Jackerath - Das Dorf am Rand nimmt sein Schicksal in die Hand

Das Dorf am Rand nimmt sein Schicksal in die Hand

Von: hfs.
Letzte Aktualisierung:
12923039.jpg
Wolfgang Sieben ist Vorsitzender des Vereins „JA!ckerather Dorf-Forum“, dessen erste Aufgabe darin bestand, einen Ortseingang mit einem schönen Stein-„Kreisel“ und einer Grünfläche zu verschönern. Foto: hfs.

Jackerath. Vor anderthalb Jahren hat das Projekt „Dorfwerkstatt“ – initiiert vom Kreis Düren – auch im Titzer Ortsteil Jackerath eine Bewegung angestoßen. Das Dorf hat eine besondere Lage: am Rande des Tagebaus Garzweiler, am Rande des Kreises Düren und gleich neben einer langwierigen Autobahn-Baustelle, bei der das „Kreuz Jackerath“ wieder hergestellt wird.

Die Dorfwerkstatt machte nur einen Tag Station, „doch daraus hat sich dann der Verein JA!ckerather Dorf-Forum e.V.“ entwickelt“, sagt Vorsitzender Wolfgang Sieben nicht ohne Stolz. „Schließlich haben wir jetzt 55 Mitglieder, und bei einer Einwohnerzahl von knapp 800 ist das schon enorm.“

Dass der Verein von den Ideen, die damals zu Papier gebracht wurden, profitiert hat, unterstreicht Sieben. Besonders hoch auf dieser Ideen-Agenda stand das Dorferscheinungsbild. „Die Einfahrt zu einem Dorf ist doch das Aushängeschild“, meint nicht nur Sieben. Dem können sich der Vorstand, Mitglieder und auch Ortsvorsteher Arthur Faulhammer nur anschließen.

Regelmäßig treffen sich die Jackerather Aktivposten bei Vorstandssitzungen, die in den letzten Wochen fast nur ein Thema hatte. „Wie gestaltet man die Ortseinfahrt von Titz kommend so, dass sie einladend wirkt?“ Das eine Lösung gefunden wurde, lässt sich schon erkennen. Auch wenn angesichts der Temperaturen eine Bepflanzung des „Steinrings“ noch nicht stattfinden konnte, dürfte sich dies spätestens zur Kirmes in der nächsten Woche geändert haben.

„Natürlich hatten wir zahlreiche Helfer“, sagt Sieben und weist zum Beispiel auf etliche tonnenschwere Steinkolosse hin, die dem ganzen Projekt etwas Nachhaltiges verleihen. Sozusagen als Monument bereichern sie einen Kreisel, der von Bäumen umgeben ist, und mit einer Sitzbank zudem eine Ruhemöglichkeit bietet. Von dort kann der Blick des Betrachters ins „Umfeld“ schweifen. Das wird stark geprägt vom Tagebau Garzweiler, der nicht nur bei der „Werkstatt“ Anlass für Ideen und Vorschläge war. Deren Umsetzung sei aber „für uns als Verein nicht machbar sind. Wir können nur anregen, mit dem Tagebaubetreiber Gespräche zu führen und Beschwerden, die an uns herangetragen werden, weitergeben“, sagt der Vorsitzende.

Das gilt auch jetzt im Zuge der Arbeiten am Autobahnkreuz. „Die Leute beschweren sich über die momentanen Geräusche, die nachts zu hören sind. Auch ist der Feinstaub ein großes Problem“, beschreibt Sieben die meistgenannten Kommentare.

Der „JA!ckerather Dorfverein“ werde sich inhaltlich nun auf die Themenbereiche Jugend und Personen-Nahverkehr konzentrieren. Darüber hinaus sei es eine Selbstverständlichkeit, Pflegemaßnahmen an Beeten und Pflanzenrabatten anzugehen – „die drei Leute vom Titzer Bauhof schaffen dies einfach nicht“, erklärt Wolfgang Sieben.

„Einmal im Monat sind wir vor Ort, aber wir haben keinerlei Patenschaften übernommen“, betont der Vorsitzende. Einen Frühjahrs- und einen Herbstputz im Dorf werde es geben, die jeweils viele helfende Hände erfordern. „Über Flyer und Mitteilungen wird informiert, über Zuspruch können wir nicht klagen.“ Auch auf die Unterstützung der Dorfvereine – Sportverein, Feuerwehr und Marinespielmannszug – konnte sich die neue Vereinigung verlassen.

Vor einiger Zeit wurde in Jackerath der „Erdinger-Stammtisch“ ins Leben gerufen. „Ein lockerer Zusammenschluss“, sagt Sieben und lacht. Auch der fühlte sich im Rahmen der Dorfverschönerungs-Maßnahmen angesprochen und übernahm die Pflege einer kleinen Fläche in der Ortsmitte. Als die Brauerei, zu der lockere Kontakte bestehen, davon erfuhr, hat sie sich im kleinen Rahmen beteiligt.

Dem Dorf-Forum schweben noch viele Ideen und Projekte vor. „Wir dürften noch einiges an Arbeit haben“, sagt der 53-Jährige. Als Beispiel nennt er die unbefriedigende Parkplatzsituation im Ort, der man sich mit Hilfe der Gemeindeverwaltung annehmen möchte. Auch die künftige Entwicklung von Jackerath beschäftigt den Verein, der hier den engen Schulterschluss mit der Verwaltung sucht. „Da haben wir bisher jegliche Unterstützung erhalten“, bedankt sich Wolfgang Sieben ausdrücklich bei Bürgermeister Jürgen Frantzen.

Der habe es mit seinen Mitarbeitern erst ermöglicht, dass zum Beispiel die „steinerne“ Ortseinfahrt in der jetzigen Größe angelegt werden konnte. Die Grundstücksfrage wurde gleich geklärt, es gab engen Kontakt mit RWE. So war die Beschaffung der schweren Steine kein Problem, auch nicht deren Transport und Rückung. Die übernahm ein ortsansässiger Landwirt mit seinen schweren Gerätschaften. Ein Fachmann pflanzte die Baumsetzlinge und übernahm die Rasen-Einsaat.

Das Grün ist üppig gewachsen. „Leider wird die Fläche vermehrt durch Hundekot verschmutzt.“ Sieben bittet darum, dass all Hundehalter das gemeinschaftliche Bewusstsein aufbringen, das aus der Dorfwerkstatt entstanden ist.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert