das Architekturbüro Zimmermann sowie Schulamtsleiter Gert Marx angehörten, auch beim Budget. Alles blieb im Plan von 250.000 Euro. Selbst kleinere Neuerungen an der Haustechnik sind da mit drin oder neue Fliesen, da die alten plötzlich von der Wand fielen, als sich das Raumklima in einem Jahr ohne Wasser erheblich veränderte.

Die neue Decke besteht aus Spritzbeton und einem Traggerüst, das auf einigen wenigen blauen Stützen steht und unter einer Abhangdecke verschwunden ist. Sie ist ballwurfsicher, hat eine sehr gute Akustik ohne großen Hall. Vor allem kann sie hohe Luftfeuchtigkeit vertragen und ist zudem chloridsicher.

Vor allem aber: Hubert Breuer und Architekt Mario Albrecht sind sich ganz sicher: Die hält die nächsten Jahrzehnte.

Gesamtanierung beendet

Mit dem Bad endete auch die Sanierung der GGS Ost über fast vier Jahre, die insgesamt 1,5 Millionen Euro gekostet hat. Die Schule ist jetzt komplett und sehr gut aufgestellt, sagen Ortsvorsteher Christian Klems und Schulleiter Heinz Rombach.

Bester Beleg sind die jüngsten Anmeldezahlen. Sie haben sich laut Rombach verdoppelt. „Wir starten zweizügig ins neue Jahr.” Das liegt nur zum Teil am demografischen Faktor - es gibt in diesem Jahrgang mehr Kinder.

Klems sieht vielmehr eine „klasse Werbekampagne”, einen „homogenen Lehrkörper” samt Schulleiter und natürlich die Sanierungsergebnisse. Das freut nicht zuletzt auch die Verwaltung. Gert Marx: „Wir fühlen uns bestätigt, dass es sich gelohnt hat.”
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