Jülich - Das Eynevolk herrscht über Ostern in der Zitadelle

Das Eynevolk herrscht über Ostern in der Zitadelle

Von: ptj
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Schaukampf in der Zitadelle: Ritter Norbert von Thule (l.) schwingt sein Schwert gegen Lutherius von Limburg. Foto: Jagodzinska
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„Zuberkönig“ Mariö entspannt nach getaner Arbeit beim mittelalterlichen Zubern. Spanner müssen einen „Spanntaler“ zahlen. Foto: Jagodzinska

Jülich. Zu Ostern wurde die einstige Herzogstadt erneut belagert, und zwar von den verschiedenen Gruppierungen des mittelalterlichen „Eynevolks“, etwa 80 Personen aus der kompletten Euregio, zu denen auch die Veytaler Ritterschaft zählt.

„In erster Linie zählt hier die Gruppe, wir stehen alle dahinter“, sagte Frank Thyssen. Angeführt wurde das ganze Lager aber vom stolzen „Prinzen“, dem Ritter Norbert von Thule, den erst „jenseits des 40. Lebensjahres der Ruf ereilte, als Ritter die Lande zu durchstreifen, die Schwertkunst zu erlernen und das Volk zu belustigen“.

Heute ist er einer der Ausbilder dieser Kunst und Vorbild für alle Knappen des dritten Ordens der Veytaler Ritterschaft. Bei den Schwertkampfvorführungen zeigte er gerne in mittelalterlicher Montur, was er im Duell mit dem Schaukampfschwert drauf hat. Während von Thule mit Topfhelm, Handschuhen, Kettenhemd und Metallschultern kämpfte, begnügte sich sein Gegner Lutherius von Limburg mit Handschuhen und einer gesteppten „Gambeson“, einem textilen Rüstungsteil, unter seinem Wappenrock. Historisch belegt ist aber auch die Entwicklung der Körperrüstung, je nach Zeitfenster, Region und finanzieller Situation des Ritters.

Ein Hingucker für die vielen Besucher und von der eigenen Ritterschaft fleißig genutzt wurde der „Zuber“, eine aus zwei großen halbierten Weinfässern gefertigte Holzwanne, die mit Teichfolie und einem Leinentuch ausgelegt ist und 900 Liter Wasser fasst. Als Heizung dient eine Blechwanne mit integriertem Kohlenfeuerbehälter und Rauchabzug hinter dem mittelalterlichen Badezelt. Weil viele Leute gerne einen Blick in das Zuberzelt werfen, entstand der Begriff „Spannertaler“. Spanner müssen also einen Taler zahlen, der wiederum in Bier bei der abendlichen Entspannung im Zuber investiert wird.

Wanderhexe

Osterkommerz kann man dem „Eynevolk“ indes nicht vorwerfen. Verkaufsstände gab es nicht. Preise für Essen und Trinken waren kaum mehr als kostendeckend, alles andere wie Ponyreiten oder ein Besuch beim zaubernden „Magus Antonius“ wurden gegen eine freiwillige Spende angeboten. Auch bei der Wanderhexe „Larimar von Feenstein“ war kein Preisschild zu finden. Die Wanderhexe fungiert als Lebensberaterin und als „Schreibmedium in Kontakt mit Verstorbenen“. „Es ist kein Hokuspokus dabei“, versicherte Larima. Der Test, der „gar nicht weh tut“, ist schnell gemacht. Ob man der Hexe Glauben schenkt oder nicht, mag jeder Gast für sich selbst entscheiden.

Zur Ritterschaft zählt ebenfalls Tanzmeister „Denesius vom Vogelsberg“, der sich gerne mit seinem Gefolge „aus blutjungen Frauen“ umgibt. Oder Falkner Detlef Kerkmann mit seiner über 20 Jahre alte Habichtdame Zola, die sich auf der Jagd als Kleintierfängerin auszeichnet.

In den vielen mittelalterlichen Zelten des „Eynevolks“ waren natürlich auch Taverne und Teestube zu finden. Gekämpft wurde nüchtern, nach getaner Arbeit erprobten sich die Ritter auch gelegentlich im Kampftrinken. Waffen- und Handwerksdemonstrationen wie Bronzeguss oder die Seilherstellung aus Hanf und Sisal als Beschäftigung für Besucherkinder rundeten das mittelalterliche Ostern ab. Das „Eynevolk“ zeigte sich mit der Besucherresonanz rundum zufrieden.

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