Das Ende einer Schießsport-Ära beim Pol-TuS Linnich

Von: hfs.
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Mittlerweile ist das Tor der ehemaligen Polizeischule defekt und steht Jedermann offen. Die Zugänge zu den insgesamt vier Schießhallen sind allerdings abgesperrt. Foto: hfs.

Linnich. Wenn sich am 24. Januar im Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde die Mitglieder des Polizei-TuS Linnich treffen, dann stehen neben Regularien wie Ehrungen und Wahlen auch die Tätigkeitsberichte der einzelnen Abteilungen an.

Es werden die Badminton- und die Handballspieler berichten, die Leichtathleten, Turner sowie die Jiu-Jitsu-Abteilung. Schweigen werden indes als eine von bisher neun Abteilungen die Sportschützen.

Die übermittelten der Öffentlichkeit jüngst ihren letzten Bericht nach 52-jähriger Zugehörigkeit zum Pol-TuS Linnich. In dem ist von Schießstandsperrungen ebenso die Rede wie von Querelen, es werden Mutmaßungen geäußert sowie Vorwürfe an politische Entscheidungsträger und das Verhalten des Hauptvereins wird kritisiert. Überschrift: Ende einer Ära.

Kurt Fischer, der Anfang 2010 verstorbene jahrzehntelange Vorsitzende der Sportschützen, mehr als 15 Jahre zweiter Vorsitzender des Gesamtvereins, würde sich im Grabe drehen, hätte er die Ereignisse der letzten Monate miterleben müssen.

Er war es, der 1952, als mehr als 300 junge Polizeibeamte in Linnich in die dortige Polizeischule zur Ausbildung einrückten, nach einer sportlichen Betätigung in ihrer Freizeit suchten, die Fusion des Vereins aus dem Jahre 1906 mit der Bereitschaftspolizei einleitete. Es wurde über die Jahrzehnte eine mehr als nur fruchtbare Fusion, sportlich waren die Sportschützen das Aushängeschild des Polizei-TuS Linnich.

Ob bei Polizei-Landesmeisterschaften oder die des Rheinischen Schützenbundes, ob bei der eigenen Ausrichtung der Landesmeisterschaften des Bundes der Militär- und Polizeischützen. Oder die unzähligen Meistertitel und Erfolge bei Kreis-, Bezirks-, Landes- oder Deutschen Meisterschaften - die Linnicher Sportschützen standen fast immer auf dem Siegerpodest.

Die Abteilung stellte Teilnehmer bei Europa-und Weltmeisterschaften, entsandte sogar Funktionäre zu den Olympischen Spielen 1972 in München. Mit einer 200 Meter langen Schießhalle verfügten die Sportschützen zudem über eine der modernsten Schießsportstätten in Europa. „Aus und vorbei”, sagt Christoph Tielens vom Abteilungsvorstand der Sportschützen.

„Nach 52 Jahren verlassen die letzten aktiven Sportschützen, die mit ehemals über 400 Mitgliedern größte Abteilung, den Pol-TuS”, ergänzt er. Und blickt 13 Jahre zurück, als nach Meinung der Sportschützen der Niedergang „durch Schießstandsperrungen und Querelen mit der zuständigen Liegenschaftsverwaltenden Polizeibehörde” begann.

Hinzu, so sagen die Sportschützen, kamen willkürliche Zugangsregelungen. „Schwer behinderte Vereinsmitglieder konnten kaum noch die Schießhallen erreichen, Tore blieben verschlossen oder waren schlicht wegen Defekten nicht zu öffnen”, beschreibt der Abteilungsvorstand, der ergänzt, „dass wir Schützen aus Sicherheitsgründen nur noch wenige elektronische Zugangsberechtigungen bekamen”.

Flucht in andere Vereine

Doch diese Bedenken gelten seit einigen Monaten nicht mehr. „Das Zugangstor ist defekt, jetzt kommt Jedermann rund um die Uhr in die Polizeischule”, sagt Tielens. Doch dies interessiert die Sportschützen nicht mehr, viele haben sich längst andere, funktionierende Vereine gesucht. Schon alleine deshalb, weil die Behörden in den letzten Jahren mehr und mehr die Nutzung der Schießstände eingeschränkt hätten.

