Jülich/Aachen - Das Heimweh trübt die neue Freiheit

Das Heimweh trübt die neue Freiheit

Von: ptj
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Lernen auf dem Solarcampus: Hier schaut die iranische FH-Studentin Shirin Marboot in der Bibliothek im Auditorium in die Fachliteratur. Foto: Jagodzinska

Jülich/Aachen. „Mein Vater ist Ingenieur. Er hat mir Mut gemacht, Maschinenbau zu studieren”, sagt die 22-jährige Iranerin Shirin Marboot. Damit nicht genug: Die Wahl fiel zunächst auf ein Auslandsjahr im „bekannten Industrieland” Deutschland. „Meinen Eltern war es wichtig, dass ich in Deutschland Erfahrungen sammle”.

Im Rahmen einer Kooperation der Sharif-Universität in Teheran und der FH Aachen, Abteilung Jülich, nahm die hübsche junge Frau zunächst drei Jahre am englischsprachigen Studiengang zum „bachelor of engineering” im Iran teil, um im Anschluss ein Studienjahr in Deutschland zu absolvieren. Auf die neue Fremdsprache hatte sich Shirin Marboot zwei Jahre lang im Goethe-Institut in Teheran vorbereitet.

Nach erfolgreich beendetem Studiengang in Jülich lässt sie nun, ebenfalls an der FH-Abteilung Jülich, noch ihren Master folgen. Allerdings verlegte die in einer Millionenstadt aufgewachsene junge Frau ihren Wohnsitz nach Aachen, „in eine richtige Stadt” mit Nachtleben. Dort wohnt sie in einer internationalen WG.

Seit Anfang Januar arbeitet Shirin Marboot neben dem Studium als Hilfswissenschaftlerin in einem Labor der RWTH Aachen, nachdem sie zunächst von der elterlichen Unterstützung und einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) profitiert hatte.

Von Kleiderordnung befreit

Nach weiteren zwei Jahren möchte die junge Frau unbedingt wieder im Iran leben. Als sie gemeinsam mit 29 befreundeten iranischen „Maschinenbauern” - darunter acht Frauen - nach Deutschland kam, fand sie die neu gewonnene Freiheit außerhalb irgendwelcher Bekleidungsvorschriften einfach „toll”. Nach einem Monat setzte das Heimweh ein, womit sie nach wie vor zu kämpfen hat. Hinzu kommen die Sprachschwierigkeiten, „in Englisch habe ich leichter gelernt”. Auf der anderen Seite fällt ihr hier „die Praxis leichter”, das „besonders praxisorientierte FH-System” liegt ihr.

Gibt es im Iran auch Fachhochschulen? „Ja, die gibt es, aber im Iran interessiert sich niemand dafür”, meint die Studentin. Weiterhin schildert sie einen „großen Andrang mit geringeren Erfolgschancen” an iranischen Universitäten. Allerdings möchte sie eine falsche deutsche Einschätzung gerade rücken: „Inzwischen hat sich die Ausbildungssituation für Frauen im Iran entscheidend verbessert. Es studieren etwa genauso viele Frauen wie Männer” weiß die junge Iranerin.

Für strebsamer und interessierter an einem Studium hält sie eindeutig die Frauen. Shirin Marboot hat zwei Schwestern, eine ist in einer iranischen Firma tätig, die andere studiert „economics” in Schweden. Demnach entstammt die junge Frau einer weltoffenen Familie, die Wert auf Einblicke in andere Kulturen und Wirtschaftssysteme nehmen möchte. Zum Jahreswechsel ist Shirin Marboots Mutter für einen Monat nach Jülich zu Besuch gekommen. Auch ein Stück Heimat.
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