Das ungezählte Leid bekommt ein Gesicht

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
Hoffnung in der Katastrophe: S
Hoffnung in der Katastrophe: Silke und Manfred Kutsch zeigten, wie die Unicef-Hilfe ankommt. Foto: Kutsch

Kreis Düren. Nach dem letzten Wort des Vortrags herrschte lange Zeit Stille, nur das Summen des Projektors war zu hören. Zwei Wochen lang hatten unser Redakteur Manfred Kutsch und seine Ehefrau Silke für die Unicef-Aktion „Wir wollen leben” unserer Zeitung die Brennpunkte Ostafrikas bereist.

Ihr Bildervortrag, den sie am Dienstagabend bei einer gemeinsamen Veranstaltung unserer Zeitung und der Unicef-Ortsgruppe Düren in der Sparkasse Düren hielten, führte die Besucher ganz nah heran an diese Hungerkatastrophe, die im Oktober 2011 begann - und trotz internationaler Hilfe noch nicht ausgestanden ist. Die Zahlen sind unvorstellbar: 13,3 Millionen Menschen waren im vergangenen Jahr unmittelbar betroffen, 2,3 Millionen Kinder litten unter Mangelernährung. Ein Jahr hatte es nicht geregnet, das Vieh verendete, die Brunnen und Felder trockneten aus. Doch Zahlen - so erschreckend sie auch sein mögen - bleiben zunächst Zahlen. Sie sind abstrakt, das Geschehen ist weit weg. Silke und Manfred Kutsch aber gaben dem ungezählten Leid der Menschen auf beeindruckende, berührende und wachrüttelnde Weise ein Gesicht.

Sie zeigten Bilder, die eindrucksvoll verdeutlichten, was Hunger, Not und Elend bedeuten. „Wir entfernen uns weit weg von der Wirklichkeit, die wir kennen”, gab Manfred Kutsch den Zuhörern am Anfang der Bilder-Reise durch Nordost-Kenia und Somalia mit auf den Weg. Was bedeutet es, als Mutter mit neun Kindern Hunderte Kilometer durch die Wüste zu ziehen, um an einem ungewissen Ziel vielleicht Wasser und Lebensmittel zu bekommen? Was bedeutet es, mit 500.000 Menschen in einem Flüchtlingslager zu leben? Welche Hoffnung gibt es in einem vom Bürgerkrieg gezeichneten Staat wie Somalia, in dem es kaum staatliche Strukturen gibt? Antworten auf diese Fragen waren in die Gesichter der Menschen geschrieben, die Silke und Manfred Kutsch getroffen haben, die sie interviewt und fotografiert haben.

„Das sind Bilder, die man im Herzen behält”, sagte Manfred Kutsch. Bilder von Hunger, Elend und Not, aber auch von Stolz und Würde. Bilder von Menschen, vor denen die Reporter „großen Respekt hatten”. Und es sind auch Bilder der Hoffnung: Silke und Manfred Kutsch zeigten auch, wie die Hilfe des Kinderhilfswerks ankommt. 660.000 Euro hatten unsere Leser bisher gespendet, um das Leid der Menschen zu lindern. Unsere Leser trugen unter anderem dazu bei, dass bislang 2,2 Millionen Menschen mit Trinkwasser versorgt und 108.000 unterernährte Kinder behandelt werden konnten. „Die Situation hat sich etwas gebessert”, berichtete Manfred Kutsch. Doch von Entwarnung könne keine Rede sein. „Niemand wird die wahre Zahl der Opfer je erfahren, die diese größte humanitäre Katastrophe der Gegenwart gefordert hat”, sagte Kutsch. Und die Katastrophe habe sich im Jahr 2010 bereits angekündigt. „Doch die Welt hatte andere Sorgen: die Finanzkrise”, sagte Kutsch. Umso wichtiger sei es, auf die sich in der Sahelzone abzeichnende Dürre zu reagieren. Unicef sei schon vor Ort aktiv, warb Kutsch am Ende es Vortrags um weitere Unterstützung.

„Es war ein beeindruckender Abend”, bedankte sich Carmen Creutz von der Unicef-Ortsgruppe bei Silke und Manfred Kutsch. „Dieser Abend hat gezeigt, was es wert ist, sich für Unicef einzusetzen.” „Es muss noch viele solcher Veranstaltungen geben, um diese Themen voranzubringen, die Probleme anzugehen und sie zu lösen”, urteilte Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Professor Dr. Herbert Schmidt als Hausherr.
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