Das Mai-Tanz-Trainingslager mit Profi in Broich

Von: Antonius Wolters
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Graziöser Auftritt: Vier Abende haben die Paare der Maigesellschaft Broich Walzer geübt, damit beim mitternächtlichen Königswalzer die Schritte sitzen und die Füße des Tanzpartners geschont werden. Foto: Wolters
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Mit Tanzprofi Henning Schall verfügen die Broicher über einen versierten Trainer, der hier Maikönigin Stephanie Bellartz unter seine Fittiche nimmt. Foto: Wolters

Broich. Daniel Kückes, Vorsitzender der 1934 gegründeten Maigesellschaft Broich, steht beim Königsball am 1. Mai ein besonderer Auftritt bevor: Um Mitternacht wird er Maikönigin Stephanie Bellartz zum Königswalzer durch die Bürgerhalle wirbeln.

Der 23-Jährige ist Maikönig, weil er bei der Versteigerung am 21. März für die gleichaltrige Stephanie mit 550 Euro das höchste Gebot platziert hat. „Wir sind seit Kindergartentagen befreundet“, sagt das Königspaar, das weiter gehende Ambitionen indes rasch dementiert.

An diesem Abend ist die letzte Tanzprobe vor dem Maifest geplant. Die Bürgerhalle ist ähnlich schmucklos wie die Maipaare, die hier von „Tanzlehrer“ Henning Schall angeleitet werden. Allerdings tragen Einzelne ihre Ballschuhe zur Jeans, um die vorbereitet zu sein. Schall, amtierender Deutscher Meister im Disco-Fox, ist ein Glücksfall für die Gesellschaft, denn er beherrscht nicht allein seine Spezialdisziplin, sondern führt seine Partnerinnen auch im Dreivierteltakt geschmeidig über die Tanzfläche.

Zunächst schart Schall jedoch die Maiburschen und -mädchen im Halbkreis um sich und fällt mit ihnen in rhythmisches Klatschen, um Maikönig und -königin zu begleiten, die zu Walzerklängen ihre ersten Runden drehen. Erst mit dem Partnerwechsel formieren sich Paare, um ebenfalls zur Musik, die vom Laptop eingespielt wird, in den Walzerschritt zu fallen.

Königswalzer um Mitternacht

Das entspricht der Tradition beim Königsball, bei dem ebenfalls das Maikönigspaar den Königswalzer eröffnet und später mit den übrigen Mitgliedern eine Runde übers Tanzparkett dreht. Königspaar, Hofstaat und übrige Maipaare tragen dann allerdings ihre Festtagsgarderobe. Ballkleid und Strauß die Damen, während sich die Herren mit schwarzem Anzug, weißer Fliege, Zylinder und einer Chry-santheme am Revers ausstaffiert haben. Zudem gilt für Damen und Herren eine „Handschuh-Pflicht“, ergänzt Königin Steffi. „Einen Tausender ist man los“, beziffert sie den Preis für ein Kleid, das gut genug für eine Maikönigin ist.

Die gute Nachricht für Anhänger des Maibrauchtums, das offenbar längst im 21. Jahrhundert angekommen ist, ergänzt sie im nächsten Satz: „Bei Facebook gibt es ein Maikleider-Forum“, wo gebrauchte Kleider gesichtet werden können.

Natürlich darf der Maikönig die festliche Robe, zu der auch eine Schleppe gehört, vor dem ominösen Königsball nicht sehen. Umgekehrt sieht die Maikönigin das Maibild, das der König in mühevoller Kleinarbeit erstellt hat und in der Walpurgisnacht an ihrem Wohnhaus anbringt, erstmals am Morgen des 1. Mai. So viel sei vorab verraten: Mit dem Format DIN A0 (84,1x118,9 cm) ist das Bild ziemlich groß, und Daniel Kückes hat mit einem Kumpel rund 40 Stunden in die Herstellung investiert.

Was fasziniert junge Leute am Maibrauchtum, dessen Regeln nicht mehr ganz frisch sind? Das ist einmal die Kontaktbörse, die früher einmal eine Art Heiratsmarkt war, und die eingeschworene Gemeinschaft von Jung und Alt, die beim Maifest alle ihren Spaß haben. Dieses Gemeinschaftserlebnis trägt das Fest und die Mitglieder der Maigesellschaft, nicht nur Maikönigin und -könig.

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