Jülich - Das Gästehaus und ein „Delta”

Das Gästehaus und ein „Delta”

Von: Volker Uerlings
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Diese Radrunde vom Lindenrondell zu Sportplätzen und Stadionbrücke wird es mit Gästehaus nicht mehr geben. Links vom Weg sollen der neue Parkeingang und Gebäude entstehen. Foto: Uerlings

Jülich. Exakt am Dienstag wurde der Bau eines Jugendgästehauses in Jülich „mit allem Pipapo” europaweit ausgeschrieben. Sechs Stunden vorher, am Montagabend, erhielt der gesamte Jülicher Stadtrat Kenntnis von den weit gediehenen Plänen.

Der „große Bahnhof” im Ratssaal überraschte auch manchen Politiker: Neben der Jülicher Verwaltungsspitze saßen die Führungsmannschaft der Indeland GmbH und die Park-Geschäftsführung.

Die beiden Architekten Walter Jartschitsch und Herwig Moosbrugger aus Graz (Österreich) präsentierten endlich anschauliche Schaubilder von einem Projekt, über das bislang vor allem geredet worden war. Viel Aufwand für einen Tagesordnungspunkt, der kurzfristig und erstmals öffentlich im Rat behandelt wurde. Die für den nächsten Tag geplante Ausschreibung erklärt Eile und Mühe.

Was soll am Park genau geschehen? Der Haupteingang wird nach Darstellung von Walter Jartschitsch neben das Lindenrondell verlegt. Dort befindet sich derzeit - links vom Weg zum Stadion - ein „Jungwald”, der weichen müsste. Der Eingriff in die Landschaft wird an anderer Stelle in der Stadt (Ruraue) kompensiert.

Hinter einer großen Freifläche vor den Kassen schließt sich ein Gebäude-Trio an, das links die gewünschte „Indoor”-Halle in Form eines Pavillons über mehrere Etagen, in der Mitte ein 160-Betten-Gästehaus und rechts ein Bildungshaus vorsieht. Alle Bauten sind über den Kassenbereich vorab miteinander verbunden.

„Krähennest und Skywalk”

Der Pavillon soll mehrere Spiel- und Lern-Stationen zum Thema Energie beinhalten, die junge Besucher in den Bann ziehen. Was genau, steht noch nicht fest. Das Haus bietet aber auch reichlich Gelegenheit, Energie zu verbrennen. Über eine spindelartige Treppe erreichen Besucher das „Krähennest” hoch oben. Wer genügend Mut aufbringt, geht wie ein Hochseilartist über einen „Skywalk” gleich unter der Dachkuppel. Runter geht´s schneller: über eine gewundene Rutsche.

Das Gästehaus verfügt über eine ebenerdige Gastronomie. Die 50 Zimmer haben 2- bis 3-Sterne-Standard mit zwei, drei oder fünf Betten, Balkon und Dusche/WC.

Das Bildungshaus beherbergt im ersten Stock die Beschäftigten der Brückenkopf-Park GmbH, die auch die städtische Kulturarbeit leisten - in zehn Büros. Damit hätte das Dasein in den moroden Containern ein Ende. Im zweiten Geschoss befinden sich Seminarräume, die zum Beispiel die „Klassenzimmer”-Angebote des Parks aufnehmen und sicher auch extern gebucht werden können.

Wer soll das bezahlen? Diese Frage bewegte viele am Montag. Nach Beschlüssen von Stadtrat, Kreistag und Indeland-Aufsichtsrat steuert die öffentliche Hand eine Mitgift von mindestens drei Millionen Euro bei - 1,5 Millionen die Stadt, Kreis und Indeland die andere Hälfte. Auch ein Privatinvestor hat - wie berichtet - angekündigt, eigenes Geld in die Hand zu nehmen, was allerdings jetzt erst bei der Ausschreibung verbrieft wird. In Rede steht ein Betrag von deutlich mehr als zwei Millionen Euro. Da aber geschätzte Gesamtkosten von acht Millionen Euro anfallen, entsteht ein „Delta”. Wie groß das ist, ist laut Landrat Wolfgang Spelthahn erst klar, wenn die Angebote im Rahmen der europaweiten Ausschreibung vorliegen.

Gemeinsam mit Bürgermeister Heinrich Stommel verwies Spelthahn mehrfach auf den Schulterschluss von Stadt und Region bei der Finanzierung. Auf zahlreiche Fragen vor allem der Bündnisgrünen zum „offenen Delta” entgegnete Spelthahn, das auch noch weitere Mittel akquiriert werden sollen: von Sponsoren (zum Beispiel RWE Power) und unter Umständen auch der öffentlichen Hand über die in Kürze in Jülich entstehende Innovationsagentur für das Braunkohlerevier. Bevor aber Externe Zusagen machten, müssten sie die Pläne und Voraussetzungen kennen. Daher und wegen der hohen Summe von Stadt und Kreis sei eine europaweite Ausschreibung unerlässlich. Danach wird deutlich, wieviel auf die drei Millionen Euro draufgelegt werden muss.

Spelthahn hatte sich vom Rat ein positives Signal erhofft. Eine Entscheidung brauchte er nach Beschlusslage nicht. Von Teilen des Rates gab es dieses Signal - wie CDU, Jül und dem parteilosen Christian Klems: „Wir schaffen es, wirklich jedes Projekt in Jülich zu zerreden.” Das sagte er an die Adresse derer, die viele kritische Fragen gestellt hatten.

Franz-Joseph Schroeder (Grüne) entgegnete, dass ohne das Engagement seiner Partei keine öffentliche Information erfolgt wäre. Für Ende März ist eine weitere Infoveranstaltung geplant - wie ebenfalls von den Grünen beantragt.
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