„Die mit vielen Steuergeldern errichtet 200 Meter-Halle wurde dem Verfall preisgegeben. Sie eignet sich heute vielleicht noch zur Pilzzucht, ein Betreten der riesigen Halle ist wegen erheblichen Schimmelbefall gesundheitsgefährdend”, umschreibt die ehemalige Pol-TuS-Abteilung den Ist-Zustand, der schon seit über zehn Jahren den Sportbetrieb dort unmöglich macht.

Sogar „Rettungsangebote” soll die Behörde damals ausgeschlagen haben. Zum Beispiel das undichte Dach von darauf wachsenden Bäumen zu befreien. Auch sollen immer neue, teilweise unverständliche Auflagen gemacht worden sein, Auflagen, so die Sportschützen, „die wir finanziell nicht mehr erfüllen konnten und wollten.”

Die Versuche der Abteilung, auf politischer Ebene Fürsprecher zu finden, seien in Lippenbekenntnissen geendet. „Wir wurden leider regelmäßig enttäuscht”, so Christoph Tielens, der auch das Verhalten des Hauptvereins kritisiert. „Der hatte an einer aktiven Weiterführung unserer Abteilung kein Interesse, wir haben keinerlei merkbare Reaktionen festgestellt.”

Die kämen erst jetzt, wo feststeht, dass sich die Sportschützenabteilung auflöst. „Der Hauptverein bekundet jetzt Interesse an unseren Sparbüchern und finanziell attraktivem Nachlass”, heißt es.

Mit einem Dankeschön an viele Polizisten und Angestellte der ehemaligen BPA IV für die jahrelange Unterstützung bedankt sich die Sportschützenabteilung in ihrem Schlussbericht getreu dem Motto: „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.”

Rudi Klein, Pressesprecher und gleichzeitig zweiter Vorsitzender des Hauptvereins - der Posten des Vorsitzenden ist seit dem Rücktritt von Jann Habbinga nach nur acht monatiger Tätigkeit in 2010 vakant - relativiert die Vorwürfe, weist sie zurück, bezeichnet sie sogar teilweise als blödsinnig. „Fakt ist, dass hauptsächlich behördliche Auflagen den Sportbetrieb zum Erliegen brachten.”

Schießanlage geschlossen

So seien in einer der noch drei verbliebenen Schießhallen die baulichen Mängel zwar beseitigt worden, es wurde auch eine Wiedereröffnung gefeiert. „Doch beim zweiten Besuch des Sachverständigen stellte der in den Sandfängen für die Geschosse große bleihaltige Rückstände fest, die noch aus alten Zeiten stammten, als die Polizei ebenfalls dort trainierte.”

Daraufhin, so Klein, wurde die Schießanlage sofort wieder geschlossen, es durften weder die Linnicher Sportschützen, noch Polizeibeamte oder die Beamten vom Zoll dort üben. Klein: „Es gibt schon seit vielen Jahren einen Erlass in NRW, dass nicht mit bleihaltiger Munition geschossen werden darf. Der wurde ab 2010 auch in Linnich strikt befolgt.”

Polizeibeamte schießen schon sehr lange bleifrei. „Aber eine solche Munition ist irre teuer, zudem kommen wir an die nicht heran. Auch nicht über unseren Dachverband”, erklärt Klein, der anfügt, „dass unsere Sportschützen die auch nicht wollten, weil sie damit nicht präzise genug treffen.”

Dass Angebot, in der zweiten automatischen Halle - die Sportschützen sprechen hier von einem Schießkino - mit Druckluftgewehren zu trainieren, wurde laut Klein von den Sportschützen abgelehnt. Der vor rund vier Jahren angedachte Bau einer eigenen Halle wurde „gemeinsam mit der Schießsportabteilung verworfen, weil er nicht zu finanzieren war”.

Was die Rückgabe der Sparbücher betrifft, spricht Rudi Klein schlicht und einfach von blödsinnigen Behauptungen. „Dies ist so genanntes Abteilungsgeld, das den Sportschützen, wie jeder anderen Abteilung auch, zu Beginn eines jeden Jahres überwiesen wurde, um davon die laufenden Kosten zu bezahlen. Natürlich muss dieses zurückgegeben werden, weil es dem Hauptverein gehört. Und der so genannte Nachlass wie Druckluftgewehre oder Kompressoren wurde von uns ja auch bezahlt, und wurde natürlich veräußert. Denn seit 1. Januar 2012 gibt es leider Gottes, und dies bedauern wir sehr, keinen Betrieb mehr bei den Sportschützen. Aber die Abteilung ruht, sie ist nicht aufgelöst worden.”
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