Jülicher Land - Das Schweigen zum Thema Inklusion

Das Schweigen zum Thema Inklusion

Von: Daniela Mengel-Driefert
Letzte Aktualisierung:
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Im Jülicher Land offenbar noch nicht angekommen: das Thema Inklusion an Schulen. Foto: dpa

Jülicher Land. Kinder mit Förderbedarf wurden überwiegend an Förderschulen unterrichtet. Nun – seit dem vergangenen Schuljahr – haben die Eltern das letzte Wort. Wünschen diese eine Beschulung ihres Kindes an einer Regelschule, muss dem stattgegeben werden.

So wird die Inklusion umgesetzt. Alle Kinder werden gemeinsam unterrichtet, Stärken und Schwächen individuell gefördert. Das hört sich gut an. Doch wie läuft das in der Praxis, hier im Jülicher Land? Welche Erfahrungen gibt es nach einem Schuljahr ganz konkret?

Um einen Einblick zu erhalten ist die Idee, ein Kind mit Down-Syndrom oder ein schwerst-mehrfach-behindertes Kind, im Unterricht an einer Regelschule zu begleiten. Wie geht es dem Kind mit den veränderten Möglichkeiten, wie ergeht es den Lehrern, den Mitschülern, den Eltern?

Doch Fehlanzeige. Es stellt sich heraus, kein Kind mit den genannten Behinderungen wird an einer Regelschule im Jülicher Land beschult. Schwerst-mehrfach-Behinderte gibt es nicht an Regelschulen, auch kein Kind mit Down-Syndrom, bestätigt Anna Helene Lürken, Schulrätin beim Schulamt Düren, dafür fehle das Material. „Wir stehen erst am Anfang der Inklusion“, sagt sie. Vielleicht sei es später möglich, jetzt noch nicht.

Um Kindern mit Förderbedarf gerecht zu werden, werden Förderschullehrer an Regelschulen abgeordnet, unterstützen das dortige Kollegium. Wie sich ihr Arbeitsalltag gestaltet, wie Inklusion dort in der Praxis funktioniert wollen wir wissen. Erfahren haben wir viel, doch offiziell sagt niemand was.

Schulleitungen, die ansonsten gerne Auskunft geben, werden plötzlich einsilbig. Auf telefonische Anfragen gibt es Vorgespräche und Terminvereinbarungen, doch dann einen Rückzieher. „Wir haben uns in innerschulischen und außerschulischen Teams beraten und uns entschieden, zu dem Thema nichts zu sagen“, lautet der Wortlaut einer Terminabsage mit der Bitte um Verständnis. Die Zeitung könne aber gerne über andere schulische Themen berichten.

Ein Schulleiter fragt nach, ob der Fall Greuel bekannt sei. Zum besseren Verständnis sei der „Fall“ noch mal erklärt: Die Bezirksregierung suspendierte 2013 den damaligen Schulrat Norbert Greuel, nachdem 20 Förderschulleiter der Städteregion Aachen in einem offenen Brief auf Lehrermangel aufmerksam machten. Greuel soll Initiator des Briefes gewesen sein. Eine juristische Auseinandersetzung endete schließlich mit der Frühpensionierung Greuels.

Verunsicherte Lehrer

Da wird klar: Der erwähnte Schulleiter möchte nicht in Greuels Fußstapfen treten. Die Förderschullehrer wären auch die besseren Ansprechpartner, sagt er. Aber auch die sind verunsichert, äußern Kritikpunkte, schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, sagen: „Was wir ihnen verraten haben, das dürfen wir gar nicht sagen“.

Niemand traut sich, offene Fragen zur Umsetzung der Inklusion zu beantworten, die eigentlich eine sympathische Idee ist. Warum? Läuft es am Ende schlecht? Fehlen entsprechende Lehrer, oder fehlen Konzepte? Diejenigen die Auskunft geben könnten, die nicht nur die Idee im Kopf haben, sondern sie umsetzen, sagen nichts. Zumindest nicht öffentlich.

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