Jülich/Paris - Dank Rubens hängt Jülich im Louvre

Dank Rubens hängt Jülich im Louvre

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
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„Der Triumph von Jülich“ (Ausschnitt) zeigt Maria de’ Medici (1565-1642) auf einem Schimmel. Die Frau des französischen Königs Heinrich IV. ist vor der eingenommenen Stadt Jülich gezeigt. Abbildung: Museum Louvre/Paris
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So sehen die Louvre-Besucher Jülich: Der Hexenturm ist rechts neben dem Pferd zu erkennen, dahinter der Schatten einer Kirche. Die Frage, von wo aus Rubens die Stadt gemacht hat, erübrigt sich. Er war nie in Jülich, sondern nutzte ein Flugblatt als Vorlage. Abbildung: Museum Louvre/Paris

Jülich/Paris. Zwei Meisterwerke der Kunstgeschichte mit Jülicher Motiven hängen im bekanntesten Museum der Welt, dem Louvre in Paris. Das eine ist das Porträt der Anna von Kleve, Königin von England und ältere Schwester des Herzogs Wilhelm V., des mächtigsten Jülicher Herrschers. Das andere stammt aus dem Pinsel des niederländischen Großmeisters Peter Paul Rubens.

Es ist 3,95 mal 2,95 Meter groß und trägt auf Deutsch den Titel „Der Triumph von Jülich“. Der Hexenturm und mutmaßlich die Propsteikirche sind im Hintergrund als Kulisse des Meisterwerks zu sehen. „Rubens hat es mit Jülich nicht so genau genommen“, sagt der Jülicher Historiker Guido von Büren. Trotzdem ist das Bild Beweis für die Bedeutung, die Jülich in der frühen Neuzeit in ganz Europa als Festungsstadt zugekommen ist.

Das Hauptmotiv ist Maria de’ Medici (1565-1642) auf einem Schimmel. Maria aus dem berühmten italienischen Haus der Medici war die Frau des französischen Königs Heinrich IV. Französische Truppen waren 1610 an der ersten Belagerung Jülichs beteiligt, die im Rahmen des Jülich-Klevischen Erbfolgestreits stattfand. Johann-Wilhelm, der letzte Jülicher Herzog, war ohne männlichen Erben gestorben.

Der Kurfürst von Brandenburg und der Herzog von Pfalz-Neuburg beanspruchten das Erbfolgerecht für sich, der deutsche Kaiser Rudolf II erkannte das nicht an und entsandte seinen Neffen Leopold nach Jülich, um die Festung zu sichern. Vorher hatte Johann von Reuschenberg in Rudolfs Namen Jülich besetzt. Leopold nahm Reißaus, noch bevor die Truppen der Belagerer aus England, Frankreich und den Niederlanden – die den Anspruch Brandenburgs und Pfalz-Neuburgs unterstützten – in Jülich eintrafen.

Nach einem Monat gab Reuschenberg auf. „Das wurde in ganz Europa beobachtet. Jülich galt als uneinnehmbar“, sagt von Büren. Die Koalition der Sieger – protestantisch geprägt – legte eine Gedenkmünze nach dem Sieg über die katholischen Widersacher auf. „Nihil inexpugnabile“ – nichts ist uneinnehmbar – stand darauf. Ein Flächenbrand sei nur deshalb nicht ausgebrochen, weil Marias Mann Heinrich IV. kurz vor der Belagerung ermordet wurde.

1621/22 wurde Jülich wieder belagert, diesmal tobte der 30-jährige Krieg, diesmal vertrieben spanische Truppen niederländische Einheiten nach fünf Monaten aus Jülich. „Auch das wurde europaweit beachtet. Jülich galt als strategisch wichtige und mächtige Festung“, schildert von Büren. Im Zuge dieser Belagerung wurden Flugblätter angefertigt.

Eines dieser Flugblätter muss Rubens in Antwerpen in die Hände gefallen sein, er nutzte es als Vorlage für das Bild „Der Triumph von Jülich“, um die Kulisse der Stadt zu malen. Das Bild war eines von 24 aus Rubens Medici-Zyklus, bei dem er zwischen 1622 und 1625 in Marias Auftrag Stationen ihres Lebens nachzeichnete.

Marias Sohn Ludwig XIII. regierte ab 1617, Maria zog sich zurück und staffierte ihren Palast mit Rubens Bildern aus. „So wie man heute Bilder auf dem Tablet speichert, um anderen sein Leben zu zeigen, so hat Maria das mit Rubens Bildern gemacht“, schildert von Büren.

Dass sie selbst bei der Einnahme Jülichs 1610 nur eine kleine Rolle gespielt hatte und dass sie sich als überzeugte Katholikin auf dem Gemälde im Glanz des Sieges der Protestanten sonnte, störte sie dabei wenig. Hauptsache, sie kann sich als Sieger über die mächtige Festung Jülich feiern lassen.

Die ist im Übrigen überhaupt nicht auf dem Bild zu sehen. Es zeigt die Altstadt mit Hexenturm und einer Kirche im Hintergrund, vermutlich der Propstei. „Schon die Vorlage, die Rubens genutzt hat, zeigte Jülich sehr fantasievoll, aber keinesfalls originalgetreu“, sagt von Büren.

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