Das Jülicher Erbe der Idealstadtanlage

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Jülich. Oft wird gefragt, wieso die Jülicher Innenstadt seit 1993 unter dem Schutz einer Denkmalbereichssatzung steht. Jülich wurde doch im Zweiten Weltkrieg 1944 fast vollständig zerstört. Was soll da noch denkmalwürdig sein? Am Sonntag, 7. Mai, um 11 Uhr ab Pasqulinibrücke soll dieser Frage nachgegangen werden.

Dazu laden der Förderverein Festung Zitadelle Jülich und die Volkshochschule Jülicher Land zu einem Spaziergang der besonderen Art durch die historisch geprägte Innenstadt Jülichs. Der Vorsitzende des Fördervereins, Dr. Rüdiger Urban, erläutert den Wiederaufbau Jülichs nach dem Zweiten Weltkrieg sowie den historischen Hintergrund.

Dabei führt er aus, dass es das Erscheinungsbild der historisch geprägten Jülicher Innenstadt ist, das unter Denkmalschutz steht. Der Grund dafür ist, dass sich darin die verschiedenen Facetten des Jülicher Erbes der Idealstadtanlage der Renaissance widerspiegeln.

Die „Idealstadtanlage“, die im 16. Jahrhundert entstand, war nach völlig neuen Grundsätzen entworfen worden. Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg ließ sie nach einem verheerenden Stadtbrand errichten – eine Stadtanlage, wie sie nördlich der Alpen kein zweites Mal zu finden war. Die Stadt umgab eine noch heute erkennbare fünfeckige Festungsanlage. Diese wurde von einer quadratischen Zitadelle mit dem herzoglichen Schloss im Stil der italienischen Hochrenaissance beherrscht.

Charakteristisch für den Festungsbau dieser Zeit sind die an der Zitadelle noch heute erkennbaren breiten Wälle und Bastionen. Damit galt die Festung am strategisch bedeutsamen Rurübergang als uneinnehmbar.

Jülich erstand als eine moderne, steinerne Stadt mit zentralem, quadratischem Marktplatz, geraden breiten Straßen und verteidigungstechnisch bedingten Bebauungsgrundsätzen. Diese Idealstadtanlage demonstrierte Macht und Kunstsinn des Herzogs, betonte die staatliche Ordnung im Herzogtum, besaß eine optimale Verteidigungsfähigkeit und bot eine moderne Urbanität.

Dass sich diese renaissancezeitliche Prägung erhalten hat, liegt letztlich in tragischen Ereignissen in der herzoglichen Familie und machtpolitischen Entwicklungen in Mitteleuropa begründet. Sie ließen die Zitadelle bald zu einer reinen Garnison herabsinken. Während die Festungsanlagen ständig erweitert wurden, versank die Stadt in eine Art „Dornröschenschlaf“. Eingemauert in ihren Wällen bewahrte sie ihren Charakter – auch über die Niederlegung der Stadtbefestigung 1860 hinaus.

Innerhalb der ehemaligen Wallstraßen (Schirmerstraße, Schützenstraße, Am Aachener Tor, Bauhofstraße, Poststraße) wurde nach dem Krieg auf dem fast unverändert überkommenen Stadtgrundriss aus dem 16. Jahrhundert wieder aufgebaut. Man orientierte sich zudem an den herzoglichen Bebauungsgrundsätzen.

Gleichzeitig haben die Planer des Wiederaufbaus Architekturformen aus der Renaissance aufgegriffen. Diese drei Elemente, Stadtgrundriss, Bauordnung und renaissancezeitliche Architekturformen, machen das Erscheinungsbild Jülichs zu einem herausragenden stadtbaugeschichtlichen und kulturhistorischen Dokument des Wiederaufbaus der Nachkriegszeit.

Die Führung schildert die historischen Zusammenhänge, erläutert noch erkennbare Elemente der renaissancezeitlichen Stadtfestung, erklärt den charakteristischen Wiederaufbaustil im heutigen Stadtbild und zeigt auf, wo dieser durch moderne Bauten gefährdet ist.

Anmeldung bei der VHS Jülicher Land, Telefon 02461-632-19/-20/-31. Es wird eine Gebühr von 5 Euro erhoben.

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