Das Personal in den Kitas geht auf dem Zahnfleisch

Von: dol
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Andrea Milz (Mitte), Vorsitzende des Landtagsausschusses für Generationen, Familie und Integration, stellte sich den drängenden Fragen der Kindertageseinrichtungen im Kreis Düren. Josef Wirtz und Margarete Esser-Faber folgten der spannenden Diskussion. Foto: Dolfus

Kirchberg. Die Tücken, aber auch die Chancen des Kinderbildungsgesetzes, kurz „Kibiz”, wurden bei einer Informationsveranstaltung des CDU-Kreisverbandes Düren-Jülich im Lokal Lindenhof in Kirchberg diskutiert.

Auf Einladung von Josef Wirtz, MdL, stellte sich Andrea Milz, Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Landtagsausschusses für Generationen, Familie und Integration den drängenden Fragen der Betroffenen.

Dass es noch einige „Baustellen” gebe, an denen nachgebessert werden müsse, räumte Milz von Beginn an ein. Probleme bereite beispielsweise die Fortbildung der so genannten „Ergänzungskräfte”, für die mit Einführung des „Kibiz” nahezu kein Einsatzspielraum mehr besteht. „Wir können einer 55-Jährigen kaum zumuten, noch eine Fortbildung zur Erzieherin zu machen, um anschließend in Rente zu gehen”, nannte Milz ein Beispiel.

Wie schwierig die Umsetzung des neuen Gesetzes in der Praxis ist, darüber berichteten mehrere Kindergartenleiterinnen. Britta Eberhardt von der Kita Rappelkiste in Lich-Steinstraß beschrieb, dass ihre Einrichtung mit drei Fachkräften arbeite, davon eigentlich nur zwei genehmigt seien, und dennoch kaum über die Runden komme: „Ich lade Sie ein, diese Stelle zu übernehmen. Dann sehen Sie mal, wie wir täglich auf dem Zahnfleisch gehen!”

Das fehlende Personal ist eines der größten Probleme der Kitas, wie auch Helga Krafft, Leiterin des katholischen Kindergartens Rödingen betonte: „Wo sind denn die Vertretungskräfte?” Erika Hartmann, Leiterin des katholischen Kindergartens Kirchberg, beschwerte sich über den Verwaltungsaufwand: „Es ist der absolute Wahnsinn, dieser Bürokratismus.”

Tatsächlich flexible Betreuungszeiten anzubieten, sei ein weiteres Problem. Angelika Ponten vom Kindergarten St. Marien in Welldorf ärgerte sich über die Darstellung des „Kibiz” als ultimatives Mittel für Bildung und Erziehung in der Öffentlichkeit. „Da wird den Eltern weisgemacht, dass ihre Kinder mit sechs Monaten fit für den Nobelpreis gemacht würden.”

Die Mitarbeiter in den Kindertageseinrichtungen sähen sich verunglimpft: „Wir waren auch unter dem alten GTK (Gesetz über Tageseinrichtungen für Kinder, Anmerk. d. Red.) nicht die Kaffeetanten, die die Kinder nur verwahrt haben!”

Joseph Krott, Kreistagsmitglied der CDU, sah eine weitere Problematik. „Der Wahlspruch des Ministerpräsidenten âKein Kind ohne MahlzeitÔ sollte doch nicht nur für Schulkinder gelten”, so Krott. Weiterhin könne es nicht sein, dass die Kommunen oder der Kreis Düren die Kosten für die Mahlzeiten der Kindergartenkinder dauerhaft übernehme: „Hier ist das Land gefragt!”

Andrea Milz notierte alle Fragen, Beschwerden und Anregungen und versprach, diese an die entsprechenden Gremien in Düsseldorf weiterzugeben. Zudem appellierte sie daran, auch die Chancen des „Kibiz” zu sehen und zu nutzen. „Sie müssen das Kibiz richtig lesen: Das Geld steht da drin!”

Andererseits könnte niemand vor den sinkenden Geburtenzahlen und den fehlenden Kindern die Augen verschließen. Ohne Kooperationen zwischen den Kindertageseinrichtungen ginge es zukünftig nicht. Da müsse Personal ausgetauscht, Betreuungsstunden verschoben und möglicherweise eine gemeinsame Rücklage angelegt werden.

Einen kleinen Lichtblick hatte die Familienpolitikerin für die Kitas noch parat. Milz: „Das Land NRW bekommt in den nächsten Jahren jährlich 84 Millionen Euro vom Bund für Investitionen. Bitte stellen Sie Anträge! Da wird noch so manche Kita an Geld kommen, womit sie vorher nicht gerechnet hat.”
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