Das Eichhorn-Logistikzentrum bleibt vielen zu hoch

Von: Volker Uerlings
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Die alte Simulation des Kirchberger Ortseingangs (Blick von Jülich): Das Hochregallager links soll um 5 Meter auf 35 Meter Höhe reduziert und die Brücke flacher werden: 4,60 statt 8 Meter. Foto: Stadt Jülich/Eichhorn
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„Die Bagger stehen parat“, sagte ein Firmenvertreter: Ab Montag soll die Ruinen der alten Papierfabrik Eichhorn abgerissen werden. Foto: Uerlings

Jülich. Die geplante Erweiterung des Wellpappenwerks Eichhorn in Kirchberg ist seit Monaten umstritten. Die Bürgerinitiative Zukunft Kirchberg lehnt bestimmte Bauten des Logistikzentrums ab. Am Donnerstagabend sollte sich die Jülicher Politik wenigstens formal positionieren und den Einstieg in das Bebauungsplanverfahren empfehlen.

Der Ausgang dieses Verfahrens sei nach Ansicht des Jülicher Beigeordneten Martin Schulz „völlig offen, niemand weiß, wie es ausgeht“. Um alle Fragen und natürlich auch alle kritischen Punkte zu beantworten und zu klären, rate die Verwaltung, das Verfahren anzustoßen. Das hat aber auch der Planungsausschuss am Donnerstag nicht getan, vor sicher weit über 100 Gästen – teils mit Plakaten. Nun soll das der Stadtrat erledigen – oder auch nicht.

Inzwischen gibt es eine veränderte Faktenlage. Das ursprünglich mit 40 Metern Höhe geplante Hochregallager soll um fünf Meter „schrumpfen“. Auch die Brücke über die Haupteinfallstraße nach Kirchberg soll in der Höhe reduziert werden: von 8 auf 4,60 Meter Außenhöhe. Das erklärte der Technischer Leiter der Eichhorn KG und sieht darin einen „Kompromiss“. Die Reaktionen aus dem Publikum in den brechend vollen Sitzungssälen des Neuen Rathauses lassen nur den Schluss zu, dass die Bürgerinitiative das wohl nicht als Entgegenkommen betrachtet.

Macht „ziemlichen Lärm“

„Wir sind Kirchberg“ oder „Zukunft statt Industrieghetto“ sowie „Stoppt gigantisches Logistikzentrum“ war auf Transparenten zu lesen. Ortsvorsteher Hellmuth Kieven (CDU), in der Bürgerinitiative engagiert, sagte im Ausschuss zur geplanten Erweiterung: „Das alte Gelände ist groß genug. Die Wellpappenanlage sollte bleiben, wo sie ist. Sie macht einen ziemlichen Lärm.“ Eichhorn will auf der von Jülich aus linken Seite expandieren und die Produktion rechts mit der Logistik links per Brücke verbinden. Ein Tunnel komme nicht in Frage, hat ein Fachbüro (im Auftrag von Eichhorn) per Voruntersuchung ermittelt.

Die SPD warf im Ausschuss Fragen auf – unter anderem zum Bestands- und Denkmalschutz des Mühlenteiches, der verlegt werden müsste. Fraktionschef Harald Garding sagte, man „sollte die linke Seite nicht verteufeln“, denn sie habe wenigstens den Vorteil, dass sie weiter weg vom Dorf liege.

Während die Sozialdemokraten noch unentschlossen wirkten, tendierten Union und FDP für einen Einstieg ins Verfahren. Erich Gussen (CDU) gab sich optimistisch, dass dann nämlich eine „Reduzierung der Ausmaße erreicht werden kann“. Er sprach von einem „Baukörper mit enormer Außenwirkung“.

Demgegenüber lehnten die Grünen in Gänze und für die UWG Jül Matthias Hoven den Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan ab. Jürgen Laufs (Grüne) sagte zur Bebauung auf der linken Seite: „Dann sind wir ganz nah an einem Landschaftsschutz- und einem FFH-Gebiet. Wir wollen das gar nicht auf dieser Seite.“ FFH: Flora-Fauna-Habitat/spezielle Schutzgebiete. Matthias Hoven (Jül): „Wenn der ernsthafte Wille besteht, kann man die Erweiterungspläne auf dem Altgrundstück verfolgen.“

Dazu müsste vor allem die Ruine der früheren Eichhornschen Papierfabrik abgerissen werden. Das steht laut einem Firmensprecher bevor: „Die Bagger stehen parat. Am Montag fangen sie an.“ Bis Jahresende will die Eichhorn KG auf dem Areal erste Gebäude errichten. Der Technische Leiter als auch Geschäftsführer Hellmuth Eichhorn widersprachen der Mutmaßung, dass ein Logistikzentrum automatisch zu mehr Anlieferverkehr führe. Durch die derzeit eben suboptimale logistische Lösung komme es zu zahlreichen unnötigen Fahrten, die dann entfallen.

Hellmuth Eichhorn versuchte, das Firmenvorhaben einzuordnen: Jülich und Kirchberg seien seit 150 Jahren von Industrie und Gewerbe geprägt. „Das hat Wohlstand in die Region gebracht.“ Das Lager der Zuckerfabrik Jülich sei 65 Meter hoch, während unmittelbar daneben Menschen wohnen. „Was wir planen, ist gerade halb so hoch.“

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