Jülich - Dank der Bank: Zusammenhalt auf der Mariengartenstraße

Dank der Bank: Zusammenhalt auf der Mariengartenstraße

Von: hfs.
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Nicht immer ist die Holzbank am Ende der Mariengartenstraße so umlagert, wie nun beim Straßenfest. „Aber um die zehn bis zwölf Bänker sind immer freitags anzutreffen“, verrät Andrea Schneiders (r. auf der Bank). Foto: hfs.

Jülich. Sie nennen sich zwar „Bänker“, haben aber auch absolut nichts mit dem Berufsstand im Finanzsektor zu tun. Die Namensgebung ist schlicht und einfach der Tatsache geschuldet, dass im Wendehammer der Jülicher Mariengartenstraße eine Holzbank steht. Die ist mittlerweile zum Dreh- und Angelpunkt des gesellschaftlichen Miteinanders der Anwohner geworden.

Jeden Freitag ab 18 Uhr wird sie „besetzt“ oder belagert, die Witterung spielt dabei absolut keine Rolle. „Wir sind da“, sagt Andrea Schneiders, die vor mehr als einem Jahr zusammen mit Nachbar Stefan Selbach einen alten Brauch wiederbelebte, der früher in vielen kleineren Dörfern gang und gäbe war.

„Früher hat man sich im Dorf an einer Bank getroffen, hat geklönt, hat einfach den Kontakt mit den Bewohnern gesucht. Und wenn es keine Bank gegeben hat, dann hat man einen Stuhl vor die Haustür gesetzt, hat die Treppenstufen in Beschlag genommen, hat einfach erzählt, hat zugehört.“

Gerne erinnert sich Andrea Schneiders an ihre Kindheit, besonders jetzt, wo die Bank am Ende ihrer Heimatstraße zum Mittelpunkt geworden ist. Selbst gekauft und aufgestellt fanden sich schnell Gleichgesinnte, die wie sie dachten. In vielen Gärten ist die hölzerne Gartenbank das Stilmittel schlechthin. Zumeist von Blumen oder Rabatten umgeben, ist es jener Ort, wo man sich erholt, Zeit für Nachdenken hat, wo man alleine mit seinen Gedanken bleibt. In der Mariengartenstraße allerdings verläuft dies etwas anderes.

„Natürlich ist derjenige, der zuerst die Bank belegt, eine gewisse Zeit alleine. Viel Zeit zum Überlegen bleibt nicht, denn schnell hat man jemand zur Seite sitzen, schnell hat sich dann unsere Bank gefüllt.“ Stefan Selbach kennt seine Mitbewohner. Denn schnell sind der Erwin, der Eberhard, der Siggi oder die Irena auch da. Zumeist sitzen um die zehn Leute auf, um oder neben der Bank.

„Wir haben überlegt, einer ist dann auf den Namen „Bänker“ gekommen. Was den Nagel ja auch auf den Kopf trifft“, lacht Siggi. Schnell haben sie T-Shirts mit dem entsprechenden Namenszug anfertigen lassen, mittlerweile tragen rund 20 Anwohner der Straße das schwarze Polohemd. Jüngstes Mitglieder der „Bänker“ ist die sieben Wochen alte Alana. „Die hat zwar kein Shirt, dafür aber einen Babybody“, lacht die junge Mutter.

Jetzt, wo die lauen Abende geradezu zu einem gemütlichen Bankaufenthalt einladen, kann der Freitag für die Anwohner nicht schnell genug kommen. Die sitzen dann nicht nur zusammen, sondern sie feiern auch Geburtstage, Halloween oder andere Feste. Natürlich wird auch der Grill angeworfen, der Kaminofen angeheizt oder aber es wird zu einem Straßenfest eingeladen, das vor 15 Jahren „geboren“ wurde, nun ebenfalls bei den „Bänker“ fester Bestandteil im Miteinander geworden ist.

„Es geht ja nicht nur um das Treffen, es geht auch um das Pflegen der Nachbarschaft, das gegenseitige Helfen oder füreinander da sein, wenn einer Hilfe braucht.“ Andrea Schneiders möchte die Treffen, wie alle anderen auch, nicht mehr missen. Mittlerweile haben auch die „pubertierenden Jugendlichen, also unsere Kinder“, so berichtet Klaus, an den Treffen Gefallen gefunden. Kurz vorbei schauen, vielleicht ein Bierchen mittrinken – gut gefüllte Kühltaschen für Speis und Trank sind obligatorisch an der Holzbank – dann ins Wochenende starten, auch die Jugend, wie der 19-jährige Lars, betont, „dass nicht alles, was wiederbelebt wird, altmodisch ist.“

Im Winter ins Wohnzimmer

Stressabbau pur bringt es Stefan auf den Punkt. Dass zu besonderen Anlässen – zurzeit sind Goldhochzeiter auf einer verspäteten Hochzeitsreise – auch das Portemonnaie geöffnet wird, versteht sich von selbst. „Wenn die wieder zu Hause sind, werden die sich wundern“, sagt Stefan. Er verrät allerdings nicht, wie das „Wunder“ aussehen wird. Und wenn dann die Winterabende kommen, es wirklich für einen Holzbank-Aufenthalt zu kalt wird, dann wird bei dem einen oder anderen im Wohnzimmer gesessen. „Zum Beispiel ein Spieleabend organisiert“, berichtet Irena. Doch diese Idee von der winterlichen Zusammenkunft ist schon weiter gesponnen worden.

„Wir suchen einen alten Bauwagen, den wir dann für unsere Bedürfnisse herrichten wollen.“ Ralf Schneiders kann sich schon gut vorstellen, wie diese Freitagabende dann ablaufen werden. Wer nun über ein solches Bauwagengefährt verfügt, es loshaben möchte, den lädt er ein. Freitags ab 18 Uhr, Wendehammer an der Mariengartenstraße. „Wir werden uns sicherlich einig“, lacht Schneiders, greift zum gravierten Bierkrug, der ihn ebenfalls, neben dem Poloshirt, als „Bänker“ verrät.

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